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2002, 1 - Quilts - textle Unikate (13. Januar - 24. Februar 2002)

1971 öffnete eine Ausstellung großartiger amerikanischer Quilts aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert im Whitney Museums of Art in New York Besuchern wie Künstlern die Augen für die besonderen Reize einer texilen Technik, die ursprünglich aus der Not geboren, vielfach in künstlerischer Weise über ihre eigene Bedingheit hinausgewachsen war. Die Ausstellung wirkte anregend für eine neue Auseinandersetzung mit dieser alten Kunstform. Seit dieser Zeit ist viel geschehen.

Zu den sind über 50 Quilts von elf Künstlerinnen, die von einer Jury anhand ihrer früheren qualitätvollen Arbeiten ausgewählt und dann aufgefordert wurden, neue Stücke speziell für diese Ausstellung anzufertigen.

Die Künstlerinnen decken ein sehr breites Spektrum ab, wie es durch ein weitgehend freies Arbeiten möglich wurde, das sich nicht mehr allzu sehr an die Traditionen gebunden fühlt, wie sie von den frühen amerikanischen Quilterinnen überliefert sind, obwohl sich manche der hier vertretenen Künstlerinnen deutlich mehr den traditionellen Mustern verpflichtet fühlen als andere. Die freiere Gestaltung scheint aber heute zu überwiegen.

Zu den freieren Arbeiten, manche mit figürlichen Darstellungen, gehören die stark von der Malerei beeinflussten Quilts von Ursula Baumung, Rosemarie Graubner und Gisela Hafer. Ihnen stehen die Werke von Hanna Mühe und Friederike Kohlhaußen gegenüber, die sicher viel unmittelbarer von der Beschäftigung mit den Textilien herkommen. Hanna Mühe zerstückelt ihre Bilder patchworkartig, und Friederike Kohlhaußen versucht räumliche Strukturen zu gestalten und solche Dreidimensionalität in ihre gequilteten Flächen zu übersetzen. Auch Sieglinde Förster-Gissler folgt in ihren gleichmäßig strukturierten Mustern in gewisser Weise alten amerikanischen Vorbildern.

Wieder andere Künstlerinnen, so Gisela Schmidt und Ulrike Steiling haben sich von solchen Vorbildern sehr weitgehend abgewendet und reduzieren beispielsweise ihre Farben, teilweise bis auf Schwarzweiß. Beide konzentrieren sich sehr stark auf optische Effekte.

Die zunächst eher der abstrakten Malerei verpflichtet wirkenden Arbeiten der Ruth Eißfeld spielen gleichwohl mit einem Urmotiv des Quiltens, der gesteppten Linie, die bei den alten Quilts immer einen zusätzlichen Reiz boten, ein zartes und unauffälliges, aber auf den zweiten Blick kraftvoll die farbige Musterung unterstützendes Element.

Inge Hueber beweist eine große Farbsicherheit. Trotz der Kleinteiligkeit der einzelnen textilen Farbelemente, die sie annähernd zusammenfügt, oder vielleicht gerade dadurch, gestaltet sie kraftvoll große Flächen mit beinahe pointillistischer Anmutung. Ohne den Pinsel zu benutzen sind gerade ihre Quilts sehr stark vom Malerischen bestimmt, und doch reines Textil.