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4576/17 - Konzept zur Verteilung von Jodtabletten im Gefahrenfall - Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen -

Vorlagennummer4576/17
Datum16.10.2017
Beratungsartöffentlich

Vorgesehener Beratungsweg

Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Senioren, 14.11.2017

Wortbeitrag


Herr Feldmann erläutert kurz den Antrag und bittet um Information darüber, inwieweit ein Konzept zur Verteilung von Jodtabletten im Ereignisfall zwischenzeitlich bestehen würde.

Frau Dr. Court stellt zunächst klar, dass die Stadt Aachen eine Erlaubnis durch das Land NRW zur Vorabverteilung aufgrund der räumlichen Nähe zum belgischen Rissreaktor Tihange 2 erhalten habe. Für weiter entfernte Kommunen, wozu auch Krefeld gehört, sei eine Vorabverteilung nicht erlaubt. Zudem bestünden bei einer Vorabverteilung ohnehin auch insofern Nachteile, als dass die Tabletten falsch gelagert, bei einem späteren Ereignisfall häufig im Haushalt erst gar nicht aufgefunden oder falsch eingenommen/dosiert werden.
Auch sei die Notwendigkeit einer Verteilung im Ereignisfall für das (gesamte) Stadtgebiet generell fraglich, da man zunächst abwarten müsse, inwieweit alarmierende Werte anhand der Wetterlage für welche Bereiche erreicht werden.
Insbesondere müsse eine vorschnelle Verteilung bzw. Einnahme aus medizinischer Sicht sogar verhindert werden, da die durch die Tabletten für die Schilddrüse erwünschte Blockade der körperlichen Jodaufnahme nicht gut wiederholbar und für Menschen ab 45 Jahren generell nicht empfehlenswert sei. Die Einnahme von Jodtabletten könne zudem auch Folgeschäden (z.B. chronische Unterfunktion der Schilddrüse) verursachen. Schilddrüsenkarzinome seien grundsätzlich gut behandelbar, so dass in der Altersgruppe ab 45 Jahren eine nachträgliche Behandlung ratsamer sei als eine präventive Medikamenteneinnahme.
Insbesondere dürfe man nicht davon ausgehen, dass durch die Einnahme ein ausreichender medizinischer Schutz im Ereignisfall gegeben wäre, da zusätzlich erhebliche Risiken für andere Erkrankungen bestünden, für welche eine Vorbeugung gar nicht möglich sei, so dass die wichtigste Maßnahme im Fernbleiben bestünde.

Im Ereignisfalle koordiniere die Landesregierung zunächst anhand der beeinflussenden Parameter wie Becquerelwert, Wind- und Wetterlage in einem ersten Schritt zunächst, wann eine vorsorgliche Verteilung der Jodtabletten zu erfolgen hat und übermittelt dies an die Kommunen. Nach einer Beobachtungsphase wird dann im zweiten Schritt mitgeteilt, dass eine Einnahme erfolgen soll/kann. Derzeit seien die Jodtabletten erst einmal zentral eingelagert.

Herr Ludwig und Herr Feldmann weisen unter Bezugnahme auf den gestellten Antrag darauf hin, dass es dennoch ein Konzept geben müsse, welches im Ernstfalle und nach Freigabe durch die Landesregierung Umsetzung findet. Dies sei durch die Verwaltung angekündigt worden.

Frau Klaer befürwortet die zentrale Einlagerung der Jodtabletten, da man von einem verantwortlichen Umgang mit dem Medikament in den Privathaushalten nicht ausgehen könne, allerdings spricht auch sie sich dafür aus, dass ein Verteilungskonzept existieren sollte, falls es zur Notwendigkeit einer Verteilung kommen sollte.

Frau Dr. Court verweist hierzu auf die den vorgenannten Parametern geschuldete Komplexität eines Verteilungskonzepts, welches jedoch künftig aufgestellt werden soll.

Aufgrund der geschilderten Problematik bzw. der durch Frau Dr. Court beschriebenen medizinischen Umstände weist Frau Oellers darauf hin, dass die Entwicklung eines Konzepts, welches lediglich auf ungewissen Umstände basieren könne, eher schwierig bis unmöglich sein dürfte. Ggf. sei die Entwicklung daher sowie aufgrund des recht geringen Vorbeugeerfolgs auch entbehrlich; sie weist zusätzlich darauf hin, dass die Möglichkeit der eigenverantwortlichen Vorbeugung durch Einnahme einer entsprechend dosierter Jodmenge ebenfalls bestünde.

Herr Butzen stimmt dieser Einschätzung zu und verweist über dies auf den vorhandenen Katastrophenschutz/-plan, in welchem auch ein atomarer Notfall berücksichtigt sein wird.

Frau Zielke stellt zur Thematik klar, dass man bei der Vorsorge zwischen dem gesundheitlichen Aspekt, dessen Umfang durch die Jodtabletten nicht ausreichend Rechnung getragen werden kann und welchen Frau Dr. Court ausführlich dargestellt hat, und dem Aspekt der erforderlichen Abschaltung atomarer Kraftwerke unterscheiden müsse. Die medizinische Bewertung sei nun vorgetragen wurden; ein Verteilungskonzept bzw. die organisatorische/logistische Umsetzung sei thematisch klar dem Katastrophenschutz zuzuordnen. Wenn es zu irgendwelchen Katastrophenfällen in Krefeld kommen sollte, seien Pläne vorhanden und Bund, Land und Kommunen seien hinreichend koordiniert und abgestimmt; dies gelte generell und nicht nur für die Thematik der Verteilung von Jodtabletten, welche lediglich einen kleinen Teilbereich der Vorsorge betrifft. Grundsätzlich seien in Krefeld ausreichende Meldesysteme (z.B. übers Internet, Apps, Sirenensystem etc.) vorhanden, viele weitere Gesichtspunkte wie Netz-/Stromausfälle oder Staus in Ereignisfällen würden beim Katastrophenschutz ebenfalls berücksichtigt und die Zuständigkeit des Katastrophenschutzes liegt beim Ausschusses für Verwaltung, Vergabe, Ordnung und Sicherheit.
Das Thema werde wieder aufgegriffen und neue Erkenntnisse zu gegebener Zeit mitgeteilt.