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2009, 2 - Sommerfrische - Sommerkleider aus der Sammlung des Deutschen Textilmuseums (24. Mai bis 30. August 2009)

Seit Jahren wächst die Modesammlung des Deutschen Textilmuseums kontinuierlich an. In regelmäßigen Abständen versuchen wir, unser Publikum mit diesem Thema anzusprechen. Denn Ausstellungen von Kleidern, die bereits im Museum aufbewahrt werden, haben ihren eigenen Reiz. Dem Menschen ist nichts näher als das eigene Hemd, so geht eine Redensart, und darin wird deutlich, welch große Bedeutung Kleidung hat - trotz aller gesellschaftlichen Veränderungen, die auf dem Gebiet von Kleidung und Mode in den letzten Jahrzehnten so viel Freiheiten mit sich gebracht haben, oder gerade deswegen.

Denn die Konfrontation mit unserer eigenen Vergangenheit - sei sie auch erst zehn oder zwanzig Jahre her - oder mit derjenigen unserer Eltern, macht offensichtlich, dass wir uns mit unseren Kleidern selber verändert haben.
Nicht der tägliche Blick in den Spiegel zeigt uns das, denn nur selten verändert sich die Welt oder der Mensch mit einem Paukenschlag. Es sind vielmehr die täglichen kleinen, kaum merklichen Schritte, die sich eines Tages zu einem großen Sprung summiert haben. Und den erkennt man erst aus dem Abstand.

rot-weiß gestreiftes Sommerkleid, 1950er Jahre

So schwingt in diesem Rückblick auf die letzten einhundert Jahre sicher auch eine leichte Wehmut mit. Das Thema der Ausstellung aber: „Sommerfrische" ist ein heiteres, hoffnungsfrohes. Sommer, Sonne, Meer und Berge, das klingt nach Eiscreme und Ferien. Wer ein Kleid trägt, wie das rot-weiß gestreifte aus den 1950er Jahren, das als Motiv für Einladung und Plakat zu Ausstellung dient, scheint, für einen Moment wenigstens, alle Sorgen abgelegt zu haben.

bedrucktes Sommerkleid mit Stola, 1956

Nach dem langen, kalten Winter wirkt diese Ausstellung wie eine leichte Sommerbrise. Auch wenn sehr deutlich wird, wie sehr sich die Mode in den letzten einhundert Jahren gewandelt hat, so zeigt sich doch auch, dass Sommerkleider einer eigenen Logik folgten und der besonderen Jahreszeit entsprechend auch in den frühen Jahren immer luftig sein durften und weniger formell waren als die strengere Alltagsmode. Das gibt der Ausstellung eine heitere Atmosphäre, die unsere Besucher auf die kommende Ferienzeit einstellen soll.

Der Blick auf die Männermode kommt wieder einmal zu kurz, weil kaum nennenswerte Kleidungsstücke dieser Art in unserer Sammlung erhalten sind. Dafür konnten erfreulicherweise einige Kinderkleider aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die Ausstellung integriert werden.

Kinder-Matrosenanzug mit Schleife, dunkelblau, 1920er Jahre Kindermantel, grüne Seide, um 1918