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Trophaeum

„Die Folge war keine Schlacht, sondern ein Schlachten", schildert der römische Historiker Tacitus (58 bis 120) in seinen „Historien" den blutigen Kampf zwischen den germanischen Batavern und den Römern in Gelduba. Nur durch einen glücklichen Zufall konnten die römischen Legionäre die Schlacht doch noch gewinnen. Für diesen Sieg hat Krefelds Stadtarchäologe Dr. Hans Peter Schletter einen in Deutschland einzigartigen Fund gemacht: die Spuren von zwei Trophaea, zwei Sieges-Denkmälern.

 

 

Münze und Römischer Helm – Typ Mainz-Weisenau
Münze aus dem Archäologischen Museum zeigt ein Trophaeum. Daneben: Ein Helm vom Typ "Mainz-Weisenau".
Bilder: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Siegesdenkmal auf dem Schlachtfeld

Die Römer bauten ein Trophaeum (Plural: Trophaea) an der Stelle auf, an der sich eine Schlacht zu ihren Gunsten wendete und die Feinde flüchteten. Eine Hochphase erlebte diese Sitte im ersten Jahrhundert vor und nach Christus. Es drückte die Freude über den Sieg aus und sollte gleichzeitig die Gegner abschrecken. Meist weihten die Soldaten dieses Denkmal auf Zeit einer Gottheit. Das Tropaeum bestand aus einem Baumstamm oder Holzpfahl, an dessen Spitze ein Helm aufgesetzt. Waffen, Panzer und Rüstung der Unterlegenen wurden am Pfahl befestigt und abgelegt. Auf Münzen sowie Reliefs finden sich derartige Darstellungen. Während es in den Niederlanden und Großbritannien Hinweise auf ein Tropaeum gibt, konnte in Deutschland bislang keines nachgewiesen werden. In Krefeld hat Schletter zwei entscheidende Indizien dafür gefunden - zwei kultische beigesetzte Helme.

 

 

zwei kultische beigesetzte Helme
Die Helme wurden 1988 und 2017 auf dem Schlachtfeld in Krefeld-Gellep gefunden.
Bild: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Keine Schlacht, sondern ein Schlachten

Tacitus beschreibt den Kampfverlauf bei Gelduba recht präzise und die Krefelder Archäologen können dieses anhand von Funden belegen: Anders als bei üblichen Marschlagern wurde das Lager der Legionäre aus Mainz, Bonn und Neuss nicht nur mit Wällen und Gräben umschlossen, sondern zumindest stellenweise mit hölzernen Türmen und Torbauten. Bei dem überraschenden Angriff konnten die Römer sich nicht so schnell in ihrer gewohnten Ordnung vor dem Lager aufstellen. Die Bataver bedrängten sie so sehr, dass die Truppe den Befehl erhielt, sich wieder ins Lager zurückzuziehen. Dabei behinderten sie sich selbst und den nachsetzenden batavischen Reitern gelang so die Einnahme der wichtigsten Tore. Tacitus' Schilderung deckt sich hier mit den archäologischen Funden.

Am heftigsten umkämpften Tor fanden die Archäologen rund 90 Pferdeskelette aus der Schlacht. Dort wurde bereits 1988 einer der beiden Helme entdeckt. „Da ist das Tor von den Batavern berannt worden. Dort gibt es also einen guten Grund, ein Siegesmal aufzustellen", so Schletter. Römische Hilfstruppen wechselten während der Schlacht dann zu den Aufständischen, die jetzt innerhalb des Lagers die Römer niedermetzelten. Durch das Eintreffen einer Verstärkung wendete sich der Kampf und die Bataver flüchteten. Und an dieser Stelle im Marschlager entdeckte Schletter im 2017 einen weiteren Helm.

 

 

Nachbildung Helme
Ausstellung "Abenteuer Großgrabung" mit der Sektion Trophäum
Bild: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Kultische Deponierung

Dass die beiden Helme nicht zufällig im Schlachtgetümmel verloren gingen, dafür spricht die besondere und für Archäologen so wichtige und in diesem Fall fast identische Fundsituation: Sehr ordentlich wurden beide Helme mit ihrem Oberteil nach unten in den Boden eingelassen. Ihre Wangenteile - wie die Helme aus Stahl - wurden abmontiert, säuberlich gefaltet und in den Helmen abgelegt. „Das muss ich wollen. Das ist kein Zufall", betont Schletter. Die nahe gelegenden Fundorte markieren den Abschluss des Schlachtfeldes und damit jeweils einen Trophaeum-Standort. Schletter geht davon aus, das die Trophaea mit dem Abzug der Truppen Ende 69 nach Neuss abgetragen, die Helme an ihren Standorten vergraben und damit den Göttern endgültig übergeben wurden. „Diese Fundsituation spricht für eine kultische Deponierung", sagt der Archäologe.

Römisches Hightechprodukt

Nach fast 2000 Jahren im Boden sah der 2017 gefundene Helm nur nach einem Rostklumpen aus. Museumsrestauratorin Eileen Wolff hat ihn in vielen Stunden und mit Präzisionsarbeit gesichert und Details wieder sichtbar gemacht. Bei beiden Krefelder Helmen handelt es sich um den sogenannten Typ Mainz-Weisenau, der an diesem Ort im Rhein zum ersten Mal gefunden wurde. Die römischen Soldaten trugen ihn im ersten und zweiten Jahrhundert als Standardmodell, auch die Bataver im römischen Dienst. Handwerker dengelten sie aus einem Stahlstück, also trieben es mit Werkzeugen aus dem Metall heraus, beschlugen sie mit Kupfer oder Messing und verzierten sie mit Ornamenten. Trotz der massenhaften Produktion handelt es sich stets um Unikate. „Das sind römische Hightech-Produkte", so der Stadtarchäologe. Und die ließen Römer oder ihre Gegner nicht auf den Schlachtfeldern zurück. Sie plünderten diese gründlich nach Waffen oder Metall zur Wiederverwertung. Noch ein Grund mehr davon auszugehen, dass die in Krefeld beigesetzten Helme absichtlich und mit einem kultischen Hintergrund vergraben wurden. Außerdem konnte Schletter andere Zusammenhänge zum römischen Lagerdorf und dessen Gräberfeld ausschließen.

 

 

 

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