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Koordinierungsstelle Gemeinwesenarbeit nimmt ihre Arbeit auf

Zuletzt geändert: 01.12.2021 14:39:04 CET

Die Stadt Krefeld sieht sich zunehmend stärker mit den Problemen einer räumlichen Konzentration von Risiken, Benachteiligungen und sozialen Problemlagen konfrontiert. „Prekäre Lebenslagen aufgrund des verfügbaren Einkommens, der Arbeitslosigkeit oder durch atypische Beschäftigungsverhältnisse betreffen in belasteten Sozialräumen einen Großteil der Bewohner", sagt Stadtdirektor Markus Schön. Um die sozialen Problemlagen in einem ganzheitlichen Ansatz zu bewältigen, wurde bei der Stadtverwaltung die Koordinierungsstelle für Gemeinwesenarbeit als Baustein einer integrierten Stadtentwicklung für Krefeld geschaffen. Diese ist angegliedert an den Geschäftsbereich Bildung, Jugend, Sport, Migration und Integration von Stadtdirektor Markus Schön. Zum Stab der Koordinierungsstelle gehören unter anderem Dr. Sabrina Diana Lesch (Kommissarische Leitung), Sandy Schilling (Quartiersmanager), Markus Klein (Arbeitsmarktkoordinator), Joachim Watzlawik (Koordinator Krefeld für Kinder), Doris Schlimnat (Flüchtlingskoordinatorin) und Steffen Hoss (Gemeinwesenkommunikation).

Quartiersmanager Sandy Schilling, Arbeitsmarktkoordinator Markus Klein, Joachim Watzlawik (Koordinator Krefeld für Kinder), Stadtdirektor Markus Schön, Steffen Hoss (Gemeinwesenkommunikation) und Sabrina Lesch (kommissarische Leiterin der Koordinierungsstelle, von links).  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. BischofQuartiersmanager Sandy Schilling, Arbeitsmarktkoordinator Markus Klein, Joachim Watzlawik (Koordinator Krefeld für Kinder), Stadtdirektor Markus Schön, Steffen Hoss (Gemeinwesenkommunikation) und Sabrina Lesch (kommissarische Leiterin der Koordinierungsstelle, von links).
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

„Ich bin froh, dass ich so viele Experteninnen und Experten für ihre jeweiligen Aufgabengebiete gewinnen konnte, die gemeinsam die Herausforderungen der belasteten Sozialräume in Bezirken wie Mitte und Süd angehen wollen und werden", sagt Schön. Ein Hauptaugenmerk des neuen Stabes soll auf der Kommunikation mit den Bürgern der besonders stark von sozialen Problemlagen betroffenen Stadtbezirke liegen. „Wir müssen die Leute wirklich dort abholen, wo sie sind: an der Kita, vor der Schule, auf den Spielplätzen." Neben den festen Anlaufpunkten in den Quartieren sollen zusammen mit vielen weiten Akteuren auch neue „Anknüpfungspunkte niederschwelliger Beratungsangebote" geschaffen und vielfältige Projektvorhaben angestoßen werden.

"Problemlagen und Herausforderungen werden durch die Pandemie-Situation weiter verstärkt."

Dr. Sabrina Lesch, die die Stabsstelle derzeit kommissarisch leitet, sagt: „Die Problemlagen und Herausforderungen der sozioökonomisch belasteten Kinder und Jugendlichen werden durch die Pandemie-Situation weiter verstärkt. Das bereits aufgebaute Präventionsmonitoring wird diese Entwicklungsprozesse vor, während und nach der Pandemie weiter beobachten, um entsprechende bedarfsorientierte Maßnahmen einleiten zu können." Im Rahmen der Kommunalen Präventionsketten entlang der Lebensbiografie der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 0 bis 27 Jahren wurden bereits Meilensteine entwickelt, die insbesondere auch den Herausforderungen der Pandemie Rechnung tragen. Dazu gehören unter anderem partizipative Ansätze, wie eine Befragung der Krefelder Familien, ganz nach dem Motto „mit den Menschen sprechen, anstatt über sie".

Prominente Paten wie Patricia Kelly, Katja Burkard oder Christian Ehrhoff für "Krefeld für Kinder"

Weiterhin findet eine enge Anbindung an die Initiative „Krefeld für Kinder" statt, die von Joachim Watzlawik koordiniert wird. Die Initiative verfolgt unter anderem die Ziele, für das Thema Kinderarmut zu sensibilisieren und Projekte zu Gunsten von Krefelder Kindern zu unterstützen sowie weitere Kooperationspartner zu gewinnen. Die neue Stabsstruktur Gemeinwesenarbeit verzahnt die komplexen Themenbereiche und wird einen Beitrag leisten, Projekte anschlussfähig zu machen und die Stadt gemeinsam mit ihren Bürgern zu gestalten. „In den vergangenen Monaten konnten bereits zahlreiche Projekte durchgeführt und prominente Paten wie Patricia Kelly, Katja Burkard oder Christian Ehrhoff für Krefeld für Kinder gewonnen werden", sagt Watzlawik.

40 verschiedene Initiativen sind im Netzwerk Impuls.AG zusammengeschlossen

Ein ebenfalls wichtiger Baustein der Koordinierungsstelle für Gemeinwesenarbeit wird das soziale Quartiersmanagement sein, das vor allem auf die nachhaltige Verbesserung von Lebenssituationen in benachteiligten Quartieren abzielt. 2019 wurde die Stelle soziales Quartiersmanagement zur Koordinierung dieser Projekte eingesetzt. Derzeit laufen zwei große ESF-geförderte Projekte BIWAQ und „Wir im Quartier" sowie ein Projekt über den Paritätischen Wohlfahrtsverband zur altengerechten Quartiersentwicklung. „Darüber hinaus gibt es im Stadtgebiet über 40 verschiedene Initiativen, die unterschiedliche Formen der Quartiersentwicklung umsetzen und im Netzwerk Impuls.AG zusammengeschlossen sind. Diese Akteurinnen und Akteure setzen 2021 und 2022 neunundzwanzig unterschiedliche Projekte mit einem Gesamtvolumen von 690.000 Euro aus Mitteln des Teilhabe- und Integrationsgesetzes NRW um", berichtet Quartiersmanager Sandy Schilling.

Mangelnde Qualifikation: Einer der Hauptgründe für den langfristigen Verbleib in der Arbeitslosigkeit

Ein weiteres Augenmerk wird die Koordinierungsstelle auf das Themenfeld Arbeitsmarkt richten. Wie der neue Arbeitsmarktkoordinator Markus Klein betont, leistet die Stadt Krefeld bereits an vielen Stellen wichtige Beiträge zur Beschäftigungsförderung. „Meine Aufgabe wird es sein, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren weiter zu optimieren." Inhaltlich werde man sich auf Themenfelder wie junge Menschen, Langzeitarbeitslosigkeit, die Steigerung der Frauenerwerbsquote und Migration konzentrieren. Vor allem gelte es aber, berufsbezogene Bildung zu fördern. Mangelnde Qualifikation sei einer der Hauptgründe für den langfristigen Verbleib in der Arbeitslosigkeit.

"Menschen, die in Krefeld leben, wohnen und arbeiten, Gehör verschaffen!"

„Wo so viele fach-und ressortübergreifende Themenfelder miteinander verknüpft werden, wird es eine klare Kommunikationsstruktur mit allen Akteuren, vor allem im Zusammenspiel mit der Krefelder Bevölkerung geben müssen", erklärt Steffen Hoss. Der 34-Jährige verantwortet die Gemeinwesenkommunikation und sagt: „Wir werden den Menschen, die in Krefeld leben, wohnen und arbeiten, Gehör verschaffen. Wir werden auf Menschen in den belasteten Sozialräumen zugehen und mit ihnen sprechen, ihnen zuhören, sie an der Zukunftsgestaltung dieser Innenstadt teilhaben lassen." Für die Integration der mitwirkenden Akteure der Stadtgesellschaft ist die Vernetzung und Kooperation zwischen Menschen und Einrichtungen essentiell zur erfolgreichen Bewältigung der Aufgaben der Fachstelle für Gemeinwesenarbeit. Die Kommunikation muss dabei sowohl verwaltungsintern als auch zwischen Partnern der Stadt und externen Mitgestaltern (Freie Träger, Wohlfahrtsverbände, Sportvereine, Kirchen, Migrantenselbstorganisationen, Bürgervereine, und mehr) in höchstem Maße verlässlich, sachlich und förderlich ablaufen.

Konfliktlösung im öffentlichen Raum

Wo Menschen unterschiedlichster Herkunft, Kulturen, sozioökonomischer Hintergründen und Lebensentwürfen auf relativ beengtem Raum in der Großstadt zusammenleben, kommt es immer wieder zu Konflikten. „Die Methode der Gemeinwesenmediation nimmt dabei eine ganz zentrale Rolle der Gemeinwesenarbeit zur Konfliktlösung im öffentlichen Raum ein und wird in Krefeld zum Beispiel im Rahmen des ‚Runden Tisches St. Josef' bereits erfolgreich praktiziert", sagt Stadtdirektor Markus Schön. Um dies als festen Bestandteil der Fachstelle für Gemeinwesenarbeit zu institutionalisieren, soll die bislang im Fachbereich Migration und Integration angesiedelte Stelle der Flüchtlingskoordination zu einer „Stelle für quartiersbezogenes Konfliktmanagement" weiterentwickelt werden, ohne dabei ihre bisherige Kernaufgabe, nämlich die Koordination der Helfernetzwerke zu Integration geflüchteter Menschen in Krefeld, vollends aufzugeben. Wichtiges Ziel dabei ist, dass alle Menschen sich im öffentlichen Raum sicher und wohl fühlen können. Niemand soll verdrängt werden, sondern das Miteinander verträglich gestaltet werden. Das heißt konkret: Die Sicherheitswünsche der Anwohner werden genauso ernst genommen wie die Wünsche von Nutzergruppen, die alleine durch ihre Präsenz Irritation hervorrufen. Hier gilt es, die Interessen und Ansprüche auszubalancieren.

Potentiale und Impulse der Bewohner aufgreifen und für die weiteren Planungen nutzbar machen

Gemeinwesenarbeit wird einen positiven Impuls zur Stadtentwicklung insgesamt geben. „Sie verfolgt dabei den jetzt auch in Krefeld zunehmend praktizierten Ansatz einer integrierten Stadtentwicklung, wo Bedarfe der Fachplanungen der einzelnen Fach- und Geschäftsbereiche vom städtischen Fachbereich Stadtplanung aufgegriffen und bei der Aufstellung der diversen Planungsinstrumente mitberücksichtigt werden", sagt Markus Schön. Gemeinwesenarbeit gehe bezogen auf die integrierte Stadtentwicklung noch einen entscheidenden Schritt weiter und zwar indem sie gezielt Potentiale und Impulse der Bewohner eines neu zu gestaltenden Quartiers aufgreift und für die weiteren Planungen nutzbar macht. Bürgerbeteiligung wird somit zu einer Gestaltungsoption. So verstanden kann Bürgerbeteiligung Vorhaben positiv begleiten, zum Beispiel eine Bevölkerungsbefragung zum Sport.