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Historische Datenbank Jüdische Krefelder

Die „Historische Datenbank Jüdischer Krefelder" der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld hat es sich zur Aufgabe gemacht, Informationen, Dokumente und historische Quellen aller Art zu ehemaligen jüdischen Krefelder Bürgern zusammenzutragen. Über das hier auf dieser Seite zugängliche Findbuch bietet sie einen rund um die Uhr und rund um die Welt verfügbaren Einstieg in die Erforschung der Schicksale der Krefelder Juden.

Meldekarte Gottfried Gompertz

Familienforschung
beginnt dort, wo die Verfolgung und Ermordung von Angehörigen tiefe Wunden hinterlassen haben, oft erst in der dritten oder vierten Generation.Auch viele Nachkommen der aus Krefeld vertriebenen oder ermordeten Juden, die oft von den Überlebenden selbst nur Wenig erfahren haben, haben sich in den letzten Jahren auf die Suche nach dem Schicksal ihrer Vorfahren gemacht. Sie leben über den ganzen Globus verstreut. Das Internet ist für sie oft die einzige Möglichkeit, auch ohne nähere Ansatzpunkte Informationen zu bekommen.

Wissenschaft
Neben dem familiengeschichtlichen Interesse kann die Datenbank auch für wissenschaftliche Forschungszwecke nutzbar gemacht werden. Insbesondere lokalhistorische und sozialgeschichtliche Fragestellungen können anhand des hier gesammelten Datenmaterials formuliert und bearbeitet werden.

Inhalt
Zum jetzigen Zeitpunkt umfasst die Historische Datenbank Jüdische Krefelder rund 2.800 Einzelpersonen, welche zwischen dem Anfang des 19. Jahrhunderts und dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 in Krefeld gelebt haben.
Nicht alle diese Personen haben einer Jüdischen Gemeinde angehört. Sofern sie nach 1933 noch lebten, wurden aber auch anders- oder nichtgläubige Menschen jüdischer Abstammung von den Nationalsozialisten als Juden eingestuft und verfolgt. Daher sind auch Personen in der Datenbank enthalten, die sich selbst nicht (mehr) als jüdisch bezeichneten und/oder einer christlichen Kirche angehörten.

Datensatz Doktor Kurt Hirschfelder

Für jede Person wurde ein eigener Datensatz angelegt . Neben den reinen Lebens- und Familiendaten (Eltern, Geschwister, Ehepartner) gibt es Informationen zum Schulbesuch, zum beruflichen Werdegang, zu den Wohnadressen in Krefeld. Besonderer Wert wurde auf die Erfassung verwandtschaftlicher Beziehungen gelegt. So lassen sich ganze Familiengeschichten über mehrere Generationen hinweg nachvollziehen. Sind Grabstätten der Vorfahren auf Krefelder Friedhöfen erhalten, so ist auch dies auf den individuellen Datenblättern vermerkt.
Wichtigste Quellenbasis ist die Einwohnermeldekartei der Stadt Krefeld, welche im Stadtarchiv erhalten ist. Die Meldekarten der jüdischen Krefelder sind eigens für das Datenbankprojekt digitalisiert worden (siehe Bildbeispiel Dr. Kurt Hirschfelder)). Sie bilden den Grundstock der mit der Datenbank verknüpften Dokumentensammlung, welche außerdem Fotos, Auszüge aus Behördenakten, amtliche Ausweise und vieles mehr umfasst .

Dokumentation der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Krefeld
Ein wichtiger Schwerpunkt der Datenbank ist die Dokumentation des Schicksals jüdischer Krefelder, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Gesammelt wurden und werden Informationen zu den individuellen Verfolgungsschicksalen, die ja sehr unterschiedlich verlaufen sein konnten. Schulverweis, Entlassung aus dem Arbeitsverhältnis, „Arisierung", Zwangsverkauf des Wohneigentums, Einweisung in ein „Judenhaus", Verhaftung und Verhöre durch die Gestapo, bis hin zur Einweisung in Arbeits- der Konzentrationslager bzw. Deportation und Ermordung werden dokumentiert. Auch die mannigfaltigen Geschichten von Flucht und Emigration jüdischer Krefelder finden ihren Niederschlag in der Krefelder Datenbank. Gibt es einen Stolperstein, so ist dessen Standort in der Datenbank erfasst.

Die Geschichte der Krefelder Familie Herzog ist einzigartig und steht doch stellvertretend für viele Andere. Dank der in der Datenbank zusammengetragenen Informationen und Dokumente konnte rekonstruiert werden, wie die Herzogs ab 1933 nach und nach alles verloren, die Familie auseinandergerissen und aus ihrer Heimatstadt vertrieben wurde. Eine Krefelder Geschichte ohne Happy End, wie es hunderte gegeben hat. Die Erinnerung daran lebendig zu halten, ist Aufgabe der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld. Die Fakten liefert und sammelt die Datenbank . Hier geht es zur Familie Herzog.

Meldekarte Walter Herzog

Datenschutz
Im Umgang mit personenbezogenen Daten ist stets sensibel vorzugehen.
Es gilt, zwei Grundrechte miteinander abzustimmen: das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung und das Grundrecht auf Informationsfreiheit. Für alle personenbezogenen Daten gilt eine 100- bzw. 10- jährige Schutzfrist nach Geburt bzw. Tod (§ 7 Abs. 1 ArchivG NRW).
Da diese Schutzfristen noch nicht für alle der in der Krefelder Datenbank verzeichneten Personen abgelaufen sind, soll die Weitergabe von Daten und Dokumenten an eine individuelle Prüfung des Familien- oder Forschungsinteresses geknüpft werden.
Das hier veröffentlichte Findbuch enthält daher neben den Namen der Personen nur das Geburtsdatum, bei verheirateten Frauen auch den Geburtsnamen und den Geburtsort. Diese Daten reichen in den allermeisten Fällen aus, eine Person zweifelsfrei zu identifizieren.
Im zweiten Schritt können sich Interessenten dann an die NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld wenden, um weitere Informationen zu erhal-ten, beispielsweise darüber, in welchen Archiven sich Material zu den betreffenden Personen finden lässt. Frei über diese Webseite zugänglich sind nur Personen, bei denen zweifelsfrei festgestellt werden konnte, dass die Schutzfristen abgelaufen sind.

Findbuch Historische Datenbank Jüdische Krefelder

Die Datenbank soll stetig erweitert und verbessert werden. Die NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld freut sich daher über alle Hinweise und Ergänzungen, die einzelne Krefelder Juden oder jüdische Familien betreffen.

Bildnachweise:
Meldekarten Gottfried Gompertz und Walter Herzog: Stadtarchiv Krefeld
Datenblatt Dr.Kurt Hirschfelder: Stadt Krefeld, NS-Dokumentationsstelle

Mit freundlicher Unterstützung der Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld und des Landesverbandes Rheinland.
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