Inhalt

2008, 3 - Art of the Stitch - Zeitgenössische Stickereien - Ein Wettbewerb (28. September bis 28. Dezember 2008)

Über das Internet können Wettbewerbe inzwischen weltweit ausgeschrieben werden. Bei diesem, von der englischen Embroiderer's Guild mit Sitz in Hampton Court ausgehenden Veranstaltung, musste eine internationale Jury im Herbst 2007 insgesamt 945 Einsendungen beurteilen. Neben der handwerklichen Könnerschaft, die vorausgesetzt wurde, sollten vor allem der künstlerische Entwurf und eine gewisse innovative Kraft bei der Auswahl berücksichtigt werden. Es stellte sich heraus, dass die nationalen Unterschiede recht groß sind. Eine Überzahl an englischen Einsendungen wie auch der ausgewählten Objekte hängt mit der langen künstlerischen Tradition der englischen Stickerei zusammen, die bis auf den Teppich von Bayeux zurückgeführt werden kann.

Die Aussstellung ist das Ergebnis eines weltweit im Internet ausgeschriebenen Wettbewerbs durch die Kunsthandwerkervereinigung englischer Sticker, der so genannten Embroiderer's Guild mit Sitz in Hampton Court. An dem Wettbewerb hatten sich 608 Künstlerinnen und Künstler aus 37 Ländern mit 944 Arbeiten beteilgt. Die eingereichten Arbeiten wurden im Herbst 2007 durch eine internationale Jury begutachtet, die daraus 56 Arbeiten von 54 Künstlerinnen und Künstlern aus 13 Ländern auswählte. An dieser Jury hat die Direktion des Deutschen Textilmuseums ebenfalls teilgenommen.

Obwohl ein ziemlich breites Spektrum an modernen Stickereien in Krefeld gezeigt werden kann, ist nicht zu übersehen, dass die meisten Objekte von englischen Künstlerinnen und Künstlern geschaffen wurden. Hierfür ist sicher die englische Stickerei-Tradition verantwortlich, die bis weit ins Mittelalter und wohl bis zum Teppich von Bayeux zurückreicht (spätes 11. Jahrhundert), dessen Fertigung man eher englischen als normannischen Stickern zuschreiben möchte. Die Verbundenheit der Engländer mit dieser Tradition zeigt sich auch in der enormen Mitgliederzahl der Embroiderer's Guild, die bei 37.000 Personen liegt.

Die weiltweite Ausschreibung zeigte auch den immensen Unterschied zwischen vielfach noch sehr traditionell stickenden Künstlern in manchen Ländern und solchen, die die Konventionen in langer Entwicklung abgestreift und sich eher neuen Techniken und moderneren Inhalten zugewendet hatben.

Auffällig ist das Vorherrschen des Figürlichen, aber es kann nicht wirklich verwundern, dass auch heute noch der Mensch im Mittelpunkt des künstlerischen Interesse steht. Auch ist nich unbedingt neu, aber doch erfrischend, dass manche Künstler in die Dreidimensionalität gehen. Abgründiges steht neben Humorvollem, zarte Stickzeichnungen neben lebhaft farbigen und bisweilen geradezu expressionistischen Werken. Eine interessante Ausstellung, die die althergebrachte Vorstellung vom Sticken weiter hinter sich lässt.

Im alten Vortragsraum des Museums findet gleichzeitig eine Sonderausstellung statt unter dem mehrdeutigen Titel "Die Gottesanbeterin". Hierin zeigt die eigenwillige Neusser Künstlerin Angelika March-Rintelen genähte Arbeiten, die sowohl rein biologisch auf das Insekt, bezogen sind, und schließlich auf Nonnen, die sie seit 30 Jahren immer wieder in Klöstern aufsucht.