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illegaler Export und gefährliches Recycling von Elektroschrott

Illegaler Export und unsachgemäßes Recyclings von Elektroaltgeräten sind ein Problem!

Elektro- und Elektronikschrott wird in Europa einer Studie aus 2015 zufolge immer mehr zum Problem, denn Elektroschrott stellt den am schnellsten wachsenden der weltweiten Müllströme dar. In den 28 EU-Ländern wird demnach aktuell nur ein Drittel der Produkte ordnungsgemäß entsorgt. Der Rest wird falsch recycelt, einfach weggeworfen oder illegal ins Ausland gebracht. Durch dieses Handeln werden die Kosten einer ordnungsgemäßen Verwertung umgangen und die gesetzliche Forderung der Ressourcenschonung unterlaufen.

2012 landeten in Europa 9,5 Millionen Tonnen elektrische und elektronische Geräte im Müll.
Nur gut ein Drittel (3,3 Millionen Tonnen) der Altgeräte fanden laut der CWIT-Untersuchung (Countering WEEE Illegal Trade) zufolge den Weg in die offiziellen Sammel- und Recyclingeinrichtungen.
Die verbleibenden mehr als 6 Millionen Tonnen wurden folgendermaßen "behandelt" und/oder entsorgt:

  • unter nicht ordnungsgemäßen Bedingungen recycelt (3,15 Millionen Tonnen),
  • wertvolle Teile ausgeschlachtet (750.000 Tonnen),
  • in den Hausmüll geworfen (750.000 Tonnen),
  • exportiert (1,5 Millionen Tonnen, davon 1,3 Millionen undokumentiert).

Der technische Fortschritt der Industrienationen bedeutet für viele Länder in Afrika und Asien vor allem verseuchte Landschaften, kranke Menschen und unwürdige Arbeitsbedingungen. Denn gerade die Ärmsten streunen über illegale Halden und versuchen mit völlig unzulänglichen Methoden, aus alten PCs, Fernsehern und Elektrogeräten zumindest noch ein paar verwertbare Rohstoffe herauszuholen. Allerdings mit verheerenden Folgen für ihre Gesundheit und schwerwiegenden Langzeitfolgen für die Umwelt.

Das bekannteste Beispiel dieser Elektroschrott-Müllhalden ist Agbogbloshie, ein Slum am Rande der Hauptstadt Accra in Ghana. Tausende Menschen durchsuchen die Berge von Elektroschrott nach Spuren von Gold, Coltan oder Kupfer, die in den Altgeräten verbaut sind. Die Arbeiter schmelzen Plastikverkleidungen von Kabeln und Platinen, um an die begehrten Rohstoffe zu kommen. Die verbleibenden Reste verbrennen sie, dabei dient ihnen Isolierschaum aus Kühlschranktüren als Brennmaterial. Es entstehen gefährliche Gifte, die höchst krebserregend sind. Die Liste reicht von Blei und Cadmium bis Quecksilber und Chrom. Täglich atmen die Menschen, meist Kinder und Jugendliche, die auf der Müllhalde ihr Überleben und das ihrer Familien sichern, die giftigen Dämpfe ein.

Bereits in 2008 haben Messungen ergeben, dass die Schadstoffbelastung in Luft und Boden auf der Müllkippe um das 50-fache über den hier in Deutschland als gesundheitlich unbedenklich geltenden Werten liegt. Über Agbogbloshie wabert den ganzen Tag ein giftiger Qualm und dies hat zur Folge, dass Erkrankungen bis zu 50 Mal häufiger auftreten, als im ländlichen Raum Ghanas. In erster Linie treten Schädigungen der Nieren und der Atmungsorgane (Asthma und Lungenkrebs), Entwicklungsstörungen bei Kindern, Schädigungen des Nervensystems und Leukämie auf. Die Krankheiten betreffen besonders Kinder, viele von ihnen erreichen noch nicht einmal das 20. Lebensjahr.

Flora und Fauna kämpfen mit weiteren Problemen, die Pfützen schimmern in Regenbogenfarben und das Oberflächenwasser, durchsetzt mit Schwermetallen und Quecksilber, fließt direkt in den Odor-Fluss. In diesem Fluss, der in den Atlantik mündet, befinden sich schon lange keine Fische mehr. Stattdessen treiben in der schwarzen Brühe alte Fernseher und Kühlschränke. Die Chemikalien aus den ausrangierten Geräten vergiften nicht nur die Menschen und Tiere auf dem Festland, die Umweltkatastrophe hat auch bereits zu einem Fischsterben vor der Küste Accras geführt.

Neben Ghana ist Nigeria ein weiteres Hauptimportland für Elektroschrott in Afrika. Das Land kämpft in der Stadt Lagos mit vergleichbaren Problemen wie die Ghanas in Accra.
In Asien sind es die Länder Pakistan, Indien, China, Thailand, Malaysia und die Philippinen, die ebenfalls durch illegalen Elektroschrottimport auffallen. Auch in diesen Ländern erfolgt das Recycling durch die ärmsten Menschen des Landes unter unzumutbaren und gesundheitsgefährdeten Arbeitsverhältnissen wie sie für Accra beschrieben wurden.

Das neue Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten (Elektro- und Elektronikgerätegesetz - ElektroG) trägt dazu bei, den illegalen Export von Elektroaltgeräten mit den oben beschriebenen Folgen zu verhindern.