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Fairkehr feiert Rekord: Nur 73 verletzte Kinder in 2018

Die Initiative „Krefelder Fairkehr" hat mit den Kinderunfallzahlen 2018 gleich drei neue Rekordmarken erreicht: Noch nie in der 20-jährigen Geschichte gab es weniger verletzte Kinder durch Unfälle als im vergangenen Jahr. 73 Kinder wurden 2018 bei Unfällen im Straßenverkehr verletzt, 1999 waren es noch 169. „Natürlich ist jeder Kinderunfall zu viel. Als wir 1999 mit dem Krefelder Fairkehr begonnen haben, lagen wir seit Jahren schon am untersten Ende der NRW-weiten Statistik. Es war allen Beteiligten klar, dass etwas passieren muss", ließ Michael Hülsmann, kommissarischer Leiter von Fairkehr, Revue passieren. Der Rückgang von 95 verletzten Kinder in 2017 beträgt satte 23 Prozent, normal seien fünf Prozent in die eine oder andere Richtung, so der Leiter der Direktion Verkehr der Polizei, Holger Klein.

Nur 53 aktive verletzte Verkehrsteilnehmer

Es gibt weitere Erfolgsmeldungen: Nur 53 der verletzten Kinder - so wenig wie noch nie zuvor - wurden als „aktive Verkehrsteilnehmer" gezählt, heißt, sie waren selber auf dem Rad (31), als Fußgänger (21) oder anderweitig unterwegs. Als „passive Verkehrsteilnehmer" werden die 14 Kinder gewertet, die im Auto mitfuhren und bei Unfällen verletzt wurden, ebenso wie drei verletzte Kinder als Mitfahrer auf dem Zweirad und drei als Fahrgäste in einem Bus.

Der kommissarische Leiter von Fairkehr, Michael Hülsmann, Nadine Habeck-Friese von der Verkehrswacht und der Leiter der Direktion Verkehr der Polizei, Holger Klein, freuen sich mit Freddy Fair über mehrere Rekordmarken in Sachen Fairkehr. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücke
Der kommissarische Leiter von Fairkehr, Michael Hülsmann, Nadine Habeck-Friese
von der Verkehrswacht und der Leiter der Direktion Verkehr der Polizei, Holger Klein,
freuen sich mit Freddy Fair über mehrere Rekordmarken in Sachen Fairkehr.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücke

Und noch eine Zahl bedeutet einen Rekord: Von den 73 verletzten Kindern wurden 64 nur leicht verletzt, einen geringeren Wert hat es noch nie gegeben. Neun Kinder wurden schwer verletzt, der bisherige Tiefstwert liegt im Jahr 2013 bei acht. Als „schwer verletzt" gilt, wer länger als 24 Stunden im Krankenhaus behandelt werden muss. Von den 73 verletzten Kindern sind 50 männlich. Nur 2012 gab es mehr verletzte Mädchen als Jungen. „Das zeigt, dass Mädchen vorsichtiger unterwegs sind", so Hülsmann.

Drei Elternhaltestellen werden gebaut

Als Erfolg der jahrelangen Präventionsarbeit werten die Verantwortlichen, dass es nur noch drei Unfälle von Geisterfahrern gegeben hat (2017: zehn), und auch die Zahl der Schulwegunfälle rückläufig ist (2018: 13, 2017: 21). Gerade in dem Bereich hat es zuletzt Bemühungen gegeben: Es wurden Elternhaltestellen gebaut und ein Videospot zum Thema veröffentlicht. Noch in diesem Sommer sollen weitere Elternhaltestellen an der Schönwasserschule, der Geschwister-Scholl-Schule und der Waldorfschule entstehen. Klein: „Wir erleben an vielen Schulen morgens ein Verkehrschaos, weil es noch immer zahlreiche Eltern gibt, die ihre Kinder möglichst in die Klasse fahren wollen. Hier wollen wir mit den Elternhaltestellen gegensteuern, aber auch mit Verkehrserziehung. Nichts wirkt besser, wenn das Kind seinen Eltern sagt, es möchte lieber zu Fuß gehen als mit dem Auto gebracht werden."

Immer mehr Kinder können kein Fahrrad fahren

Dennoch gibt es auch einige Dinge, die den Fairkehr-Mitarbeitern noch Sorgen machen. Zum einen sind es die immer größeren Autos (SUV), hinter denen Kinder im Straßenverkehr komplett verschwinden, zum anderen aber auch eine größer werdende Anzahl von Kindern, die schlecht oder gar nicht Fahrradfahren können. „Wir stellen leider fest, dass immer mehr Kinder nicht an den Radfahr-Prüfungen im vierten Schuljahr teilnehmen oder durchfallen. Das Rad wird leider häufig zum Familienfremdkörper. Viele Eltern können kein Rad fahren und vererben dies an ihre Kinder", berichtet Nadine Habeck-Friese von der Verkehrswacht. Mit einer mobilen Verkehrsschule soll das Problem nun angepackt werden.

 

INFO

Die Initiative Krefelder Fairkehr ist 1999 in die intensive Phase der Bekämpfung der Kinderunfälle eingetreten. Ausgangspunkt waren eine Untersuchung und ein Handlungskonzept der Ruhr-Universität Bochum. Zuvor konnte 1998 die Stiftung für Kriminalprävention unter Leitung von Klaus Stüllenberg in Münster-Hiltrup für ein Forschungsprojekt gewonnen werden. Sie beauftragte die Ruhr-Universität Bochum mit einer Analyse von rund 800 Unfällen mit Kindern und mit der Entwicklung eines daraus resultierenden Handlungskonzepts. Dieses basiert auf vier Säulen: Überwachung und Ahndung, Bau- und Verkehrstechnik, Verkehrserziehung und -sicherheitsberatung sowie Öffentlichkeitsarbeit.

Die Arbeitsgruppen in den genannten Bereichen leisten seit 20 Jahren wichtige Beiträge zum Rückgang der Unfallzahlen mit Kindern. So wurden unter anderem knapp 400 bauliche Maßnahmen im Straßennetz realisiert, es gibt Trainings in Schulen, spezielle Schulwegpläne und Radio- und Kinospots. Die Politik in Krefeld trug ebenso mit erheblichen finanziellen Mitteln zum Erfolg von Fairkehr bei. Insgesamt stellten Stadt Krefeld und Land in den vergangenen 20 Jahren mehr als drei Millionen Euro für die Arbeit der Initiative bereit. „In Krefeld kennen 80 Prozent den Krefelder Fairkehr. Er ist selbstverständlicher Bestandteil der Alltagsorganisation zahlreicher Behörden, Ämter und Institutionen geworden", so Hülsmann. Die Initiative beeinflusst seit Jahren viele behördliche, politische und pädagogische Entscheidungen und schafft dadurch auch einen großen Standortvorteil: Junge Familien können bei ihrer Wohnortwahl davon ausgehen, dass in Krefeld gut auf ihre Kinder im Straßenverkehr aufgepasst wird.