Inhalt

2001, 2 - Shibori - eine alte japanische Färbetechnik (1. Juli bis 2. September 2001

Shibori - dieses Wort kann man im Westen nicht übersetzen. Es leitet sich von dem japanischen Verb für wringen, pressen, drücken ab und bezeichnet eine Färbetechnik, bei der durch Abbinden, Abnähen oder Falten und Pressen Teile eines Stoffs so verdichtet werden, dass sie, ins Farbbad getaucht, an diesen Stellen die Farbe nicht annehmen. Eine vielleicht bekanntere Methode, die Farbe zu "reservieren" wie man dies nennt, ist die durch Wachsauftrag, also Batik wie man es aus Indonesien kennt. (Dort nennt man die Technik des Färbens durch Abbinden Plangi, während Tritik das Abnähen und Färben bezeichnet.)

In Japan stammen die frühesten nachweisbaren Shibori-Stoffe noch aus dem 8. Jahrhundert. Diese besondere Art der Textilverzierung wurde zunächst nur als Saumschmuck der kostbaren Gewänder benutzt und für die Herstellung einfacher Kleider aus Baumwolle und Hanf. Erst im Verlauf der Kamakura-Zeit (12.- 14. Jahrhundert), als eine asketische Kriegerklasse einen neuen Lebensstil der höher stehenden Gesellschaftsschichten mit sich brachte, gewann die Verzierung der Gewänder durch die Shibori-Technik eine neue Bedeutung und entwickelte sich zu einer unterhört hochstehenden Kunstform.

Die Mustervielfalt durch durch unterschiedliche, unglaublich komplizierte Techniken hervorgerufen wird, ist ebenso atemberaubend wie die Schönheit und Klarheit der gemusterten Shibori-Stoffe bestechend. Keinem der wundervollen Stücke sieht man auch nur im entferntesten an, wieviel Mühe und Disziplin, wieviel vorausschauende Phantasie für seine Herstellung notwendig waren.

Das Deutsche Textilmuseum ist stolz darauf, die anerkannte japnische Textilkünstlerin Hiroko Ando dafür gewonnen zu haben, diese Ausstellung zusammenzustellen. Frau Ando selbst hat in der traditionsreichen Färberstadt Nagoya mit Künstlern und Handwerkern zusammengearbeitet und mehr als 150 unterschiedliche Muster nach alten Methoden zu färben gelernt. Etwa 80 davon werden in der Ausstellung zu sehen sein. Zusammen mit 20 alten Kimonos, mit Holzschnitten, auf denen Menschen in Shibori Gewändern dargestellt sind, Werkzeugen und halbfertigen Produkten, die den Herstellungsprozeß für westliche Besucher verständlich machen, können auch einige sehr schöne und beeindruckende Arbeiten der Künstlerin selber gezeigt werden.