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Die Krefelder Wälder

Erdgeschichtliche und geologische Voraussetzungen

Entlang von Flüssen entstanden durch unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten und das Mäandern der Ströme verschiedene Terrassen aus unterschiedlichem Material wie Kies, Sand und Ton, je nach Fließgeschwindigkeit in variierenden Mischungsverhältnissen. Diese Terrassen unterscheiden sich in ihrer Höhenlage sowie ihrer Bodenzusammensetzung und damit auch im Nährstoffgehalt und Wasserhaushalt.

Der überwiegende Teil der Krefelder Wälder steht auf der Niederterrasse, wie das Hülser- und das Orbroicher Bruch. Das Ausgangsmaterial für den Boden besteht deshalb vor allem aus Kies und Sand. Der Hülser Berg ragt als Relikt der letzten Eiszeit aus der Niederterrasse heraus.

Auf der Mittelterrasse stehen der Stadtwald und der Forstwald. Hier wachsen überwiegend Buchen und Eichen. Die Standorte sind sehr wuchskräftig, was an über 30 m hohen Exemplaren dieser Baumarten erkennbar ist.

Waldverteilung

Die Schwerpunkte der Krefelder Wälder befinden sich im nördlichen Stadtgebiet.

Der Wald der Stadt Krefeld verteilt sich auf vier größere Bereiche: den Hülser Berg, das Hülser Bruch, den Forstwald mit Südpark und den Stadtwald.
Darüber hinaus gibt es mehrere kleine Waldbereiche, die sich über das Stadtgebiet verteilen.

Nahezu der gesamte Krefelder Wald ist Sonderwirtschaftswald, in dem die Erholungsfunktion Vorrang vor der Nutzfunktion hat.
78% der Wälder sind in kommunalem Eigentum, der Rest ist Privatwald, ein kleiner Anteil Bundeswald.

Darstellung der Waldgebiete im Krefelder Stadtgebiet (jpg)
Kartendarstellung der Krefelder Waldgebiete (PDF)

 

Baumartenverteilung

Der Krefelder Kommunalwald besteht zu 96,4 % aus Laubholz.

Bezüglich der Baumartendiversität kann der Wald der Stadt Krefeld positiv beurteilt werden, da allein 29 verschiedene Laubbaumarten vorkommen. Unter Einbeziehung der 10 verschiedenen Nadelbaumarten weist der städtische Wald insgesamt 39 verschiedene Baumarten auf.

 

Die Grafik zeigt den prozentualen Anteil der Baumarten im Kommunalwald Krefeld.
Neben den einzeln aufgeführten Baumarten sind einige auch zu Baumartengruppen zusammengefasst.

Der Baumartengruppe Alh (= andere Laubbäume mit hoher Umtriebszeit) sind Hainbuche, Esskastanie, Ulme, Vogelkirsche, Ahorn, Linde und Esche zugeordnet.

Der Baumartengruppe Aln (= andere Laubbäume mit hoher Umtriebszeit) sind Roteiche, Birke, Erle, Eberesche und Robinie zugeordnet.


Gesamtfläche: 905,02 ha
- Verteilung der Baumarten

 

Die Grafik verdeutlicht die Gesamtsituation der Laub- und Nadelwaldbestände.
Über 500 ha des städtischen Gesamtwaldes sind Laubmischwälder.
Gesamtfläche: 905,02 ha
- Verteilung der Laub- und Nadelwälder

 

Altersdifferenzierung

Für die ökologische Wertigkeit des Waldes sind neben der Baumartenvielfalt auch die Altersdifferenzierung sowie die Stufigkeit der Wälder wichtig.

Altersklassenübersicht nach Baumartengruppen

 

Der Anteil an Wäldern mit einem Alter von über 100 Jahren liegt etwa bei 18 % der Fläche. Dies entspricht ca. 120 ha und ist relativ wenig. Etwa 60 % der kommunalen Wälder sind jünger als 60 Jahre.

Ziel der Waldwirtschaft ist es, ein ausgeglichenes Altersklassenverhältnis zu haben.

Der Grund für den nicht ausgeglichenen Altersklassenaufbau sind die Kriegsjahre und deren Nachwirkungen. Der damalige Holzeinschlag lässt sich verstärkt an den heute 120-140-jährigen bis 180-jährigen Buchen und Eichen feststellen. Von diesen Altersklassen sind in den Kommunalwäldern der Stadt Krefeld nur noch 90 ha vorhanden. Wälder mit einem Alter von über 200 Jahren gibt es in Krefeld nicht mehr. Es ist davon auszugehen, dass diese zur Gänze den Kriegs- und Nachkriegswirren zum Opfer fielen.

Stufigkeit des Waldes

Bedeutend besser als die Altersdifferenzierung ist der vertikale Aufbau des Waldes zu sehen.
30 % der Wälder in Krefeld haben einen stufigen, zwei- bis mehrschichtigen und/oder ungleichaltrigen Aufbau.

Dennoch ist anzumerken, dass Teilbereiche auch einschichtig sein können, wie Schwarzerlenwälder im Hülser Bruch oder Buchenwälder im Forstwald und im Stadtwald.

Tiefer Blick in einen älteren Buchenwald, der durch fehlende niedrigere Bäume hallenartig wirkt

Einstufiger Buchenwald im Forstwald

Ein herbstlicher Eichen-Hainbuchenwald mit zusätzlich niedrigen, die Sicht einschränkenden Bäumen

Mehrschichtiger Eichen-Hainbuchenwald
im Hülser Bruch

 

Die aufgeführte Baumdiversität, die Mischungen sowie die Stufigkeit sind unter ökologischen Gesichtspunkten positive Aspekte für die Zielsetzung der in Krefeld praktizierten „Naturnahen Waldwirtschaft".

 

Hülser Bruch und Hülser Berg

Dieser Landschaftsteil erhält seine Prägung durch den vielfältigen Wechsel von Wald, Grünland, Ackerland, Gehölzstreifen und Gräben.
Die Wälder im Hülser Bruch mit Eschen und Schwarzerlen sind geprägt durch die Wasserstände der Niederterrasse und die frühere Form der Bewirtschaftung als Mittel- und Niederwälder.
Diese wurden in den fünfziger Jahren vielfach mit Schwarzpappelhybriden durchpflanzt, deren Nutzung überwiegend in diesem Jahrzehnt vollzogen wird.

Auf den trockeneren Bereichen wachsen meist Buchen und Eichen.

Auf dem in der Saale-Eiszeit vor 130.000 Jahren entstandenen Hülser Berg wachsen überwiegend Buchen. Die vor circa 100 Jahren aus wirtschaftlichen Gründen angelegten Wege werden heute von vielen Menschen zur Erholung genutzt. Ein ausgedehntes Reitwegesystem gibt Gelegenheit für erholsame Ausritte in die Niederrheinische Bruchlandschaft.

Eine Wiese mit drei Kopfweiden, die eine Erle umfassen. Im Hintergrund befindet sich Wald

Hülser Bruch

Große Flächen stehen hier unter Naturschutz.

 

Stadtwald

1897 stiftete der Fabrikant Wilhelm Deuss anlässlich seines 70. Geburtstages der Stadt Krefeld 35 ha Land zum Zwecke der Errichtung eines Stadtwaldes. Einige Jahre später fügte er noch einmal 18 ha und einen hohen Geldbetrag für die Herrichtung und Aufforstung des Geländes hinzu.

Zwischen 1897 und 1927 entstand somit der Stadtwald, wobei 1913 die inmitten des Waldes liegende Galopprennbahn eröffnet wurde. Sie gilt heute als eine der schönsten Anlagen Deutschlands.

 

Ein Gebäude der Krefelder Rennbahn von außen. Türen mit Rundbögen öffnen den Blick zur Terrasse, die von Bäumen eingerahmt wird

Ein Gebäude der Rennbahn

Am gegenüber liegenden Ufer eines Teiches befindet sich der Deusstempel, eingerahmt vom frischen Grün des Waldes im Frühling Historisches Luftbild der im Stadtwald gelegenen Rennbahn. Eine großzügige Tribünenanlage mit Führring und Gastronomiegebäuden ist unten rechts zu sehen. Das Oval der Rennbahn wird von zwei weiteren zum Reiten vorgesehenen Bahnen durchkreuzt

Der Deusstempel im Stadtwald Der Stadtwald mit Rennbahn

Viele Krefelder Bürger suchen diesen Wald auf, um ihre Erholung auf unterschiedlichste Art zu finden, sei es auf dem Fahrrad, auf dem Pferd, mit dem Hund oder beim Joggen.

 

Forstwald und Südpark

1929 erwarb die Stadt Krefeld den ca. 120 Hektar großen Forstwald von Kommerzienrat
Fritz Leendertz /Heilmann. Die ehemals vom Voreigentümer Schumacher mit Kiefern bepflanzte Heide wurde ab 1930 in einen Laubmischwald mit einzelnen Lärchen und Kiefern umgewandelt.

Die Wege des historisch geprägten Forstwald laufen im südlichen Teil sternförmig auf das von Herrmann Schumacher 1838 erbaute Forsthaus zu. Hier ist heute eine Gaststätte untergebracht. Zwischen dem Bahnhof dieses beliebten Naherholungsgebietes und dem Hauptbahnhof Krefeld verkehrten schon 1905 Sonderzüge an den Sonn- und Feiertagen.

Das historische Forsthaus im Forstwald, im Hintergrund überragt von einem Mammutbaum

Das Forsthaus Forstwald

 

Die Rückseite des Forsthauses Forstwald, leicht verdeckt durch die Bäume des Forstwaldes

Der Forstwald mit Forsthaus


Eine alte Eichenallee säumt einen Weg durch den Forstwald

Die Eichen-Alleen im Forstwald

Es wird vermutet, dass hier in früherer Zeit Parforcejagden mit reitenden Jägern und einer Hundemeute durchgeführt wurden. Die sternförmig auf das Forsthaus zulaufenden Wege sind in verschiedenen Bereichen von Alleen und Baumreihen gesäumt.

 

Durch den Forstwald verläuft eine alte Landwehr mit mehr als 1000 m Länge. Ihre sichtbaren Wälle und Gräben stammen aus dem 14. Jahrhundert. Der Kurfürst von Köln, Friedrich III., ordnete am 10. Mai 1372 ihren Bau an. Die Landwehr bildete die Grenze zwischen dem kurfürstlichen Amt Kempen und dem Erzbistum Köln. Sie diente der Gebietsabgrenzung und schützte vor unerwünschten Eindringlingen.
An der Landwehr, die noch eine erkennbare Länge von etwa 1,6 km hat, fanden zwei kriegerische Auseinandersetzungen statt: Im 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) besiegten hier die kaiserlichen Truppen eine vereinigte Armee aus Weimaranern, Franzosen und Hessen.
1758, im Siebenjährigen Krieg, kämpften bei der Schlacht an der Hückelsmay die Preußen erfolgreich gegen die Franzosen.
Die Landwehr ist damit von bedeutendem geschichtlichem Wert und wurde deshalb 1988 als Bodendenkmal in die Denkmalliste der Stadt Krefeld eingetragen.

Da die aus Gräben und Wällen bestehende Anlage in neuerer Zeit sehr stark von Erholungssuchenden frequentiert wird, werden die Besucher des Forstwaldes mit Hilfe von Informationsstelen über die Landwehr und deren historische Bedeutung näher informiert.

 

Ein von zwei Erdwällen umfasster Graben bildet die historische Landwehr

Die Landwehr im Forstwald

Im Laufe der Jahrhunderte, aber insbesondere in den letzten Jahrzehnten wurde die Landwehr mit Zunahme der Freizeitaktivitäten immer mehr in Mitleidenschaft gezogen.

Das inzwischen vorliegende Forstwaldkonzept hat die gesamte Geschichte aufgearbeitet und Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt, die langfristig unter anderem die Erhaltung und den Schutz der Landwehr zum Ziel haben.

Der angrenzende Südpark umfasst eine ehemalige Parklandschaft und Wald auf einer früheren Ziegeleianlage. Er hat neben der Erholungsfunktion eine große Bedeutung für den Wasserschutz, da sich im Südpark einige Wassergewinnungsanlagen der Stadtwerke Krefeld befinden.