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2010, 1 - European Art Quilts V (31. Januar bis 25. April 2010)

Immer wieder zeigt das Deutsche Textilmuseum Krefeld neben Ausstellungen aus eigenen Beständen solche, die mit den Sammlungsbeständen direkt nichts zu tun haben. Zwei große Bereiche aus dem riesigen Gebiet der Textilkunst sind von allem Anfang an hier niemals gesammelt worden: Teppiche und moderne Textilkunst. Gleichwohl war es immer das Bestreben des Museums, dem Publikum auch über diese interessanten Teilbereiche Informationen in Form von Privatsammlungen, übernommenen Ausstellungen oder, wie jetzt, als Ergebnisse von Wettbewerben zu präsentieren.

Im Bereich der modernen Textilkunst ist es vor allem die Szene der Quilterinnen und Quilter, die in Europa und vielleicht weltweit besonders aktiv immer wieder neue Anstrengungen unternimmt. Seit Jahren verwirklicht die von den Niederlanden aus organisierte "European Art Quilts Foundation" zweijährige Wettbewerbe. Wie aus dem Titel der augenblicklichen Ausstellung hervorgeht, ist dies schon der fünfte seiner Art.

Zu sehen sind hauptsächlich Werke von KünstlerInnen aus Deutschland, England und den Niederlanden, daneben reicht das Spektrum der Länder von Island bis Ungarn, von Israel bis Finnland. An die klassischen Quilts erinnern lediglich die Stepparbeiten, die die farbigen Muster unterstützen und begleiten. Ansonsten überwiegt die freie Gestaltung, die sich kaum mehr an die ehemals vielfach symmetrischen Gliederungen der alten Quilts gebunden fühlt.

Vielfach überzeugen malerische Ergebnisse, wie das „Paint" genannte Werk von Fenella Davies, während Wietske Kluck mit „flow#2" an das Patchwork der alten „Crazy quilts" anzuknüpfen scheint. Applikationen, die zu bildlichen Zusammenhängen gefügt sind (Véronique Doulliet, „Les gens") stehen neben Arbeiten mit plastisch aufgelegten Röllchen wie bei „Connected Circles" von Anco Brouwers-Branderhorst (Plakat- und Einladungsmotiv). Die Bandbreite der Techniken und Motive scheint unerschöpflich.

Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Gruppierungen und Zusammenschlüsse von an Quilts interessierten Künstlerinnen und Künstlern, die immer wieder zu schönen Ausstellungen führen. So wird nahezu zeitgleich im Kreismuseum Zons das Ergebnis der 4. Europäischen Quilt-Triennale gezeigt, die von der Textilsammlung Max Berg und dem Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg veranstaltet worden ist. Weit davon entfernt, sich als Konkurrenzveranstaltungen zu begreifen, sind die Museen in Krefeld und Zons überzeugt, damit der Beliebtheit und dem großen Interesse des Publikums an der Quiltszene Rechnung zu tragen. Der Besuch beider Ausstellungen lädt zum Vergleich und zur Auseinandersetzung mit der heutigen Bewegung ein.

Christine Brandstetter, Frankfurt / Deutschland, Improvisation 5: Herbstlicht, 2007 Anco Brouwers-Branderhorst, Apeldoorn / Niederlande, Connected circles, 2008