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Kresch-Theater inszeniert Brecht-Text im Bunker an der Hansastraße

Der Bunkerbau wurde in den 1940er-Jahren in den westdeutschen Industriestädten wegen der erwarteten Luftangriffe forciert. Für Krefeld wurden 30 Bunkeranlagen genehmigt, von denen 24 Hoch-, davon zwei Tiefbunker realisiert wurden. Die Arbeiten an den Schutzräumen begannen 1941 in der Stadt. Auch an eine Nutzung nach dem Krieg wurde bei dem Bau der Bunkeranlagen gedacht: Der für 10.000 Menschen ausgelegte zweigeschossige Bunker am Hauptbahnhof sollte später als Garage genutzt werden. So wurde der Baukörper auch bis in die 1970er-Jahre genutzt. Von der Bunkeranlage an der Hansastraße ist äußerlich nicht mehr zu erkennen. In der ersten Etage des gewaltigen Schutzraums inszeniert nun Regisseur Franz Mestre für das Kresch-Theater das Stück „Flüchtlingsgespräche".

Keine Bühne im klassischen Sinne

Es herrscht eine kühle und beklemmende Atmosphäre zwischen den Pfeilern aus Stahlbeton. Die Vorlage des Stücks von Bertolt Brecht handelt vom Alltag der aus Deutschland Vertriebenen. Er schrieb die Geschichte als er sich selbst als Flüchtling im Exil befand. „Die Art, wie wir es umsetzen, geht sehr nah an Publikum", sagt Mestre. Die Flüchtlinge haben ihre alte Heimat verloren und versuchen sich das Gefühl eines neuen Bezugspunktes in der Zwischenwelt des Wartens zu erschaffen. „Es ist Stück über Fremdheit, Misstrauen, Hilflosigkeit, voller Gesellschaftskritik, Absurdität und Komik", so Mestre.

Eine Bühne im klassischen Sinn wird es nicht geben, vielmehr nutzt Mestre Spielräume, in denen sich die Schauspieler im Bunker mit dem Publikum bewegen werden - eine Herausforderung für Bühnenbildner Frank Andermahr. Er will viel mit Licht und Videoeinspielungen arbeiten. Das Spiel beginnt noch eher behaglich in dem kargen Umfeld: Das Publikum sitzt in einen mit Gittern umrahmten Raum auf einem Teppichboden. Dann machen sie sich auf den Weg in den langen Schlund des Bunkers. „Das wird ein Erlebnis", verspricht Mestre.

Zusätzliche Austellung mit realen Bezug zum Bunker

Neben der fiktiven Handlung wird ein realer Bezug zum Spielort hergestellt. Das Stadtarchiv Krefeld und die NS-Dokumentationsstelle werden eine Ausstellung mit originalen Bildern und Briefen sowie anderen Dokumenten Krefelder Flüchtlinge konzipieren. „Wir erzählen Geschichten, vor allem eine, die sich hier auf den Bunker bezieht", so Sandra Franz, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle. „Wir besitzen einen großen Bestand zum Thema Flucht und Flüchtlinge", ergänzt Dr. Christoph Moß, stellvertretende Leiter des Stadtarchivs. Von dort wird der Aspekt Flucht aus Sicht einer Verwaltung dokumentiert. Zu ausgewählten Aufführungen finden historische Einführungen statt.

Schulklassen können zu ausgewählten Terminen zusätzliche Aufführungen buchen. Weitere Infos per E-Mail kresch@krefeld.de oder unter 0 21 51 / 86 26 26. Im Bunker stehen 60 Sitzplätze zur Verfügung. Die Premiere ist am 10. Mai, um 19 Uhr mit einer Einführung. Weitere Termine sind am 12. und 16. Mai sowie am 20. Juni jeweils um 19 Uhr. Dass der Bunker an der Hansastraße als Spielstätte für das Kresch-Theater genutzt werden kann, wurde durch das Stadtmarketing Krefeld ermöglicht.