Inhalt

Syrien-Abend mit ergreifenden biografischen Präsentationen (10.10.2019)

Zuletzt geändert: 10.10.2019 16:00:41 CEDT

„Meine Stadt verbrannte vor meinen Augen. Mein Herz war mit dabei, Erinnerungen brennen", so schildert die junge Syrerin Shamsa Shahin das Erlebte und ihre Gefühle angesichts der Bombardierung und Zerstörung der nordsyrischen Stadt Kobani durch den IS. Die junge Mutter zweier Töchter ist Architektin und zurzeit als Praktikantin bei der Stadt Krefeld beschäftigt - wie auch die anderen fünf jungen Syrer, die an einem Syrischen Abend in der Mediothek eindrucksvoll per Fotopräsentation und in der anschließenden Fragerunde über ihre Erlebnisse und ihre Heimat sprechen. Das Kommunale Integrationszentrum (KI) hatte dazu im Rahmen der Interkulturellen Woche eingeladen.

Nach der Vorstellung ihrer Heimatorte in Syrien: Christiane Willsch  (links) vom Kommunalen Integrationszentrum interviewt die drei Frauen und drei Männer, die momentan ein Praktikum bei der Stadt Krefeld absolvieren. Foto: Stadt Krefeld, KI
Nach der Vorstellung ihrer Heimatorte in Syrien: Christiane Willsch (links) vom Kommunalen
Integrationszentrum interviewt die drei Frauen und drei Männer, die momentan ein Praktikum
bei der Stadt Krefeld absolvieren. Foto: Stadt Krefeld, KI

Der Abend vermittelt ein sehr vielfältiges Bild eines wunderschönen Landes mit den ältesten bewohnten Städten der Erde, das unter den Wunden des andauernden Krieges leidet. Bei Ausgrabungen gefundene Artefakte aus hethitischer und assyrischer Zeit zeugen von einer Jahrtausende alten Hochkultur, Städte und Plätze werden schon in der Bibel erwähnt. Eindrucksvoll wird deutlich, welche Katastrophe die Zerstörung der wunderschönen Siedlungen ist - neben den nicht in Worte zu fassenden menschlichen Tragödien.

Es wurde auch gelacht!

Klar wurde auch: „Den Syrer, die Syrerin" gibt es nicht. Abeer Abo Namah ist beispielsweise in Syrien geboren, hat aber durch den Großvater, der aus Palästina flüchten musste, den Flüchtlingsstatus geerbt, besaß in ihrer Heimat keinen Pass und durfte nicht außer Landes reisen. Der 32-jährige Karkar Ali ist, wie vier andere Praktikanten, Kurde. Damit war in Syrien ein Verbot verbunden, die kurdische Sprache zu gebrauchen. Dies alles musste im Geheimen passieren, sonst drohte die Verhaftung. „Die Menschen hielten früher zusammen, durch den Krieg hat sich alles verschlechtert", so erzählt die 24-jährige Roujen Ghadban, die als Abiturientin geflüchtet ist. Der 23-jährige Nafez Omar vermisst den Humor in seinem kleinen Ort - und bringt die 70 Besucher in der Mediothek mehr als einmal zum Lachen: „Wir Einwohner von Amude hatten die Eigenart, mitten auf der Straße spazieren zu gehen", - selbst in Damaskus sei er einmal angesprochen worden, natürlich mitten auf der Straße spazierend, ob er denn wohl aus Amude käme.

"Komisch, diese Deutschen!"

Ein Glück sei es angesichts des Erlebten, alle sechs wohlbehalten in Krefeld zu wissen - so leitete die Moderatorin Christiane Willsch vom KI die Gesprächsrunde ein. Trotz aller Dramatik des Krieges und der lebensgefährlichen Flucht waren die Beiträge der jungen Menschen nicht deprimierend. „In meiner Heimat musste ich als Flüchtling leben, hier habe ich meine Einbürgerung beantragt", erzählt Abeer Abo Namah. Komisch hätte er die Deutschen in mancherlei Hinsicht anfangs schon gefunden, bekennt der 42-jährige Psychologe Iwan Shakh Alshabab: „Da lagen die Menschen im Sommer auf der Wiese mit freiem Oberkörper. Ich dachte nur, was soll das, das ist doch viel zu heiß."

Zum Abschluss sangen die drei Frauen und drei Männer ein bekanntes Lied auf Arabisch, das die Schönheit Syriens und der arabischen Länder beschreibt, der anschließende Applaus wollte nicht enden. Bei syrischen Köstlichkeiten und angeregten Gesprächen klang die informative und berührende Veranstaltung aus, nicht ohne das Versprechen der Integrationsbeauftragten Dr. Tagrid Yousef, wegen der großen Nachfrage nochmals einen solchen Abend anzubieten.