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2011, 3 - "Es putzt ganz ungemein" - Accessoires und Damenkleidung der letzten 200 Jahre aus dem Bestand des Deutschen Textilmuseums (25. September 2011 bis 15. April 2012)

Zum ersten Mal in seiner langjährigen Geschichte widmet das Deutsche Textilmuseum Krefeld modischen Accessoires eine umfangreiche Ausstellung und zeigt aus seinem reichen Bestand europäischer Mode zahlreiche Kopfbedeckungen, Taschen, Schuhe, Schals, Tücher und Schmuck sowie Kleider der letzten 200 Jahre.

Kleid, Baumwollbatist, Weißstickerei, Deutschland, 1810 - 1820 mit einem Karschmirschal, Seide, Schafwolle, Jacquardweberei, Frankreich, um 1820 - 1830

Im modischen Beiwerk, dem „Putz", der Generationen vor uns zumeist in mühevoller Arbeit entstanden ist, spiegelt sich ein Schmuckbedürfnis wider, das keine gesellschaftlichen Schranken mehr zu achten hatte. Denn diese, die in detaillierten Kleidervorschriften ihren Ausdruck gefunden hatten, waren in den Revolutionsjahren um 1789 und in der Zeit danach gefallen. In den Accessoires, die den Zeitgeschmack teilweise mehr reflektierten als die Kleidermode selbst, sollte sich nun ein Gestaltungswille entfalten, der seit dem frühen 19. Jahrhundert nicht nur die wohlhabende, bürgerliche Städterin erfasste, sondern zunehmend auch Frauen auf dem Lande.

Mit den Moden ändern sich im Laufe der Zeit die Funktionen der Accessoires, ebenso wie ihre Formen. Und mit den Accessoires verwandeln sich ihre Trägerinnen: Die Kopfbedeckung verleiht einer Frau ein anderes Gesicht, die Absätze von Schuhen verändern den Gang und somit das gesamte Erscheinungsbild - zu einer Dame oder eben nicht. Die nach außen hin sichtbare Persönlichkeit wird durch den „Putz" entscheidend geprägt. Und dies gilt auch heute noch, obwohl die Blütezeit der Accessoires bereits seit Jahrzehnten vorbei ist.

Linzer Goldhaube, Gestänge, Stickerei, Pailletten, Flitter auf Lamé, Oberösterreich, vermutlich 19. Jahrhundert

Neben einigen großformatigen Kaschmirschals zeigt das Museum vor allem Hauben und Hüte aus unterschiedlichen Regionen und Epochen - beispielsweise Riegelhauben, Radhauben, Goldhauben, Capoten, Hütchen, Hüte, „Wagenräder", Kappen, Strohhüte.
Taschen werden in unterschiedlichsten Arten - Beutel, Pompadours, Täschchen, Handtaschen, Kuverttaschen, Umhängetaschen - präsentiert. Und nicht zuletzt können die Besucher die gestalterische Vielfalt der Schuhformen innerhalb der letzten 200 Jahre bestaunen.

Zu den ausgestellten Damenkleidern gehören Beispiele aus der Empire- sowie der Biedermeier-Zeit, Kleider aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ebenso wie Charleston-Kleider aus den 1920er Jahren. Die 1950er, 60er und 70er Jahre sind mit Kleidern und Kostümen sowie ihren notwendigerweise zugehörigen Accessoires, wie eleganten Hüten, Schirmen, Schuhen, Handtaschen, Handschuhen und Tüchern vertreten.
Einen besonderen Höhepunkt bilden die von den Preisträgern des „Goldenen Spinnrads" in den 1990er Jahren gespendeten Kleider. Die Designer der aufwändigen Abendroben waren Christian Lacroix, Claude Montana, Olivier Lapidus und Alber Elbaz.

In schöner Ergänzung zu den ausgestellten Stücken wird außerdem eine große Anzahl an Modegrafiken, sog. Modekupfern, aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu sehen sein.

Modekupfer, 1830