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2006, 1 - Artapestry - zeitgenössische europäische Tapisserien (22. Januar bis 17. April 2006)

Schon das Wort "Artapestry", ein Kunstwort, macht deutlich, dass wir es einmal mehr mit einem Problem zu tun haben, das die moderne Textilkunst immer wieder beutelt: dem Konstrat zwischen modernen Inhalten und Ausdrucksformen auf der einen und traditionellen Techniken auf der anderen Seite.

Artapestry setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern art - Kunst und tapestry - Tapisserie, bedeutet also nichts anderes als die Kunst der Bildwirkerei. Mit Bildwirkerei verbinden wir so unterschiedliche Dinge wie koptische Textilien (etwa 1.500 Jahre alt), mittelalterliche Bildwirkereien vom Oberrhein (über 500 Jahre alt) die Produkte der Pariser Manufaktur der Familie Gobelin (mehr als 300 Jahre alt) oder Jugendstilteppiche aus Scherrebek (gut 100 Jahre alt). Aber nur weil eine Technik alt ist, muss sie nicht auch verstaubt sein. Vielmehr wäre positiv zu werten, dass sie sich in langen Jahrhunderten und in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen bewährt hat.

So sind in der Ausstellung auch nicht solche Objekte, die bewusst den traditionellen technischen Rahmen verlassen, die den besten Eindruck hervorrufen. Trotz oder gerade wegen solcher "Neuerungen" wie der Schaffung räumlicher, teilweise mit Licht verbundener Gebilde, dem "Aufschneiden" der Fläche oder regelrecht frei stehender Installationen, macht die Ausstellung deutlich, dass der angemessene Bildraum für die Tapisserie die Fläche bleibt. Sie gilt es zu gestalten.

Plakat, Artapestry

Und immer dort wird der Besucher am ehesten zufrieden gestellt, wo solche Beherrschung der Fläche sich vermittelt . Innerhalb dieses Rahmens gibt es, und auch das zeigen die hier vorgestellten Tapisserien, sehr viele sehr unterschiedliche Möglichkeiten, die vom Naturalistischen zum ganz und gar Abstrakten, vom farblich Explodierenden zur extremen farblichen Zurückgenommenheit variieren. Der Ernst des Lebens wie die Ironie spielt eine Rolle, immer wieder der Mensch, und die Natur.

Zusammengestellt wurde die Ausstellung nach Ausschreibung eines Wettbewerbs durch das European Tapestry Forum (ETF - einem Zusammenschluss von europäischen Tapisseriewebern und -weberinnen) von einer Jury, bestehend aus vier internationalen Weberinnen und Webern, sowie Nina Hoboldt, der Direktorin des Nord Jyllands Kunstmuseum in Aalborg/Dänemark.

164 Bewerberinnen und Bewerber aus 20 Ländern hatten 311 Werke eingereicht, 53 Arbeiten von 46 Künstlerinnen und Künstlern aus 16 Ländern wurden ausgewählt.

Im Katalog sind alle Weberinnen und Weber mit einem ihrer Werke farbig abgebildet.
Der Katalog ist für 12,00 Euro erhältlich.

 

Parallel wurde in der Zeit vom

22. Januar bis 17. April 2006
Verbandelt - Brettchengewebe traditionell und modern

gezeigt.

Im Vortragsraum des Museums findet gleichzeitig mit "Artapestry" eine kleine Ausstellung zu Brettchengeweben statt, die von dem Linner Brettchenweber Ottfried Staudigel initiiert wurde. Neben modernen Entwürfen werden u.a. eine Nachwebung des Sankt Ulrich Manipels aus dem 10. Jahrhundert gezeigt, sowie kostbare Bänder aus Burma und Persien.