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2008, 2 - Von Diamanten und Lumpenpüppchen - Quilts und Kleider der Amish (18. Mai bis 24. August 2008)

Vor nunmehr 325 Jahren verließen die ersten Krefelder aus Glaubensgründen Europa, um in Amerika ein neues, unbeschwerteres Leben zu beginnen. Es handelte sich hierbei um Mennoniten und Quäker, die als Wiedertäufer keineswegs überall wohl gelitten waren. In Zusammenhang mit diesem "Jubiläum" findet in Krefeld im Mai das Historiker-Symbosium 2008 zum Thema "Politik und Religion" statt. Das Deutsche Textilmuseum nimmt mit dieser Ausstellung hierauf Bezug.

Die Amish, eine in Nordamerika ansässige Gruppe von Wiedertäufern, die ursprünglich aus der Schweiz kamen und sich Ende des 17. Jahrhunderts von anderen täuferischen Gruppierungen abspalteten, leben vollkommen unabhängig von der amerikanischen Gesellschaft nach ihren eigenen Regeln. Sie sind weitgehend gegen den technischen Fortschritt eingestellt, weil sie darin eine Bedrohung für ihre Gemeinschaft befürchten. Die Amish (oder auch Amischen genannt) berufen sich auf die Bibel, vor allem auf die Bergpredigt, also auf das Wort Gottes, das man sehr wörtlich nimmt. Eine nicht schriftlich fixierte, gleichwohl von allen Gemeindemitgliedern gekannte und befolgte "Ordnung" bestimmt mit strengen Regeln ihr Leben voller Entsagung, Demut, Langmut und Schlichtheit.

Für die Kleider der Amish gilt, dass sie bei aller offensichtlichen Einfachheit dennoch sehr dezidierten Bestimmungen unterworfen sind, die wohl von Gemeinde zu Gemeinde leicht variieren können, aber von allen Mitgliedern einer Gruppe aufs genaueste befolgt werden müssen. Dadurch erhalten diese Kleiderordnungen, die helfen sollen, Prunksucht und Eitelkeit zu vermeiden, auf der anderen Seite eine hohe Gewichtung. Denn solche Reglen führen im Grund dazu, die Aufmerksamkeit erst recht auf Äußerlichkeiten zu lenken.

Die Schlichtheit der Schnitte, die dumpfe Einfarbigkeit und die einfache Qualität der Stoffe mögen unsere an Schönheit und Erlesenheit gewohnten Besucher erstaunen. Mehr noch wird sie der Kontrast zwischen diesen eher dürftigen Kleidern und den wundervollen Quilts überraschen, die von denselben Frauen mit allergrößten Sorgfalt genäht wurden, die bei ihren Gewändern und denen ihrer Kindern oftmals die Nähte nicht einmal richtig versäubern.

In den Quilts der Amish verbindet sich das Gebot der Einfachheit in den großartigen, klaren Entwürfen von Mustern wie "Diamonds", "Bars", "Lone Star" und andere mit einem äußerst feinen Farbgefühl, das aus den wenigen zur Verfügung stehenden Stoffen (meistens denselben ungemusterten Textilien, aus denen die Frauen ihre Kleidung fertigen) reizvolle und immer wieder neue und überraschende Varianten erstellt.

45 Quilts aus drei verschiedenen Privatsammlungen aus der Zeit zwischen 1880 und 1950 zeugen von der schöpferischen Kraft der Amish Frauen. Neben den farbigen oftmals strengen Mustern ist für diese Textilien das eigentliche Quilten, das heißt der Steppstich, der die Decken mit einem unabhängigen linearen Muster völlig überzieht, von besonderem, kennzeichnendem Reiz.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog, der alle gezeigten Quilts verzeichnet (68 Seiten, deutsch-englisch), sowie ein Faltblatt zu den Kleidern der Amish.

Quilt mit dem Muster Lone Star, Ohio, um 1900 Kleidung der Old Order Amish und der Mennoniten