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2006, 2 - Europäische Stickereien 1650 - 1850 (21.Mai - 20. August 2006)

Diese Ausstellung ist in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen zeigt das Museum zum ersten Mal überhaupt einen solchen Überblick über seine Bestände an Stickereien aus der Zeit von 1650 - 1850, das heisst vom Barock bis Biedermeier. Und zum anderen kann nach über 20 Jahren endlich wieder ein Sammlungskatalog vorgelegt werden, der die Bestände eines besonderen Sammlungsgebietes des Museums komplett erfasst.

Für die Bearbeitung konnte mit Frau Dr. Uta-Christiane Bergemann eine Wissenschaftlerin gewonnen werden, die bereits an verschiedenen Publikationen zu den Stickereien der Brandenburgischen Schlösser beigetragen hatte. Über drei Jahre wurde sie von der Gerda Henkel Stiftung Düsseldorf finanziert, um sich der Erforschung der Stickereibestände des Deutschen Textilmuseums widmen zu können.

Herrenanzug, Frankreich, frühes 19. Jahrhundert

 

Die Krefelder Stickerei-Sammlung wurde nicht kontinuierlich aufgebaut, sondern sie ist ganz im Sinne einer Vorbildersammlung aus vielen verschiedenen Quellen und zu unterschiedlichen Zeiten an das Museum gekommen. Dies spiegelt sich in der Heterogenität und großen Vielfalt der Objekte wider, die dadurch einen unerschöpflichen Einblick in die so unterschiedlichen Stickarten geben.

Neben Textilien mit prunkvoller und kostbarer Goldstickerei und zahlreichen wundervollen Beispielen einer Buntstickerei in Plattstich - die bisweilen an regelrechte Nadelmalerei erinnern -, finden sich Applikationsstickereien, Tambourierarbeiten, Weißstickereien, Filetstickereien, Stepparbeiten und Kanevasstickereien.

 

Der Katalog gibt eingehende Erläuterungen zu den unterschiedlichen Techniken (Zeichnungen von Claudia Wisniewski); darüber hinaus finden sich in einer ausführlichen Einleitung viele völlig neue Informationen über die Bedeutung von Stickereien für die verschiedenen Funktionsbereiche (Mode, Kirche, Raumausstattung), über die unterschiedlichen Produktionsweisen in organisierten, professionellen Stickerwerkstätten, Klöstern oder im privaten Bereich und über die Musterentwicklung nach Zeiten und Ländern.

Der eigentliche Reiz von Stickereien liegt darain, dass es sich immer um individuelle Arbeiten eines einzelnen Künsters handelt, jedes Stück somit in gewisser Weise als Unikat zu betrachten ist, und dies gilt selbst in Zeiten protoindustrieller Vereinnahmung im frühen 19. Jahrhundert.

So werden die Besucher eine große Anzahl von Kunstwerken sehen, die sowohl in ihrer Vollendung staunen machen, als auch vielleicht zur Nachahmung anregen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zum Preis von 40,00 Euro (bearbeitet von Uta-Christiane Bergemann, 266 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen).