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NS-Dokumentationsstelle sucht Unterlagen und Objekte von NS-Tätern (11.10.2018)

Zuletzt geändert: 11.10.2018 13:58:20 CEDT

Die Leiterin der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, Sandra Franz, möchte den Archivbestand um Dokumente und Objekte aus Krefeld aus dem Zeitraum von 1925 bis 1950 erweitern. „Wir wollen gerne ausarbeiten, was auf lokaler Ebene passiert ist. Dafür benötigen wir die Hilfe der Krefelder", sagt Franz. In ihren Kellern und auf ihren Speichern sollen sie nach Fotografien, Ausweisen, Alltagsdokumente wie Lebensmittelkarten durchsuchen. „Tagebücher wären ein Traum, ein Ego-Dokument aus der Zeit", so die Leiterin der Dokumentationsstelle. Zudem sucht sie nach Unterlagen und Objekten von NS-Tätern und Alltägliches von ganz normalen Krefeldern.

Während die Geschichte eines Teils der NS-Opfern für die Stadtgeschichte gut erforscht sei, gebe es noch „untererforschte" Themenbereiche wie Sinti und Roma, Homosexuelle, Kommunisten, Behinderte und Jugendliche. „Ich würde mich auch gern mit der unangepassten Jugend beschäftigen", sagt Franz. Gleiches gelte für die Täter, die - wie die Opfer - als Zeitzeugen inzwischen aufgrund des Alters nicht mehr zur Verfügung stehen. „Es ist sicher sehr schwer zu sagen, wer ein Täter ist. Die meisten gehören nicht dazu. Es gibt aber Leute, die für das NS-System gearbeitet haben und schon vor 1933 und nach 1945 in denselben Funktionen", so Franz. Das mache sie nicht automatisch zu Tätern. Das NS-System funktionierte eben nur, weil es alles vereinnahmte.

Um hier den Bestand zu erweitern, suche sie neben Dokumenten ebenso Objekte vom SS-Schrein über HJ- und andere Uniformen, Fahnen und Wimpel aus Krefeld. Mit den Archivalien soll die Dauerausstellung in der Villa Merländer thematisch vertieft werden. „Das sind gute Anschauungsmaterialien für die museumspädagogische Arbeit", erklärt Franz. Wer Material von oder über Täter besitzt, kann diese bei der NS-Dokumentationsstelle an der Friederich-Ebert-Straße 42 abgeben - auch anonym. „Es geht uns nicht darum, Leute an den Pranger zu stellen. Es gibt aber auch keinen Grund sich zu schämen", betont Franz. „Wir freuen uns, wenn wir Sachen geschenkt bekommen", sagt Franz. Unterlagen und Objekte können auch als Dauerleihgabe abgegeben, Dokumente durch die NS-Dokumentationsstelle gescannt werden. Mitarbeiter der Dokumentationsstelle holen nach Absprache Dokumente und Unterlagen bei den Eigentümern ab. Die NS-Dokumentationsstelle ist unter 0 21 51 50 35 53 und per E-Mail sandra.franz@krefeld.de zu erreichen.