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2007, 2 - Ein Maskenball - Drei Kostümbildner stellen aus (13. Mai - 12. August 2007)

Das Deutsche Textilmuseum stellt in dieser Ausstellung drei Kostümbildner vor, drei Charaktere, drei unterschiedliche Ansätze, den Menschen zu verhüllen, zu verkleiden, ihm eine bestimmte Gestalt zu geben.

Stephan Hann greift einfach um sich und verwendet, was sich ihm bietet, häkelt Hosen aus alten Tonbändern, zerschneidet Filmrollen zu Minikleidern, klebt Zigarettenschachteln oder näht Milchtüten zu Kleidern aneinander. Er „recycelt". Er lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass Kleider nicht unbedingt aus textilen Materialien bestehen müssen, lässt uns mit dem reizvollen Gedanken spielen, dass wir uns hinter allem verstecken können, selbst hinter Architektenplänen oder Müll, und dass selbst in den abgelegtesten Materialien noch Glanz und Glimmer zu entdecken ist.

Dies mag den Umkehrschluss erlauben, der von uns normalerweise angestaunte Prunk und Pomp könnte sich bei näherem Hinsehen ebenfalls als Abfall entpuppen.

Stephan Hann

 

Der Kreativität eines Hazy Hartlieb, der ganz im Gegenteil größten Wert auf beste Materialien und eine außerordentlich gute Verarbeitung legt, scheinen keine Grenzen gesetzt. Der menschliche Körper ist für seine Kostüme nicht mehr als ein natürlicher Ständer, auf den keinerlei formale Rücksicht genommen wird. Jedes Gewand hat hier ein eigenes Thema, steht für sich, stellt etwas dar: einen Erdteil oder das Brandenburger Tor oder eine ganz und gar phantastische Frucht-, Flammen- oder Krokodilsdiva. Die Körperlichkeit dieser Experimente hat mit dem menschlichen Träger nicht das Geringste zu tun, die Materialien fügen sich zu den gewünschten Ideen und Formen zusammen.

Natürlich werden die Shows, bei denen er seine Puppen tanzen lässt, durch übergreifende Ideen zusammengehalten. Aber das einzelne Kostüm hat immer ein von allen anderen unabhängiges Eigenleben.

Hazy Hartlieb

 

Wieder anders geht Christof Cremer an die Sache heran. Die Gestaltung von Bühnenbild und Kostümen für die Krefelder Inszenierung von Mozarts „Zauberflöte" vom Herbst 2004 ist eines von inzwischen zahlreichen Projekten für Musiktheater oder Schauspiel, das der Künstler durchgeführt hat. Hier sind die einzelnen Kleider im Gesamtzusammenhang zu sehen. Auf der Bühne spielen Schauspieler und Sänger ihre Rolle.Sie geben vor, wirkliche Personen zu sein. Ihre Kostüme kennzeichnen sie in der Verkörperung der Darstellung und nehmen farblich und in der formalen Gestaltung aufeinander Bezug. Nicht mehr der einzelne ist hier wichtig, sondern sein Platz im Spiel.

 

Christof Cremer