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2001, 3 - Tafelfreuden - Damaste des 17. bis 20. Jahrhunderts (7. Oktober 2001 - 30. Dezember 2001)

Es ist über 30 Jahre her, seit das Deutsche Textilmuseum Krefeld seinem Publikum zuletzt Damaste aus eigener Sammlung gezeigt hat. Damals, 1968, war ein kleiner Katalog erschienen, in dem 22 der bedeutendsten Stücke sehr ausführlich analysiert und besprochen wurden.

Die Sammlung ist durch zahlreiche Schenkungen und teilweise durch Ankäufe inzwischen sehr angestiegen, so dass in der jetzigen Ausstellung 80 Exponate gezeigt werden können. Die Stücke unterscheiden sich stark nach Größe und Thema, sind aber verbunden durch den Gebrauch als Tischwäsche, durch das Material (hauptsächlich Leinen) und die Technik. Es handelt sich mit Ausnahme einiger später Damaste vom Ende des 19. Jahrhunderts und einiger Jugendstilservietten mit teilweise unterschiedlicher Bindung, fast ausschließlich um atlasbindige Damastgewebe.

"Gebilddamaste", wie man solche mit weißem figürlichem Muster auf weißem Grund versehenen Leintücher nennt (es gibt wenige zweifarbige darunter, die dann auch fast ohne Ausnahme Mischgewebe aus Leinen und Baumwolle oder Leinen und Seide sind), entwickelten sich im heutigen Belgien, in der Gegend um Kortrijk und Mechelen, seit um etwa 1500 offensichtlich italienische Seidenweber mit ihren Damastwebstühlen in den Norden gezogen waren. Das hochkomplizierte technische Gerät eines für die Seidenweberei entwickelten Damastzugwebstuhls war Voraussetzung für die großrapportigen, mehrere Meter langen und oftmals drei Meter breiten Damasttücher. Die seit dem Altertum an zahlreichen Orten zwischen Ägypten und Skandinavien übliche Leinenweberei konnte an den einfachen Schaftwebstühlen lediglich ungemusterte Stoffe oder solche mit kleinen Quadraten, Streifen oder Rautenmustern hervorbringen. Von Kortrijk aus verbreitete sich die Damastweberei nach Holland und Deutschland (Sachsen, Schlesien) und in viele andere europäische Länder wie Frankreich, Skandinavien, Großbritannien.

Als Thema waren einerseits schon sehr früh biblische Szenen beliebt - neben der Kreuzigung Christi und zahlreichen Marienbildern wurden häufig "passende" Themen wie die Hochzeit zu Kanaa oder das Abendmahl verwendet.

Sehr gern deutete man mit dem Einweben von Wappen die Besitzverhältnisse an oder nahm mit Allianzwappen auf die Verbindung zweier Menschen und damit letztlich auch auf das Hochzeitsmahl Bezug. Geschichtliche Ereignisse wie Schlachten oder Friedensschlüsse, dazu Feldherren, Könige, Krönungen und Hochzeiten finden sich neben Stadtansichten, die gleichfalls eine bestimmte politische Bedeutung hatten. Daneben waren solche Themen beliebt, die direkt auf Tafel- und Gaumenfreuden anspielten, wie Jäger und Jagdszenen, auch Gartenlandschaften und Schlösser.

Manchmal - leider nicht im Deutschen Textilmuseum vorhanden - fand sich sogar ein gedeckter Tisch im Tafeltuch eingewebt, und jeder Gast sah sich an seinem Platz mit zwei Tellern konfrontiert - einem in Zinn, Silber, Fayence oder Porzellan und noch einem weiteren, in Leinen eingewebten auf dem Tischtuch, dazu gab es dort auch verschiedene "Speisen" wie Hühner, Fische oder Früchte.

Blumen, Weinranken und schließlich auch absonderliche, gar nicht so nahe liegende Themen wie manche Allegorien, dann auch Erinnerungen an bestimmte Sehenswürdigkeiten oder Ereignisse, so die Reise eines Zeppelins von 1908, erweiterten die Spannbreite der Themen von Tischdamasten ins Unerschöpfliche. Einige sehr schöne, jetzt vielfach abstrakt gemusterte Jugendstilentwürfe (darunter solche von Peter Behrens, Josef Maria Olbrich u.a.), runden das Bild bis an den Anfang des 20. Jahrhunderts ab.

Gleichzeitig werden im kleinen Vortragsraum des Museums Perlstickereien der Agnes van Megen gezeigt. Agnes von Megen ist Krefelderin. Sie ist von Gerhard Kadow in den 50er Jahren eingeladen worden, an seiner Vorklasse teilzunehmen und hat danach als Künstlerin einige Zeit in Paris und Rom verbracht. Ursprünglich und ihrer Veranlagung nach war sie Musikerin und arbeitet noch heute, 86jährig, als Geigenlehrerin.