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Eichenprozessionsspinner

Seit 2004 sind weite Teile links- und rechtsrheinisch vom Eichenprozessionsspinner EPS betroffen. Der Eichenprozessionsspinner kommt an Stiel- und Traubeneiche, aber auch vereinzelt an Roteiche vor. Zur Massenvermehrung kommt es hauptsächlich in trockenen und sehr warmen Jahren.
Die mit Widerhaken versehenen, nur zwei bis drei Millimeter kleinen Gifthaare, die sich leicht von den Raupen lösen, enthalten das Nesselgift Thaumetoporin und bleiben für Mensch und Tier etwa ein Jahr lang gefährlich. Die Berührung mit den Haaren des Eichenprozessionsspinners kann pseudoallergische Reaktionen an Schleimhäuten und am ganzen Körper hervorrufen.Bei der Bekämpfung handelt es sich in NRW nicht um eine Pflanzenschutzmaßnahme, sondern um eine Gefahrenabwehr gegenüber Mensch und Tier. So entschied das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, dass die Bekämpfung vorrangig zum Ziel hat, Gesundheitsbeeinträchtigungen für Mensch und Tier durch die Berührung von Raupen und Gifthaaren auszuschließen. Daraus ist ersichtlich, dass die Aufforderung zur Bekämpfung und die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen zum Einsatz von chemischen Bekämpfungsmitteln nicht in der Zuständigkeit des Pflanzenschutzdienstes liegt. Zuständig sind nach Meinung des Innenministeriums die allgemeinen Ordnungsbehörden.

 

Der Eichenprozessionsspinner (EPS) wurde erstmalig im Jahr 2001 im Kreis Kleve gesichtet. Er kam aus den benachbarten holländischen Gebieten.

Der Eichenprozessionsspinner kommt an der Stiel- und Traubeneiche, aber auch vereinzelt an der Roteiche vor. Zur Massenvermehrung kommt es hauptsächlich in trockenen und sehr warmen Jahren.

Es werden verschiedene Stadien des Eichenprozessionsspinners unterschieden:

 

1. Entwicklung

Der unscheinbare Falter, einer Motte gleichend, von ca. 30 mm Größe, beginnt im Zeitraum August / September mit dem Hochzeitsflug. In dieser Zeit legt er 0,5 mm große Eier in einem Verbund von je 150 bis 200 Stück an Zweigen im Feinastbereich ausschließlich im oberen Kronenbereich der Eichen ab. Anschließend werden diese Gelege durch ein graugrünes Sekret getarnt. Diese Eigelege 0,5 x 3,0 cm findet man in der Regel an Astabzweigungen. Bereits im Herbst entwickeln sich kleine Jungraupen, die aber noch in der Eihülle überwintern.
Je nach Witterung schlüpfen aus diesen Eier im darauffolgenden Frühjahr ab Mitte April bis Anfang Mai kleine 15 mm große braune, behaarte Raupen.

 

Zwei Eichenprozessionsspinner auf einem Blatt Der Eichenprozessionsspinner hat alle Blätter der Eiche vernichtet. Eiablage des Eichenprozessionsspinners auf einem kleinen Eichen Ast. Links daneben ein Lineal zum Größenvergleich.

Eichenprozessionsspinner in einem Knäuel in den Ästen. Eine Ansammlung von Eichenprozessionsspinnern kriecht auf  einem Zweig der Eiche. Die feinen Haare des Eichenprozessionsspinners rufen Hautausschlag hervor.

Quelle: Forstliche Versuchsanstalt FVA Baden- Württemberg - Abteilung Waldschutz

Diese durchlaufen 6 Entwicklungsstadien. Ab dem dritten Stadium L 3 werden die typischen weißlichen Gifthaare gebildet, die aus braunen Rückenwarzen erscheinen.

Bis zum vierten Stadium L 4 leben die Raupen in kleinen Familienverbänden und verspinnen sich täglich an Zweigen und Blättern. Teilweise findet man sie knäuelweise oder lang aneinandergereiht an jungen Eichentrieben. Nachts begeben sie sich auf ihre Fraßtouren an junge Eichenblätter. Ab dem 4. Stadium, etwa Mitte Juni, halten sich die Raupen tagsüber in Gespinstnestern im Ast- und Stammbereich auf.

Von hier aus werden dann in Prozessionsformation die nächtlichen Fraßaktivtäten durchgeführt. In den Gespinsten finden auch die Häutungen statt. Im 5.+ 6.Stadium hängen bis zu 1 m lange Gespinste, gefüllt mit behaarten Larvenhäutchen und Kotabsonderungen an den Stämmen und Starkästen. Im 6. Stadium läßt die Fraßaktivität erheblich nach.

Nach dem 6. Stadium L 6 erfolgt Ende Juni bis Ende Juli je nach Witterung die Verpuppung. Die kleinen rötlichen Puppen liegen dicht bei einander im Gespinstnest. Nach einer Puppenruhe von 3 bis 5 Wochen schlüpft im August der Falter.

2. Gifthaare

Nicht die Fraßschäden an den Eichen machen den EPS so unbeliebt, sondern die durch die Gifthaare hervorgerufene, akute gesundheitliche Gefährdung für den Menschen und die Nutztiere. Die Gifthaare werden ab dem 3. Larvenstadium gebildet und werden durch die Häutungsvorgänge in den Gespinsten angesammelt. Durch die Verspinnung der Nester kommt es zum Bruch der feinen Härchen, so dass sich ein weißer, mikrofeiner Staub bildet. Bei Berührung oder Zerstörung der Gespinstnester kommt es zum Austritt des Haarstaubes. Dieser Staub ist in der Lage, selbst dicht gewebte Stoffe, Hemden und T-Shirts zu durchwandern, um dann an der menschlichen Haut Schäden zu verursachen. Durch starke Winde und Stürme können Haare bzw. Haarstaub bis zu 150 m weit getragen werden. Gespinstnester, aus denen bereits Falter geschlüpft sind, verbleiben solange noch am Baum, bis sie durch Witterungseinflüsse vergehen oder zu Boden fallen. Die dort enthalten Haare bleiben weiterhin aktiv und können Jahre danach noch Schäden verursachen. Gleiches gilt auch bei Kontakt mit Kleidungsstücken, Schuhen und Autositzen

3. Allergische Reaktion, Symptome

Unangenehme Folgen kann der Kontakt mit den Raupenhaaren des Eichenprozessionsspinners haben.
Die mit Widerhaken versehenen, nur zwei bis drei Millimeter kleinen Gifthaare, die sich leicht von den Raupen lösen, enthalten das Nesselgift Thaumetoporin und bleiben für Mensch und Tier etwa ein Jahr lang gefährlich. Die Berührung mit den Haaren des Eichenprozessionsspinners kann pseudoallergische Reaktionen an Schleimhäuten und am ganzen Körper hervorrufen.

Die allergische Reaktion kann sehr unterschiedlich ausfallen. Bei Personen oder Tieren richten sich die Empfindlichkeit und Reaktionsintensität nach der Anzahl der Kontakte. So kann es sein, dass ein geringer Kontakt einen Juckreiz auslöst, während ein heftiger Kontakt mit der Haut zu starkem Juckreiz, Schüttelfrost, Schwindel oder zu allergischen Schockreaktionen führen kann. Bei starkem Kontakt verspürt man ein Prickeln, welches nach wenigen Minuten o. g. Reaktionen auslöst. Kontakte mit der Haut führen zur sogenannten Raupendermatitis, Hautausschläge, Schwellung oder Quaddelbildung. Typisch für den Kontakt ist der über viele Tage anhaltende Juckreiz. Besonders gefährdete Körperstellen sind Gesicht, Hals , Innenseite der Arme und Beine, Achselhöhlen, Armbeugen und Kniekehlen.

4. Bekämpfung

Bei der Bekämpfung handelt es sich in NRW nicht um eine Pflanzenschutzmaßnahme, sondern um eine Gefahrenabwehr gegenüber Mensch und Tier. So entschied das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, dass befallenen Pflanzen durch den Eichenprozessionsspinner kein nennenswerter Schaden droht; die Bekämpfung aber vorrangig zum Ziel hat, Gesundheitsbeeinträchtigungen für Mensch und Tier durch die Berührung von Raupen und Gifthaaren auszuschließen. Daraus ist ersichtlich, daß die Aufforderung zur Bekämpfung und die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen zum Einsatz von chemischen Bekämpfungsmitteln nicht in der Zuständigkeit des Pflanzenschutzdienstes liegt. Zuständig sind nach Meinung des Innenministeriums die allgemeinen Ordnungsbehörden.

 

Bei der Bekämpfung müssen vorrangig hygienische Gründe in Erwägung gezogen werden . Einsatz von Insektiziden sollte nur dort erfolgen, wo eine langfristige Absperrung des betroffenen Geländes unmöglich ist. Der Einsatz von Insektiziden ist sicherlich die kostengünstigere Methode, jedoch ist diese Maßnahme im Hinblick auf Natur- und Wasserschutz sorgfältig abzuwägen.

  • Zuständig auf öffentlichen Flächen sind die Städte und Gemeinden,
  • auf Privatgrundstücken der Eigentümer.

An Schulen, Kindergärten, Tagesstätten, Schwimmbädern, Freizeitanlagen, Zeltplätzen, Krankenhäusern und Kliniken mit viel Publikumsverkehr sollte der EPS zu 100% bekämpft werden.

Auf diesen Flächen können Kontakte entstehen durch Herumstochern in Gespinsten, Flug von Gifthaaren bei starken Winden, Kontakt mit Gifthaaren auf Rasenflächen in Schwimmbädern und Freizeitanlagen.

Die Bekämpfung kann unterschiedlich erfolgen und zwar je nach Standort der befallenen Bäume:

  • Spritzen von biologischen Präparaten
  • von Helikoptern oder Flugzeugen und
  • von Hubarbeitsbühnen
  • Spritzen von biochemischen Präparaten
  • von Hubarbeitsbühnen
  • Spritzen von Insektiziden
  • Abbrennen von Gespinsten
  • Absaugen von Gespinsten

Spritzen von Flugzeugen

Hierbei werden Flächenbestände, aber auch einzeln stehende Bäume in der freien Landschaft aus der Luft mit biologischen Präparaten besprüht. Als Mittel werden in erster Linie Bacillus thuringiensis-Präparate wie Dipel ES oder Xentari verwendet. Die Mittel sind rein biologisch und absolut ungiftig. Sie müssen von den Raupen gefressen werden. Der Bazillus wirkt auf den Darmtrakt der Raupen, so dass diese keine Nahrung mehr aufnehmen können. Die Raupe stirbt nach kurzer Zeit ab. Der Bacillus ist bei einer Temperatur von 15° C ca. 3 bis 4 Tage aktiv. Fällt die Temperatur unter 15° C stirbt der Bacillus ab. Er sollte 12 bis 15 Tage nach dem ersten Schlupftermin gespritzt werden, um möglichst alle geschlüpften Raupen zu erfassen.
Der Vorteil dieser Spritzung liegt darin, dass befallene Gebiete kurzfristig flächendeckend besprüht werden können und dass das Spritzmittel die oberen Triebspitzen der Bäume erreicht.
Der Nachteil liegt darin, dass bestimmte Grundstücke nicht ausgespart werden können. Innerstädtische Spritzungen können aufgrund der Abdrift nicht durchgeführt werden.

Spritzen von Hubarbeitsbühnen aus

Biologische Mittel lassen sich hervorragend mit Spritz- und Nebelgeräten von Hubarbeitsbühnen ausbringen. Hierbei wird in erster Linie der Kronenmantelbereich erfaßt. Hier schlüpfen die Raupen und fressen an jungen Eichenblättern. Die Abdrift ist hierbei gering und es werden fast nur Eichenprozessionsspinnerlarven, Eichenwickler und Schwammspinner erfasst.

Abbrennen

Das Abbrennen von Gespinsten und Nestern ist die bewährteste Alternative zum Spritzen in den Larvenstadien 4 bis 6, in der Verpuppungsphase und auch noch nach dem Schlüpfen der Falter, Beseitigung von Altnestern. Hierbei werden mit einem Gasbrenner die Nester an den Baumstämmen gelöst, indem man die Gespinste abflämmt. Die eigentlichen Nester werden abgesammelt, verbrannt oder einer Müllverbrennungsanlage zugeführt. Mittels Hubarbeitsbühnen und einem eingepielten Team können pro Tag zahlreiche Bäume behandelt werden.

Absaugen

Das Absaugen erfolgt mittels eines Unterdruckbehälters, welcher mit Wasser gefüllt ist. Abgesaugte Nester werden dann in das Wasser gesaugt und so unschädlich gemacht. Industriesauger sind hierfür nicht geeignet. Aufgrund der langen Saugschläuche sind die Geräte unflexibel.

Schutzeinrichtungen

Bei allen Spritzmaßnahmen muß auf entsprechende Schutzkleidung und Atemschutz geachtet werden.

Beim Abbrennen und Absaugen sind unbedingt Vollschutzanzüge mit Augen und Atemschutz zu tragen.
Vollschutzanzüge müssen mit Kapuze sein; an den Hosenbeinen und Ärmeln sollten ein Gummizug sowie verschweißte Nähte vorhanden sein. Einfache einlagige Anzüge, wie sie in Spritzkabinen verwendet werden, sind nicht geignet, da sie vom mikrofeinen Haarstaub durchdrungen werden.

Als Atemschutzmaske kommen Masken mit Ausatemventil der Klasse FFP3S in Frage. Als Schutzbrillen eignen sich PVC-Vollschutzbrillen ohne Ventilationslöcher.

Sofortmaßnahmen bei Kontakt mit den Haaren der Raupe

Bei allen Arbeiten , die zur Beseitigung von Eichenprozessionsspinnerraupen bzw -Haaren durchgeführt werden, kommt es unwiderruflich zu Kontakten mit dem mikrofeinem Haarstaub. Während der Arbeitspausen, beim Abnehmen von Schutzbrillen und Atemschutz können Haare die menschliche Haut berühren. Auch beim Abflammen kommt es zu Auftriebsströmungen.
Die Raupendermatitis kann sich in drei verschiedenen klinischen Erscheinungsbildern zeigen: Kontakturtikaria, toxische irritative Dermatitis und persistierende Papeln, die an Insektenstichreaktionen erinnern.
Viel häufiger als in der Literatur beschrieben, entwickeln sich Allgemeinsymptome wie Schwindelgefühl, Fieber und Krankheitsgefühl, sowie Konjunktivitis, Pharyngitis und Asthma. Einzelne Fälle anaphylaktischer Reaktionen durch Kontakt mit Eichenprozessionsraupen wurden berichtet.

Kurz nach dem Kontakt werden die Körperteile prickelnd warm bis heiß, erröten und es bilden sich Quaddeln. Bei schwachen Kontakten ist der Einsatz von juckreizstillenden Salben möglich. Bei stärkeren Kontakten im Gesicht und Halsbereich über 100 qcm ist eine Erstversorgung mit Franzbranntwein und kortisonhaltigen Salben von Vorteil. Ein Besuch beim Facharzt und entsprechender Kortisonbehandlung läßt den enormen Juckreiz bereits nach 12 Stunden abklingen. Ohne Behandlung hält der Juckreiz bis zu 14 Tage an.

Bei den meisten Patienten genügt eine Behandlung mit externen Steroidzubereitungen, Salben, Cremen, Augentropfen und oralen Antihistaminika. Bei respiratorischen Symptomen ist der Einsatz von Beta-Mimetika- und oder steroidhältigen Dosieraerosolen angebracht.
Personen mit einem hyperreaktiven Bronchialsystem sind besonders gefährdet. Eine systemische Steroidgabe ist nur bei sehr schweren Verlaufsformen erforderlich.

Ein Kontakt mit den Schleimhäuten wie Nase, Mund und Auge gehören auf jeden Fall in die Obhut eines Arztes.

Befallene Kleidung ist in mindestens 60° C heißem Wasser zu reinigen. Bei diesen Temperaturen zerfallen die Eiweißgifte.

 

Weitere Informationen erhalten Sie unter anderem unter den im nachfolgenden Quellenverzeichnis aufgeführten Anschriften und Internetadressen.

Quellen:
- Baumpflege Keller, Vorst 42, 47661 Issum - Veröffentlichung über den Eichenprozessionsspinner 2005

www.pflanzenschutzdienst.de

- Dr. Harald Maier,

Abt. für Spezielle Dermatologie und Umweltdermatosen, Universitätsklinik für Dermatologie Wien

www.RainbowWay.de

Kreis Kleve