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1998, 1 - Ikat - Mäntel und Behänge aus Zentralasien (21. Juni bis 20. September 1998)

Ikat: Abrbandi, "gebundene Wolle"

Die Reservefärbetechnik Ikat ist auf der ganzen Welt verbreitet und keinesfalls in Zentralasien isoliert vorhanden gewesen.

In Jemen gab es sie genauso wie in Südamerika.

Das Prinzip der Reservetechnik besteht darin, die Kettfäden in Abschnitten abzubinden; heutzutage mit Plastikstreifen, früher mit Blättern oder dergleichen. Nach dem Färbebad nimmt der Kettfaden die Farbe nicht regelmäßig auf, sondern sie "flammt" aus. Durch den nicht abgebundenen Schuß entsteht so eine oszillierende Farbfläche.

Man kann aber auch den Kettfaden bedrucken, wie man dies in Südfrankreich vielfach getan hat. Auch gibt es die besondere Technik des Doppelikats, in dem Schuß und Kette mit Abbindungen eingefärbt waren.

Die Mäntel und Tücher sind aus Seide oder Seide und Baumwolle hergestellt. Vielfach tragen sie eine Chintzung durch Eiweiß. Dies lässt sie widerstandsfähiger gegen Schmutz sein.

Die Mäntel sind Normmäntel, Kaftane ohne Knöpfe, nur mit einem Gürtel zu schließen. Sie sind freier zu tragen. Man kann zu Pferde und auf dem Boden sitzen.

Die Behänge dienen dazu, die Innenräume der Häuser der beiden großen innerasiatischen Flußoasen zu schmücken, die Wände wie den Boden.

Bis zu Beginn der Revolution wurden diese Textilien in den beiden Chanaten noch im täglichen Leben benutzt. Die Vereinheitlichungstendenzen im Sozialismus haben diese Textilien dann zum reinen Folkloreobjekt werden lassen.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts haben sie das Interesse der Europäer gefunden.

In Moskau, aber auch in Wien waren sie beliebte Ausstattungstextilien für den Divan und dienten auch als Hausmantel.