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Krefeld in alten Karten

Der Wert hat einen Ursprung

Historische Karten sind beliebt und gesucht. Ihre Preise sind abhängig vom Alter, der Seltenheit der Karten, von der Detail- und Farbenfülle und von den gezeigten Orten. Sie hängen oft aufwändig gerahmt im Wohnzimmer und sind doch nur veraltete technische Zeichnungen. Um zu zeigen, was in diesen oft nur wegen ihres dekorativen Wertes gesuchten Karten steckt, werden hier einige Beispiele, die Krefeld betreffen, näher erläutert.

Einige historische Karten des Gebietes um Krefeld können als Nachdrucke beim Fachbereich Vermessungs- und Katasterwesen erworben werden. Weiterführende Informationen

Ausschnitt aus der Tranchotkarte, zum Vergrößern bitte anklicken

Ausschnitt aus der Tranchot-Aufnahme, 1804

Das Wort "Karte" stammt aus dem Lateinischen und ist von dem griechischen "xarty" abgeleitet, das ein rechteckiges Blatt, ursprünglich aus Papyrus, meinte. Dieser Sinn findet sich noch heute zum Beispiel in Begriffen wie Postkarte, Eintritts- oder Fahrkarte oder auch beim Kartenspiel. Erst um 1525 erscheint der Begriff "Karte" für Landkarte aus den romanischsprachigen Ländern kommend im deutschen Sprachraum. Weitere 100 Jahre später wird der Begriff "Landkarte" erst vereinzelt und dann immer häufiger verwendet. Der lateinische Begriff für die Landkarte war "tabula", der gleichzeitig auch ein Brett bedeutete. Für das, was wir heute Karten nennen, wurden die unterschiedlichsten Namen verwendet wie delineatio = Umrisszeichnung, descriptio = Beschreibung oder itinerario = Wegbeschreibung. Entwurf, Riss, Grund- oder Abriss und andere Bezeichnungen wurden ergänzt durch bestehende Begriffe wie zum Beispiel "geometrisch" oder "topographisch".

Karten sind in der Regel ein maßstäbliches, verkleinertes, vereinfachtes, eingeebnetes und durch Schrift und Signatur erläutertes Bild eines Teiles der Erdoberfläche. Sie sind in erster Linie Arbeitsmittel und Informationsträger in vielfacher Hinsicht.

Benutzt wird auch das Wort "Plan", das ebenfalls aus dem Lateinischen stammt und soviel wie "eben" und "glatt" bedeutet. Interessanterweise heißen Archive, in denen Karten aufbewahrt werden, nicht Karten- sondern Plankammer.

Die Funktion bestimmt die Darstellung

Karten unterscheiden sich in Form, Größe, Orientierung und Karteninhalt. Jede Karte hat ein anderes Gesicht und spricht eine andere Sprache. Karten sind ein Werkzeug für die unterschiedlichsten Berufe, angefangen bei Architekten und Planern, sei es für Eisenbahn-, Straßen- oder Gewässerbau, bis zu Wissenschaftlern wie Geologen oder Personen, die sich mit der Bewirtschaftung und Verpachtung von Grundstücken beschäftigen. Die Funktion bestimmt die Darstellung, wie der Hammer eines Schusters in Größe, Form und Gewicht auch anders ist als der Hammer eines Maurers, Dachdeckers, Schmieds oder Steinmetzes.

Form und Inhalt einer Karte bestimmt derjenige, der sie herstellt, oder der, in dessen Auftrag sie hergestellt wird. Der Anlass können aktuelle politische Ereignisse oder auch eine gezielte Selbstdarstellung sein. Manche Karten, vor allem die handgezeichneten, verdanken ihre Entstehung einem aktuellen Rechtsstreit, einer geplanten Veränderung oder dem Bedürfnis, den Bereich der eigenen Hoheitsrechte zu dokumentieren. Dabei ist die Annahme, dass ein Plan oder eine Karte deshalb falsch sei, weil sie keinen oder einen wechselnden Maßstab haben oder über eine Bedeutungsperspektive verfügen, nicht zutreffend. Denn es geht beispielsweise besonders darum, das Wichtige groß und das Unwichtige klein darzustellen.

Eine Karte ist alt oder auch historisch

Da "alt" Vergangenes betreffend bedeutet, umgangssprachlich aber auch möglicherweise "überholt", "wertlos" oder "unnütz" meint, ist eine Karte genau genommen schon bei der Drucklegung veraltet. In der Zeit der Herstellung entwickelt sich der Darstellungsinhalt weiter, zum Beispiel es entsteht ein Neubaugebiet. Kartographen und Landvermesser werden die Zeit zwischen Aufmessung und Drucklegung nie einholen können. Hingegen besagt der Begriff "historisch" bei einer Karte nicht, dass sie alt beziehungsweise überholt ist. Das zeigt das bekannte Beispiel der Engelbronner-Karte von 1723, der Krefelder Karte, die am häufigsten nachgedruckt wurde, und noch heute kopiert wird.

Die alten Karten stellen Krefeld in der Entwicklung dar

  • Welches "Krefeld" stellen die alten/historischen Karten dar?
  • Sind es die Häuser innerhalb und rund um die vier Wälle wie bei den ersten Abbildungen?
  • Ist es die Herrlichkeit Krefeld mit den Hofzeilen Inrath und Dießem und der Bauernschaft unter der Linde?
  • Wann taucht das heutige Gebiet der kreisfreien Stadt Krefeld auf?
  • Wann der Landkreis Krefeld, dessen ehemaliges Kreisamt noch heute am Bismarckplatz steht?
  • Wann gilt das Arrondissement Crefelt zur Zeit der Franzosenherrschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts?

Die Abfolge der Entstehungszeiten der Karten zeugt von der historischen Entwicklung der Stadt und des Stadtgebietes.

Auf Karten, die älter als 200 Jahre sind, ist meist die Stadt und die Herrlichkeit Krefeld gemeint.

Ausschnitt aus der Heurdtschen Karte, zum Vergrößern bitte anklicken

Ausschnitt aus der Heurdtschen Karte, nach 1680, gewidmet dem Prinzen Wilhelm III.

Die Karte und ihr Informationsgehalt

Auf Karten ist eine ungeheure Fülle an Informationen auf verschiedensten Ebenen und in den unterschiedlichsten Wissensbereichen festgehalten. Zwar bestimmt der Auftraggeber den Karteninhalt, aber die gewünschten Informationen müssen ja an bestimmten und auch bekannten Dingen festgemacht werden, damit die Karte lesbar ist.

Eine arabische Karte zum Beispiel, auf der nur der kleine Ausschnitt einer Landschaft oder Region dargestellt ist, ist für uns nicht lesbar. Wenn aber zum Beispiel das Mittelmeer mit markanten Formen zu sehen ist, ist man versucht zu erkennen, wo Alexandria liegt und wie es auf Arabisch geschrieben wird. Und so ist es mit allen Karten: Das Neue muss an Bekanntem festgemacht werden, damit es verständlich wird.

Diese zusätzlichen Inhalte, die für den Zeitgenossen also verständlich sein müssen, in andere Schriften aber nicht aufgenommen wurden, da sie ja als allgemein bekannt galten, machen die Karten in späterer Zeit so wertvoll.

Wenn ein Landvermesser ein Grundstück aufmisst, nützt es dem Auftraggeber nicht viel, wenn er auf dem Blatt Papier nur die vier oder fünf Ecken des Grundstücks aufzeichnet. Wenn das Grundstück nicht über eine allgemeine Kennung verfügt, werden eine Fülle an Angaben zur Orientierung gebraucht, wie Art, Bewuchs und Lage des Grundstücks, die Grenznachbarn, der Weg oder Bach, an dem das Grundstück liegt und über den man zu dem Grundstück gelangt.

Damit auf dem Plan, der ja einiges an Geld gekostest hat, das umgebende Gelände nicht so nackt aussieht, werden mit wenigen Strichen oder Symbolen noch vorhandene Hecken oder Zäune, Grenzbäume oder Wegekreuze, Gräben oder Gehölze angedeutet. Auch die Beschriftung wird in eine gefällige Form gebracht, denn der Plan zeigt auch die Mühe an, die mit der Vermessung verbunden war, und soll indirekt auch zeigen, wie sorgfältig sie durchgeführt wurde.

Schlussbetrachtung

Es gibt eine unendliche Fülle von Karten, auch über Krefeld, die es wert wären, genauer untersucht zu werden und jede Karte, die man in die Hand nimmt, kann eine Offenbarung sein, wenn sie gerade das enthält, was man schon lange sucht.

Fast jede Karte ist anders und einmalig, hat eine andere Geschichte, Herkunft und andere Inhalte. Sie wurde für die unterschiedlichsten Zwecke angefertigt, und das, seit es Karten gibt. Worin der jeweilige Wert einer einzelnen Karte liegt und welche Informationen in ihr versteckt sind, muss jeder für sich immer wieder neu herausfinden.

Ausschnitt aus der Uraufnahme, zum Vergrößern bitte anklicken

Ausschnitt aus der Preußischen Uraufnahme, 1842

Abbildungsnachweis:

  • Tranchot: Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und von Müffling 1803 bis 1820, Blatt 36 Krefeld (1804 und 1805, Nachdruck 1969), Deutsche Staatsbibliothek in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin, Nachdruck herausgegeben vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Bonn (heute Bezirksregierung Köln, Abteilung Geobasis NRW)
  • Heurdt nach 1680: Kreisarchiv Wesel, MG4, Stadtarchiv Krefeld, 35/224b
  • Preußische Kartenaufnahme 1 : 25.000 - Uraufnahme, Blatt 4605 Krefeld (aufgenommen 1844, Nachdruck 1991), Deutsche Staatsbibliothek in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin, Nachdruck herausgegeben vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Bonn (heute Bezirksregierung Köln, Abteilung Geobasis NRW)