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2017, 1 - StickBILDER (14. Mai bis 17. September 2017)

StickBILDER zeigt erstmals einen neuen Trend in der Textilkunst: 70 Arbeiten von fünf zeitgenössischen Künstlerinnen aus Deutschland verbinden die Technik des Stickens mit anderen bildgebenden Techniken. Diesen zeitgenössischen Arbeiten werden sieben Objekte der eigenen Sammlung gegenüber gestellt.

Künstlerarbeiten

Gisoo Kim, Victoria Martini, Brunhild Mauss, Monika Thiele und Katharina Wilke kombinieren in ihren StickBILDERn die klassische Verzierungstechnik des Stickens mit Fotografie, Malerei und Druck. Zwar sind die Herangehensweisen der Künstlerinnen vielfältig, ebenso ihre Ausdrucksformen, aber dennoch stehen sie für einen aktuellen Trend in der Textilkunst.

Gisoo Kim aus Essen überschreibt ihre Technik mit „NadelZeichnungen". Sie fotografiert, fertigt aus den Abzügen Collagen und überstickt diese schließlich mit unterschiedlich starken Nähgarnen und Sticktwist. Ihre Stickerei legt sich wie eine Zeichnung über die Fotografien, zeichnet vorhandene Formen nach und führt diese fort. Kim schafft so eine Vielschichtigkeit, die an Vexierbilder erinnert.

Victoria Martini aus München betitelt ihre Arbeitsweise als „Verlangsamung der Zeit". Sie findet ihre Vorlagen im Internet und in Printmedien. Sie wählt Motive des aktuellen Geschehens, die erschrecken oder nachdenklich stimmen. Am Computer fremdet sie die Vorlagen, stellt sie in einen neuen Kontext, fertigt Zeichnungen und gibt sie als teilweise gestickte, teilweise gemalte Bilder auf zum Teil lieblich gemusterten Druckstoffen wieder. Ihre Bilder beziehen sich stilistisch auf die Pop-Art der 1960er Jahre.

Brunhild Mauss aus Tönisvorst bezeichnet ihre Technik als „FadenMalerei". Sie fotografiert Landschaften, Wiesen und Pflanzen und nimmt diese Bilder als Vorlage, die sie ohne Vorzeichnung in Stickerei auf den Stickgrund überträgt. Ihr kommt es darauf an, die Strukturen und Farben der Pflanzen realistisch nachzuempfinden. Dabei löst sie sich von den klassischen Stickstichen und arbeitet frei.

Monika Thiele aus Baden-Baden nennt ihre Arbeiten „FadenBilder". Diese bestehen aus mehreren Lagen durchscheinenden Organzas, zum Teil mit Fotomotiven bedruckt. Vor allem aber setzt sie viele Lagen unterschiedlich ausgerichteter Spannstiche wie Schraffuren darüber. Hinterleuchtet mit Kunst- bzw. Tageslicht mischen sich die Schraffuren zu plastischen Formen. Thieles Motive sind realistisch, die Kombination ist aber poetisch assoziativ, manchmal traumartig - auch bewusst alptraumartig. Im Zentrum steht meist eine menschliche Figur.

Katharina Wilke aus Bielefeld fertigt „Fremde Momentaufnahmen, bestickt". Ihr Ausgangspunkt sind Fotografien der 1950 bis 1970er Jahre, die sie auf Flohmärkten und Internetplattformen ersteht. Sie lässt die Motive in Vergrößerung mit einem Thermodruckverfahren auf einen grob zugeschnittenen Stickgrund drucken, überstickt Bereiche der Fotos mit Woll-, Näh- und Goldgarn und versieht sie mit Glasperlen.

 

Historische Bildstickereien

Ein StickBILD der Zeit um 1800, das 2014 in die Sammlung des Deutschen Tex-tilmuseums aufgenommen wurde, öffnete den Blick der Kuratorinnen Dr. Annette Schieck und Dr. Isa Fleischmann-Heck für die Kombination von Bildern, hergestellt in Stickerei und anderen bildgebenden Techniken. Ein Besuch der Ausstellung Katharina Wilkes in Bielefeld, gab schließlich den Ausschlag für die nun im Textilmuseum gezeigte Ausstellung.

Inmitten der 70 modernen Künstlerarbeiten ist ein Raum geschaffen worden, in dem sieben historische gestickte Bilder aus der Sammlung des Deutschen Textilmuseums gezeigt werden. Im Zentrum steht das genannte Bild, das eine pastorale Szene zeigt, ausgeführt in Wasserfarbenmalerei auf Seidengrund, mit einer Stickerei in Chenillegarn. Das in England gefertigte Bild wurde dem Museum durch den Verein Freunde der Museen Burg Linn gestiftet. Seit 2014 ist es mit finanzieller Unterstützung des Fördervereins, der Flachsmarktgemeinschaft und der Bezirksvertretung Oppum-Linn in mehreren Etappen restauriert worden und wird nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Weitere ausgewählte StickBILDER aus eigener Sammlung sind: Das Fragment einer Bordüre des 16. Jahrhunderts aus Italien, eine Bildstickerei des Heiligen Petrus (17. Jahrhundert), ein in Nadelmalerei gesticktes Landschaftsbild (um 1800), ein gesticktes „Quodlibet" von 1830 mit 21 Bildern in verschiedenen Materialien und Techniken, sowie zwei Fragmente von Möbelbezügen des 18. Jahrhunderts in Kanevasstickerei.