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2004, 1 - LiturgieGewänder (1. Februar bis 25. April 2004)

Anlässlich seines 50jährigen Bestehens, 1997, führte das Deutsche Liturgische Institut in Trier ein Projekt unter dem Namen LiturgieGefässe durch, in dem versucht wurde, Kirche und Design zusammenzuführen, das heisst, die traditionelle Anforderungen der Liturgie und moderne, formal-ästhetische Ansprüche einer lebendigen Gemeinde in gegenseitiger Befruchtung und Beeinflussung zu verbinden.

Die damals formulierten Fragen sind im Jahr 2003 in Zusammenhang mit der Ausschreibung zu einem Gestaltungswettbewerb "LiturgieGewänder" neu gestellt worden. Insbesondere wurde die im Zweiten Vatikanischen Konzil 1963 verkündete Liturgiereform der "vollen, bewussten und tätigen Teilnahme" des Gläubigen am Gottesdienst als Herausforderung gesehen. So galt dieser Wettbewerb in erster Linie für die Gestaltung von Liturgiegewändern für Laien. Hierfür wurden auch die Preise vergeben. Entwürfe für Priestergewänder sollten in die Entscheidung nur im Zusammenhang einer Kollektion mit einbezogen werden, bei die Gesamtgestaltung von Priester- und Laiengewändern sowohl die Zusammengehörigkeit der einzelnen Gewänder hervorheben, als auch die unterschiedlichen Funktionen der Träger deutlich machen würde.

Am 8. Dezember 2003 hat eine Jury über die eingereichten Objekte entschieden, und zwar sowohl in Hinblick auf die Preisträger (statt der anvisierten drei Preisträger sind vier, nämlich zwei 1. Preise und zwei 3. Preise ausgewählt worden), als auch auf die Auswahl für eine Ausstellung. Trotz des sehr lebhaften Interesses an dem Thema - so reichten über 70 Künstlerinnen und Künstler über 130 Gewänder ein -, blieb die Auswahl etwas hinter den Erwartungen zurück. Es zeigte sich, dass Tradition und Konvention das Feld beherrschten und dass kaum jemand sich zu wirklichen Neuerungen bewegen ließ. Eine Ausnahme machte eine Kasel aus Silikonfäden, die aber als einzelnes Priestergewand nicht in die Wertung genommen werden konnte. Lediglich ein Teilnehmer hatte den Mut, vom Jahrhunderte und Jahrtausende alten Model der Albe als Untergewand abzulassen zugunsten der in dieser Form unerhörten Neuerung eines Overall.

Erfreulich war hingegen die hohe Qualität der Einsendungen in Bezug auf Material und Verarbeitung. Der Würde des Anlasses und der Funktion waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewusst und zeigten dies in der großen Sorgfalt der ausgeführten Gewänder.

Da ein solches Projekt sowohl im kirchlichen als auch im textilen Bereich bisher einmalig ist, darf man hoffen, dass es Signalwirkung hat und zukünftigen Vorhaben als Anregung dienen darf.

Für das Deutsche Textilmuseum und die Stadt Krefeld ist es vor dem Hintergrund der eigenen Tradition als Paramentenweberstadt (worauf eine Ausstellung zum Thema im Jahr 2001 noch einmal aufmerksam machen konnte) besonders interessant, die neuen möglichen Entwicklungen zu zeigen.