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2003, 1 - Scherrebek - Wandbehänge des Jugendstils (2. Februar bis 21. April 2003)

Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Museumsberg Flensburg, dem Museum Künstlerkolonie in Darmstadt und dem Altonaer Museum in Hamburg entstand, zeigt Bildteppiche aus der Zeit des Jugendstils. Sie stammen aus der international bekannten und in ihrer Zeit gefeierten Webschule in Scherrebek, einem kleinen Ort, der heute zu Dänemark, damals aber zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein gehörte.

Friedrich Deneken, Mitarbeiter von Justus Brinkmann am Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe und ab 1897 Direktor des Kaiser Wilhelm Museums in Krefeld, gründete im Februar 1896 zusammen mit dem Scherrebeker Pastor Johannes Jacobsen die Webschule im Bestreben, eine neue Erwerbsmöglichkeit für die Landbevölkerung zu schaffen. Mit dieser Gründung verbunden war außerdem die Hoffnung einer Stärkung des Deutschtums im deutsch-dänischen Grenzgebiet.

Friedrich Deneken war es zu verdanken, dass in Scherrrebek von Anfang an bereits bekannte Jugendstilkünstler hinzugezogen wurden. In der Zeit ihres Bestehens zwischen 1896 und 1903 führte die von Pastor Jacobsen und der Weberin Marie Luebke geführte Schule Entwürfe von circa 50 Künstlern wie Otto Ubbelohde oder Alfred Mohrbutter aus. Diese Künstler trugen dazu bei, dass sich die Formensprache des Jugendstils mit der alten Technik der Bildwirkerei am Hochwebstuhl auf schöne Weise verband.

Scherrebeker Webereien waren auf allen deutschen und internationalen Kunstgewerbeausstellungen vertreten. Der Höhepunkt wurde mit der Beteiligung an der Weltausstellung in Paris 1900 erreicht.

Obwohl renommierte Kunsthandlungen die Wandbehänge in ihr Programm ausnahmen, blieb jedoch der Verkauf hinter den Erwartungen zurück. Finanzielle Misswirtschaft führte dazu, dass die genossenschaftlich organisierte Webschule bereits im April 1903 Konkurs einleiten musste. Marie Luebke erwarb daraufhin die Rechte, die künstlerischen Entwürfe unter Verwendung des Scherrebeker Webzeichens - der blau-weiß-roten Fahne Schleswig-Holsteins - weiter auszuführen.

Von den etwa 200 bekannten Motiven ist heute noch die Hälfte in öffentlichem und privaten Besitz nachweisbar. Die Ausstellung, die vom Museumsberg initiiert und konzipiuert wurde, stellt den unfangreichen Flensburger Bestand erstmals in seiner Gesamtheit vor, ergänzt durch Leihgaben aus dem Altonaer Museum in Hamburg und der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseum Schloss Gottorf.