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2002, 3 - Grenzgänger - Blumenwiese (21. Juli - 22. September 2002)

Kunstwege sollten in der von der Euroga 2002+ umfassten Region an Rhein und Maas die dezentrale Landesgartenschau um eine künstlerische Dimension erweitern. In Linn entsteht im Sommer dieses Jahres im Ortskern eine "Blumenwiese", bei der das geschichtsbezogene Kopfsteinpflaster mit gelben und weißen Pixeln wie von Gänseblümchen übersät wird.

Das Gefühl für die Natur, das die Landesgartenschau sicher in sehr konkreter Weise schärfen kann in den wundervollen, neu gestalteten Parkanlagen, wird durch die Linner Installation der Düsseldorfer Künstler Barbara Esser und Wolfgang Horn in einer eher abstrakten Weise angesprochen. Indem man über eine gepflasterte Straße geht, die das natürliche Wachstum der Blumen geradezu verhindert, und auf solchen Straßen das stilisierte Abbild der Blumen erkennt, die vielleicht zu den ersten Blüten im Leben eines Menschen gehörten, die er als Kind wirklich wahrgenommen hat, fragt man sich unwillkürlich: Wann bin ich zum letzten Mal über eine tatsächliche Blumenwiese gegangen?

Da die "Blüten" der Installation die Museen in Linn verbinden, führen sie den Besucher zur Kunst. Sie verdichten sich vor dem Textilmuseum und geben hiermit einen Hinweis auf die Inhalte dieser Kunststätte, deren Entwürfe vielfach, und dies zu allen Zeiten, der Natur entlehnt waren.

Barbara Esser und Wolfgang Horn sind in ihren Arbeiten selber dem Textilen sehr verwandt. Die Doppelgewebe der Barbara Esser spielen mit den unendlichen Variationsmöglichkeiten des Schaftwebstuhls, wenn auch die Muster auf den ersten Blick keineswegs von der Natur beeinflusst scheinen. Viel eher stehen die Entwürfe, die in der Ausstellung "Grenzgänger" zu sehen sind, den abstrakten Arbeiten der Bauhaus-Weberinnen nahe. Sie lassen sich teilweise von technischen Errungenschaften unserer Zeit inspirieren (Beispiel: Stoff "Platine"). Doch schließt sich der Kreis, wenn trotz der Abstraktion der Muster bei einigen, wie etwa bei dem Teppich "Laub", sehr wohl ein Naturerlebnis, das Fallen der Blätter, für den Betrachter spürbar evoziert wird.

Wolfgang Horn wiederum, ausgebildeter Architekt, funktioniert die Stoffe um, so dass aus Flächenkompositionen plötzlich Raumteiler werden, Bilder oder Objekte.