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2001, 1 - "Filz" Europäische Filzkunst - Kunst, Kunsthandwerk, Design (8. April - 1. Juni 2001)

Das Deutsche Textilmuseum zeigt in Zusammenarbeit mit dem Badischen Landesmuseum in Karlsruhe eine Ausstellung zum Thema Filz, einer der ältesten bekannten textilen Techniken überhaupt.

Als die Engländerin Mary Burkett 1971 eine erste Ausstellung zunächst über Filzarbeiten der Turkmenen in Manchester veranstaltete, setzte sie damit eine Bewegung in Gang, die seitdem nicht zur Ruhe gekommen ist. Zahlreiche Textilkünstler in Europa und Nordamerika wurden angeregt, sich auf neue Weise mit dem alten Material auseinander zu setzen. Einige Jahre vorher, 1968, hatte bereits Josef Beuys in einer Ausstellung in Eindhoven seine ersten Filzarbeiten vorgestellt.

Die modernen Künstler, deren Arbeiten in der jetzigen Ausstellung in Krefeld zu sehen sein werden und die sich einer Jury in Karlsruhe für die Ausstellung "Filz" stellten, näheren sich dem Material und dem Arbeiten mit Filz auf sehr unterschiedliche Weise. Es gibt eine große Gruppe unter ihnen, für die der Herstellungsprozeß von enormer Wichtigkeit ist: das Haptische der Verarbeitung ebenso wie die Farbzusammenstellung, das Einbinden anderer Materialien, wie Seide in den Filzprozeß. Dabei entstehen einerseits sehr freie und moderne Arbeiten, wie auch Wandbehände und Teppiche, die sich an der traditionellen Kunst nomadischer Völker inspirieren, wie die Arbeiten von István Vidák und seiner Frau Mari Nagy.

Beuys war nicht an der Herstellung von Filz, sondern an dessen Wirkung auf den Menschen, als Wärmespender und Energietröäger interessiert. Eine Reihe von Künstlern verarbeiten wie er Industriefilze, die sie nicht selber herstellen, vielfach in Ausnutzung eines Kontrastes zwischen der Wärme und Weichheit des Materials und harten, spröden, solchen Eigenschaften widersprechenden Formen. Hier sind Künstler zu nennen, wie Ulrike Hein und Ernst Köster. Bezeichnenderweise spielen Farben für solche Arbeiten kleine Rolle.

Auch die Mode hat den Filz neu entdeckt und auch hier spielen die Künstler mit der Biegsamkeit des Materials, aber natürlich und noch mehr mit der haptischen Qualität. Und hier spielt der Farbenreichtum eine große Rolle. Tragbare Hüte, Taschen, selbst Kleider stehen allerdings auch ganz phantastischen Objekten gegenüber. Sind die wunderbaren Schuhe der Käthi Hoppler-Dinkel trotz aller Originalität letztlich tragbar, sind andere "Kleider" wie die von India Flint zarte Ideen spielerischer Möglichkeiten, die von der Brauchbarkeit als Kleidungsstück völlig unabhängig sind. Daß bei der Vielseitigkeit des Materials auch Kunsthandwerker und Designer seine Verwendbarkeit in den Bereichen Möbel oder Schmuck erkannt haben, ist nicht mehr zu verwundern.

Die Ausstellung ist frech, frisch und sowohl für Textilinteressierte als auch für Besucher, die moderne Kunst mögen, voller Spannungen. Der Filzanzug von Beuys, Gewehre aus Filz, hängendes Filzgedärm in Rot und Weiß, sind sicher nicht jedermanns Sache. Solche Arbeiten stehen feinfühligen Werken, wie dem "Kreuzteppich" von Verena Gloor oder den "Belichtungszeiten" von Ute Lindner kontrastvoll gegenüber.