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Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft tagt zum Thema „Entlassmanagement" (13.04.2018)

Die Mitgliederversammlung der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Krefeld (PSAG) widmete sich dem Schwerpunkthema „Entlassmanagement". Konkret ging es um den im vergangenen Oktober in Kraft getretenen Rahmenvertrag zwischen der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Spitzenverband der Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen. Dieser regelt den Anspruch schwerer Erkrankter auf eine koordinierte Nachsorge und Weiterversorgung im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung. Die Regelungen zielen auf eine bessere Kommunikation zwischen Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten und den Krankenkassen ab.

Die PSAG-Mitglieder diskutierten offen die Chancen und Grenzen des neuen Entlassmanagements. Sie überlegten, wie die Krefelder Strukturen für die neuen Vorschriften (besser) genutzt werden können. Dabei stellten sich viele Unklarheiten bei der Umsetzung des Rahmenvertrages in der Praxis heraus. Organisatorisch beginnt das Entlassmanagement bereits mit der Aufnahme des Patienten im Krankenhaus. Ergibt sich hier der Verdacht auf eine notwendige Unterstützung im Anschluss an den Aufenthalt, muss die Klinik die Leistungserbringer informieren. Bei der Entlassung ist jetzt auch die Aushändigung eines umfassenden Entlassbriefs an den Patienten und mit dessen Einwilligung an den weiter behandelnden Arzt vorgeschrieben. Für die Verordnung von Heil- und Hilfsmitteln gibt es nun spezielle Vordrucke.

Dr. Andreas Horn, Direktor der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie des Alexianer-Krankenhauses Maria Hilf und wiedergewählter Vorsitzender der PSAG, begrüßte den seiner Meinung nach dringend notwendigen Rahmenvertrag. „Dennoch lässt er viele Fragen offen. Unter anderem ist nicht klar geregelt, wer welche Kosten trägt, zum Beispiel für Heil- und Hilfsmittel", so Horn. Außerdem könne sich gerade in der Psychiatrie die Entlassungsplanung besonders kompliziert gestalten. Dies gelte insbesondere bei schwer chronisch Kranken, da eine Vielzahl von Bereichen (Wohnsituation, finanzielle Verhältnisse, Sozialversicherungsstatus, medizinische Aspekte) berücksichtigt werden müssen, so Horn.

„Insgesamt ist die gesetzlich vorgeschriebene enge Verzahnung von ambulant und stationär eine Bürde für die Krankenhäuser", resümiert Birgit Paas vom Fachbereich Gesundheit. Der höhere Arbeitsaufwand erfordere mehr Personal (Pflegekräfte, Ärzte, medizinische Fachangestellte), das jedoch auf dem Arbeitsmarkt nicht bereit stehe. Eine unklare Kostenregelung gehe zu Lasten der Krankenhäuser, die letztendlich auf den Kosten „sitzen bleiben", bestätigte Horn. „Die PSAG will alle Probleme sammeln und Verbesserungen herbeiführen, weil wir glauben, dass der Ansatz des Entlassmanagements stimmt", sagte er.

Aktuell fördert die PSAG die Kooperation und den Erfahrungsaustausch von etwa 220 Mitgliedern aus allen an der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung beteiligten Diensten und Einrichtungen in Krefeld. Mehrmals im Jahr tagen ihre sechs Untergruppen Erwachsenenpsychiatrie, Kinder und Jugendliche, Gerontopsychiatrie, Krisenintervention, Sucht und Geistig und mehrfach behinderte Menschen. Die PSAG ist im Sozial- und Gesundheitsausschuss sowie im Jugendhilfeausschuss der Stadt vertreten, ihr Vorsitzender auch Mitglied der Gesundheitskonferenz.