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Stadt reagiert auf Fachkräftemangel im Bereich Vermessung

Veröffentlicht am: 16.05.2022

Marvin Byrasch, Stefan Blumenkamp und Anna Kraska haben das Studium zum Vermessungsingenieur schon abgeschlossen. Jetzt suchen sie Nachwuchskollegen. Die Stadt finanziert das Studium.   Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof
Marvin Byrasch, Stefan Blumenkamp und Anna Kraska haben das Studium zum Vermessungsingenieur schon abgeschlossen. Jetzt suchen sie Nachwuchskollegen. Die Stadt finanziert das Studium.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

Stadt reagiert auf Fachkräftemangel im Bereich Vermessung

Krefeld hat inzwischen eine Dauerausschreibung für „Vermessungsingenieure" platziert, und auch beim Blick in bundesweite Stellenportale wird anhand der Anzahl der ausgeschriebenen Stellen deutlich: Mitarbeitende aus den Bereichen Vermessung, Geodäsie und Geoinformationen zu finden, scheint besonders schwierig zu sein. In Deutschland herrscht Fachkräftemangel. Damit Nachwuchskräfte ihren Weg zur Stadt Krefeld finden, geht der Fachbereich Vermessungs- und Katasterwesen mit dem Bereich Karriere nun einen ungewöhnlichen Weg: Erstmals bietet die Stadt eine Studienförderung für das entsprechende Studium an. Sie übernimmt damit nicht nur die Studienkosten des zukünftigen Vermessungsingenieurs, sondern zahlt auch während der Regelstudienzeit ein Gehalt. In den Semesterferien sammelt der Student wichtige Berufserfahrung in der Praxis und steigt so dual in das Berufsleben ein.

Viele Mitarbeitenden absolvieren nach der Ausbildung ein berufsbegleitendes Studium

„Nicht nur in meiner Abteilung haben wir Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen, sondern im gesamten Fachbereich verläuft Personalsuche immer wieder ergebnislos", erzählt Marvin Byrasch als Leiter der Abteilung Vermessungen. „Die meisten Schulabsolventen wissen einfach nicht, dass es diesen Berufszweig überhaupt gibt, und erst recht ist ihnen nicht bekannt, wie vielfältig unser Job sein kann." Viele der Mitarbeitenden - auch Marvin Byrasch selbst - haben zuerst eine Ausbildung zum Vermessungstechniker und anschließend in Eigeninitiative ein rund fünfjähriges Studium berufsbegleitend absolviert.

Auch Stefan Blumenkamp hat diese Stufen schon hinter sich. Als ausgebildeter Vermessungstechniker und studierter Vermessungsingenieur arbeitet er in der Abteilung für Ortsbaurecht und Grundstücksbewertung. Noch gut erinnert er sich an seine Studienzeit. „Ich habe bis rund 16 Uhr bei der Stadt gearbeitet, mich dann in mein Auto geschwungen und bin über die Autobahn bis nach Bochum gefahren", erzählt er. „Hier saß ich dann bis 20 oder 22 Uhr in der Fachhochschule. Am Wochenenden fanden außerdem oft Vermessungsübungen statt." Auch sein jüngerer Bruder Philipp, der in der Abteilung Vermessungen beschäftigt ist, hat den gleichen Werdegang durchlaufen. „Ich wollte für das Studium nicht meinen Job aufgeben", erklärt er. „Die Zeit der Doppelbelastung war schon extrem. Das Privatleben blieb fast völlig auf der Strecke."

Studium oft ohne Praxisbezug

Einen anderen Werdegang durchlief Anna Kraska, die heute in der Abteilung Liegenschaftskataster beschäftigt ist. Die 24-Jährige entschloss sich direkt nach dem Schulabschluss, das dreijährige Studium in Vollzeit zu beginnen. Für sie war die Studienzeit dadurch entspannter, Kraska fehlte aber oft der Praxisbezug. „Wir haben zwar auch praktische Übungen gemacht, ich hatte aber Schwierigkeiten, einzuordnen, wie die behandelnden Themen denn dann wirklich im Arbeitsalltag umgesetzt werden", schildert sie. „Der Bereich, in dem ich heute arbeite, kam zum Beispiel nur sehr kurz in meinem Studium vor." Hätte sie einen Praxisbezug gehabt, so glaubt sie, hätte sie wahrscheinlich eine andere Spezialisierung gewählt. Nach ihrem Studium entschied sie sich für eine Beamtenlaufbahn bei der Stadt Krefeld und ist heute „Stadtvermessungsoberinspektorin". „Ich könnte damit in jeder Abteilung des Fachbereichs arbeiten", schildert sie. „Wenn ich irgendwann das Bedürfnis nach einer Veränderung habe, wechsle ich intern." Dass das Berufsfeld Vermessung, Geodäsie und Geoinformation so vielfältig aufgestellt ist, so sind sich die Akteure einig, sei aber bei Schulabsolventen völlig unbekannt.

Nicht nur Kartenarbeit - alleine im städtischen Vermessungs- und Katasterwesen gibt es fünf unterschiedliche Abteilungen mit vielfältigen Aufgaben.  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. BischofNicht nur Kartenarbeit - alleine im städtischen Vermessungs- und Katasterwesen gibt es fünf unterschiedliche Abteilungen mit vielfältigen Aufgaben.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

Alleine im Fachbereich gibt es fünf unterschiedliche Abteilungen

Dabei gibt es alleine innerhalb des Fachbereiches fünf unterschiedliche Fachabteilungen mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen. Philipp Blumenkamp arbeitet als Vermessungsingenieur im Außendienst und ist mit Tachymeter und Stativ im Stadtgebiet unterwegs. Stefan Blumenkamp legt im Bereich der Bewertung von Grundstücken und Rechten an Grundstücken die Grundlage für städtische An- und Verkäufe. Er unterstützt auch die Bodenrichtwertableitung, die beispielsweise für die Grundsteuer und das Finanzamt benötigt werden oder liefert die Grundlagen, die in der Abteilung Bodenordnung und städtebauliche Maßnahmen für die städtebauliche Umlegung benötigt werden. In dieser Abteilung kommen dann auch Vermessungsingenieure für das amtliche Grundstückstauschverfahren zur Realisierung von Baugebieten oder für städtebauliche Sanierungsmaßnahmen zum Einsatz. Anna Kraska ist in ihrer Abteilung für die Überprüfung von Vermessungsschriften zuständig. Jedes einzelne Gebäude in Krefeld ist im Liegenschaftskataster, das in ihrer Abteilung geführt und fortgeführt wird, kartenmäßig dargestellt. Und dann gibt es noch den Bereich Geoinformationen, der durch einen hohen digitalen Anteil auf der Grundlage des Liegenschaftskatasters alle Kartendarstellungen in Krefeld schafft und zum Beispiel in Kooperation mit anderen städtischen Bereichen Risikokarten für Starkregenereignisse veröffentlicht oder interaktive Online-Karten entwickelt. „Das Entwicklungspotenzial bei uns ist riesengroß", ist sich auch Marvin Byrasch sicher. „Jetzt fehlen nur noch die entsprechenden Fachkräfte."

Stadt schließt mit der Studienförderung ein überregionales Loch

An der Gewinnung dieser arbeitet auch Jan Visser, zuständig unter anderem für das Recruiting von Nachwuchskräften. Durch die Studienförderung im Bereich Vermessung schließt die Stadt ein Loch, mit dem viele Kommunen zu kämpfen haben. „In vielen anderen Bereichen, zum Beispiel im Verwaltungsdienst oder im Sozialen, bieten wir schon duale Modelle an, denn ein duales System ist für alle eine Win-Win-Situation", erklärt er. „Der Student bekommt früh Praxiserfahrung, und wir erhalten gutausgebildete Fachkräfte. Aber im Bereich Vermessung werden hier gerade erst die Weichen gestellt." Also schaffte die Stadt ihr eigenes Angebot. Nun hoffen Jan Visser und die Personalabteilung, dass sich interessierte Bewerber finden, die die Studienförderung in Anspruch nehmen möchten. Für das Studium, das in der Regel sechs oder sieben Semester dauert, bewerben sich die Interessenten an der Hochschule ihrer Wahl selbst, hier gilt die durch die Hochschule festgesetzte Studienverordnung. Mit der Immatrikulation kommen sie dann zur Praxisbegleitung in die Stadtverwaltung. „Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums und einer positiven Beurteilung der Praxiseinsätze", schließt Jan Visser ab, „bieten wir dem Absolventen eine Tätigkeit im Ingenieurbereich an - unbefristet oder mindestens für die Dauer von fünf Jahren."

Die gesamte Ausschreibung gibt es online im Karriere-Portal der Stadt Krefeld (https://www.krefeld.de/karriere) unter dem Stichwort „Bachelor of Engineering / Bachelor of Science 2022 - Förderung des Studiengangs Vermessung, Geodäsie, Geoinformation oder vergleichbar". Die Bewerbungsfrist endet am 25. Mai.

 

 

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