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Informationen rund um den Abfall aus Einrichtungen des Gesundheitswesens

Einwegspritzen, Mehrwwegspritzen aus der Tiermedizin, Blutdruckmessgerät

Die folgenden Informationen sollen Ihnen einen kleinen Überblick über die Einstufung und Entsorgung von Abfällen aus allen Einrichtungen des Gesundheitsdienstes vermitteln. Diese Abfälle fallen im Rahmen der humanmedizinischen und tierärztlichen Versorgung und Forschung an, beispielsweise in

  • Arzt- bzw. Zahnarztpraxen,
  • Tierarztpraxen,
  • Praxen von Heilpraktikern,
  • Dialysestationen,
  • Krankenhäusern,
  • ambulanten Kliniken,
  • Pflegeheimen,
  • Blutbanken,
  • Instituten für Pathologie und
  • Apotheken.

Die Ausführungen orientieren sich unter anderem an der
Vollzugshilfe zur Entsorgung von Abfällen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes (Mitteilung 18, Stand Januar 2015) der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA)
und der Abfallsatzung der Stadt Krefeld.

Die LAGA-Vollzugshilfe berücksichtigt die Anforderungen des Umweltschutzes, des Arbeitsschutzes, des Infektionsschutzes und der Krankenhaushygiene. Ziel ist es, auch unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Zumutbarkeit eine sichere und ordnungsgemäße Abfallentsorgung zu gewährleisten, die eine Übertragung von Krankheiten und Belastungen für die Umwelt vermeidet.

Die in Einrichtungen des Gesundheitsdienstes entstehenden Abfälle werden je nach Herkunft, Art, Beschaffenheit und Zusammensetzung den nachfolgenden Abfallarten des Europäischen Abfallverzeichnisses (AVV) zugeordnet und nach ihrer Gefährlichkeit eingestuft.

Bei den mit einem Sternchen (*) gekennzeichneten Abfällen handelt es sich um gefährliche Abfälle, die über entsprechende Fachfirmen zu entsorgen sind.
Hierbei sind bei Überschreiten bestimmter Mengengrenzen die Bestimmungen der Nachweisverordnung einzuhalten. Über die Entsorgung sind gegebenenfalls entsprechende Belege zu führen und aufzubewahren.

Ausschließlich nicht gefährliche Abfälle, wie zum Beispiel Abfälle mit dem Abfallschlüssel (AS)

  • AS 18 01 01, spitze oder scharfe Gegenstände,
  • AS 18 01 04, Abfälle, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht keine besonderen Anforderungen gestellt werden
  • AS 18 01 09 Arzneimittel ohne zytotoxische und zytostatische Arzneimittel und
  • AS 20 03 01 gemischte Siedlungsabfälle

aus Einrichtungen mit geringem Abfallaufkommen (z. B. kleine Arzt-, Zahnarzt-, Tierarztpraxen, Haus- und Familienpflegestationen, Apotheken) können im Rahmen der regelmäßigen Entsorgung gemischter Siedlungsabfälle dem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger überlassen werden. Das heißt, diese Abfälle können über die Restmülltonne entsorgt werden. In diesen Fällen ist eine besondere Zuordnung zu einem Abfallschlüssel (AS) der AVV nicht erforderlich.
Diese Abfälle sind jedoch, wie nachfolgend beschrieben, sicher zu verpacken,

  • um den Schutz der Arbeitskräfte bei der Sammlung, dem Transport und in der Entsorgungsanlage zu gewährleisten,
  • sowie eventuell vorhandene Mitnutzer des städtischen Abfallgefäßes unter anderem vor hygienischen und optischen Beeinträchtigungen zu schützen.

Bei der Bereitstellung der Abfälle zum Abtransport sollten diese vor dem Zugriff Dritter geschützt werden. Damit soll ein eventueller Missbrauch von Spritzen mit Kanülen und Altmedikamenten verhindert werden, was wiederum einen eigenverantwortlichen Umgang von Seiten der Praxis/Einrichtung erfordert.

Erfahrungsgemäß empfiehlt sich bei Mehrparteienhäusern die Nutzung eines eigenen separaten Restabfallgefäßes für die Praxis/Einrichtung.

Nachstehend werden einige Abfallarten aufgeführt und erläutert, die häufig im Gesundheitsdienst anfallen. Die Aufzählung ist nicht abschließend.

AS 18 01 01

Spitze oder scharfe Gegenstände (außer 18 01 03*)

Abfälle wie

  • Kanülen,
  • Skalpelle und
  • Gegenstände mit ähnlichem Risiko für Schnitt- oder Stichverletzungen

müssen in stich- und bruchfesten Einwegbehältern gesammelt, fest verschlossen, sicher vor unbefugtem Zugriff bereitgestellt, transportiert und entsorgt werden. Die sichere Umhüllung muss bis zur Übergabe in das Sammelbehältnis für zu entsorgende Abfälle gewährleistet sein. Eine gemeinsame Entsorgung mit Abfällen nach AS 18 01 04 ist unter seuchenhygienischen Gesichtspunkten möglich, sofern die Belange des Arbeitsschutzes (insbesondere Schutz vor Verletzungen) beachtet werden.
Eine Verdichtung ist nur zulässig, wenn die Anforderungen des Arbeitsschutzes bis zur endgültigen Entsorgung gewährleistet sind.
Eine stoffliche Verwertung, die ein Öffnen der Sammelbehältnisse voraussetzt, ist auch nach einer Desinfektion unzulässig. In jedem Fall ist verfahrenstechnisch sicherzustel-len, dass beim Umgang mit diesen Abfällen allen mit der Kontamination mit Blut ver-bundenen Gesundheitsrisiken Rechnung getragen wird.

AS 18 01 02

Körperteile und Organe, einschließlich Blutbeutel und Blutkonserven (außer 18 01 03*)
  • Körperteile und Organabfälle
  • einschließlich mit Blut oder flüssigen Blutprodukten gefüllte Behältnisse (z. B. nicht zum Einsatz gekommene Blutkonserven)

sind bereits am Anfallort getrennt zu erfassen und einer gesonderten Beseitigung (zugelassene Verbrennungsanlage) ohne vorherige Vermischung mit Siedlungsabfällen zuzuführen.
Die Abfälle sind in geeigneten, sicher verschlossenen Behältnissen zur zentralen innerbetrieblichen Sammelstelle zu befördern und zur Abholung bereitzustellen. Ein Umfüllen oder Sortieren der Abfälle ist nicht zulässig.
Die Bereitstellung der Abfälle hat so zu erfolgen, dass eine Gasbildung vermieden wird (z. B. Lagerungstemperatur unter +15C bei einer Lagerdauer von längstens einer Woche).

AS 18 01 03*

Abfälle, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht besondere Anforderungen gestellt werden

Besondere Anforderungen an die Sammlung und Entsorgung dieser Abfälle ergeben sich aus der bekannten oder aufgrund medizinischer Erfahrung zu erwartenden Kontamination mit Krankheitserregern.
Es geht um Erkrankungen, die unter Berücksichtigung

  • der Ansteckungsgefährlichkeit,
  • der Überlebensfähigkeit des Erregers (Dauer der Infektionstüchtigkeit),
  • des Übertragungsweges,
  • des Ausmaßes und der Art der potentiellen Kontamination,
  • der Menge des kontaminierten Abfalls sowie
  • der Schwere der ggf. ausgelösten Erkrankung und deren Behandelbarkeit

besondere Anforderungen an die Infektionsprävention stellen.
Es handelt sich zudem um Abfälle, die auch aufgrund § 17 Infektionsschutzgesetz (IfSG) besondere Beachtung erfordern (Gegenstände, die mit meldepflichtigen Erregern behaftet sind).
Alle Abfälle dieses Abfallschlüssels sind unmittelbar am Ort ihres Anfallens in reißfesten, feuchtigkeitsbeständigen und dichten Behältnissen (z. B. bauartgeprüfte Gefahrgutverpackung) zu sammeln und ohne Umfüllen oder Sortieren in geeigneten, sicher verschlossenen und mit dem „Biohazard"-Symbol gekennzeichneten Behältnissen zu befördern und ohne vorheriges Verdichten oder Zerkleinern, in den für ihre Sammlung verwendeten Behältnissen in einer zugelassenen Anlage zu verbrennen.

AS 18 01 04

Abfälle, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht keine besonderen Anforderungen gestellt werden

(z. B. Wund- und Gipsverbände, Wäsche, Einwegkleidung, Windeln)
Bei Abfällen, an deren Sammlung und Entsorgung außerhalb von Einrichtungen des Gesundheitsdienstes aus infektionspräventiver Sicht keine besonderen Anforderungen gestellt werden, handelt es sich um mit Blut, Sekreten oder Exkreten behaftete Abfälle, wie

  • Wundverbände,
  • Gipsverbände,
  • Einwegwäsche,
  • Stuhlwindeln,
  • Einwegartikel,
  • Spritzen (ohne Kanülen) und anderes mehr

aus der unmittelbaren Krankenversorgung, sofern sie nicht von AS 18 01 03* erfasst werden.
Bereits an der Anfallstelle getrennt erfasste und nicht mit Blut, Sekreten oder Exkreten kontaminierte Abfälle (z. B. Papier, Zeitschriften, Verpackungen, usw.) und Abfälle, die nicht aus der direkten Behandlung von Patienten stammen, fallen nicht unter diesen Abfallschlüssel und können spezielleren Abfallschlüsseln zugeordnet werden.
Abfälle nach AS 18 01 04 sind unmittelbar am Ort ihres Anfallens in reißfesten, feuchtigkeitsbeständigen und dichten Behältnissen zu sammeln und ohne Umfüllen oder Sortieren in sicher verschlossenen Behältnissen zur zentralen Sammelstelle zu befördern. Sie dürfen auch an der Sammelstelle nicht umgefüllt oder sortiert werden.
Die Abfälle sind getrennt von gemischten Siedlungsabfällen zu halten und in dafür zugelassenen Anlagen zu entsorgen. Aus Gründen des Arbeitsschutzes sind diese Abfälle ohne jegliche außerbetriebliche Vorbehandlung (Sortierung, Siebung, Zerkleinerung, usw.) der Verbrennung zuzuführen. Bei gemeinsamer Entsorgung mit gemischten Siedlungsabfällen ist der AS 18 01 04 zu verwenden.
Werden geringe Mengen dieser Abfälle im Rahmen der Siedlungsabfallentsorgung durch den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger eingesammelt und verbrannt, ist eine gesonderte Deklaration nicht notwendig.

Verbandmaterial in einem Verbandkasten

AS 18 01 06*

Chemikalien, die aus gefährlichen Stoffen bestehen oder solche enthalten

Hierunter sind Labor- und Chemikalienabfälle mit gefährlichen Eigenschaften zu verstehen.

AS 18 01 07

Chemikalien mit Ausnahme derjenigen, die unter 18 06 06 fallen

AS 18 01 08*

Zytotoxische und zytostatische Arzneimittel

Bei der Zubereitung und Anwendung krebserzeugender, erbgutverändernder oder reproduktionstoxischer Arzneimittel (CMR-Arzneimittel nach TRGS 525) können Abfälle dieses Abfallschlüssels entstehen. Sie sind vorrangig bei der Anwendung von Zytosta-tika und Virusstatika zu erwarten.
Diesem Abfallschlüssel sind alle Abfälle zuzuordnen, die aus Resten oder Fehlchargen dieser Arzneimittel bestehen oder deutlich erkennbar mit CMR-Arzneimitteln verunrei-nigt sind. Diese Abfälle sind aufgrund der gefährlichen Inhaltsstoffe zu beseitigen.

AS 18 01 09

Arzneimittel mit Ausnahme derjenigen, die unter 18 01 08 fallen

Hierunter fallen alle Arzneimittel, die nicht bei der Zubereitung und Anwendung krebserzeugender, erbgutverändernder oder reproduktionstoxischer Arzneimittel (CMR-Arzneimittel nach TRGS 525) entstehen.

AS 18 01 10*

Amalgamabfälle aus der Zahnmedizin

Hierunter fallen insbesondere die

  • Inhalte von Amalgamabscheidern,
  • Amalgamreste und
  • extrahierte Zähne mit Amalgamfüllungen.

Diese Abfälle sind gesondert zu sammeln und als gefährliche Abfälle in regelmäßigen Abständen mit dem Ziel der Metallrückgewinnung zu entsorgen. Die Entsorgung erfolgt in der Regel über den Hersteller bzw. Vertreiber von Amalgam/Amalgam-Abscheidern bzw. einen von diesem beauftragten Verwerter.

AS 20 03 01

gemischte Siedlungsabfälle

Diesem Abfallschlüssel sind Abfallgemische zuzuordnen, die nach Art und Zusammensetzung dem gemischten Siedlungsabfall entsprechen. Diese Abfälle sind als Siedlungsabfälle zu entsorgen und entsprechend getrennt von Abfällen des AS 18 01 04 zu erfassen. Nur bei Einhaltung der unter AS 18 01 04 genannten Bedingungen ist eine gemeinsame Entsorgung mit Abfällen des AS 18 01 04 möglich.

Altmedikamente und Chemikalien können in haushaltsüblichen Mengen auch über die Schadstoffsammelstelle der GSAK, Krefeld, Idastraße entsorgt werden.

Verpackungen (ohne Inhalt) können über das entsprechende Sammelsystem getrennt gesammelt werden:

Gelbe Tonne
  • Kunststofffolien,
  • Tablettenblister,
  • Verpackungen aus Weißblech und Aluminium,
  • Kunststoffbehälter
Blaue Tonne / Papiertonne
  • Papier,
  • Pappe,
  • Kartons
Glascontainer
  • Infusionsflaschen,
  • Medikamentenflaschen,
  • Getränkeflaschen

Mehrwegspritzen und Aderqetsche

Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten der Stadt Krefeld www.krefeld.de/abfallwirtschaft, im Krefelder Entsorgungsmagazin sowie der GSAK, www.gsak.de.

Für weiterreichende Fragen stehen Ihnen die Mitarbeiter des Kommunalbetriebes Krefeld - AöR und bei weiteren Fragen, die den medizinisch/hygienischen Bereich betreffen, der Fachbereich Gesundheit der Stadt Krefeld zur Verfügung.