Inhalt

2005, 2 - Anziehungspunkt - 125 Jahre Deutsches Textilmuseum (22. Mai bis 28. August 2005)

Im Jahr 2005 besteht die Sammlung des Textilmuseums seit 125 Jahren. Der Grundstock wurde 1880 mit einer ersten Vorbildersammlung für die Krefelder Webschule gelegt.
Mit Hilfe der Rheinischen Sparkassenstiftung und zahlreicher auch privater Spender gelang dem Museum im vergangenen Jahr der große Ankauf von Mode aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dadurch ist es jetzt möglich, anhand von Kleidern aus den Jahren des Bestehens des Museums einen kleinen Rückblick zu geben auf diese lange Zeit, ihre Menschen und das, was sie trugen.

Dabei reicht die Spannweite von einem Krinolinenkleid aus den 1850er Jahren, sowie eleganten Kreationen der Zeit vor und nach der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert über die rasante Charleston-Mode der 20er Jahre, Entwürfe namhafter Couturiers (Heinz Oestergaard, Berlin, Christian Dior, Paris) aus den 50er Jahren bis in die Neuzeit mit Schöpfungen interessanter Designer aus der Umgebung (Gugu Ernesto, Gesinse Moritz, Thanhminh, alle Köln).

Für die Wahl des besonderen Theams unserer Jubiläumsausstellung liegt in der Überzeugung begründet, dass man mit Kleidern, die für die Menschen stehen, die sie getragen haben, am deutlichsten die Veränderungen bewusst machen kann, die mit uns, mit unserer Umwelt in all den Jahren vor sich gegangen sind: Welche Frau, die sich heute in Radlerhosen auf ihr Rennrad schwingt, käme nicht ins Grübeln angesichts unserer wollenen Fahrradkostüms von 1900 mit eng anliegenden Keulenärmeln, zweireihig geknöpftem Oberteil, bodenlangem Rock und einem kleinen "cul", das heisst, einer gewissen modischen Verstärkung der Rückansicht?

Anziehungspunkt, das ist bewusst mehrdeutig. Es meint unser Museum, das die Besucher auf sich aufmerksam machen, sie anziehen möchte, und es bezieht sich natürlich auf die Kleider, die wir ausstellen. Es deutet aber auch darauf hin, dass alles nur punktuell, nur in kleine Blitzlichtern aufleuchten kann, dass Einblicke, Rückblicke, die wir geben wollen, nicht in aller Breite und Ausführlichkeit den gesamten Zeitraum abdecken können.

Denn die Kleidung und mehr noch die Mode ist so überaus vielfältig, dass man auf Vollständigkeit bei einem solchen Thema niemals hoffen kann. Mehr noch, sie würde den Betrachter ermüden. So aber, durch die zufälligen und subjektiven Eindrücke werden viele Erinnerungen wach, und das ist das eigentliche Ziel der Ausstellung. Der Betrachter wird angezeigt, sein eigenes Leben Revue passieren zu lassen, und wenn er die Ausstellung verlässt, wird er, so hoffen wir, viel mehr gesehen haben, als wir ihm tatsächlich zeigen können. In seinem Kopf nämlich werden Bilder auftauchen, die unsere Ausstellung ergänzen um seine ganz persönlichen Erfahrungen. Somit wird das Deutsche Textilmuseum für seine Besucher ein Dreh- und Angel-, ein Anziehungspunkt ganz eigener und sehr persönlicher Art.

Zur Ausstellung ist eine Broschüre (32 Seiten) mit Texten von Isa Fleischmann-Heck und Brigitte Tietzel zum Preis von fünf Euro erschienen.

Gesellschaftskleid, um 1912

 

Abendkleid, Thanminh, Köln, 2004