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Krefeld hat ab Januar Koordinatorin für Präventionskette (06.11.2017)

Silke Tophoven, eine der vier Autoren der Studie „Armutsmuster in Kindheit und Jugend" die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt hat, wird die Stadt Krefeld ab Januar personell verstärken. Sie wird im Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung die örtliche Koordination der „Kommunalen Präventionskette" (Kein Kind zurücklassen) übernehmen. Sie arbeitet aktuell noch als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg.

Silke Tophoven.
Silke Tophoven.

Im Interview erklärt Tophoven, welche Erkenntnisse sich aus der Studie ableiten lassen und wo die Kommunen ihrer Meinung nach Verbesserungen für die Kinder erzielen können.

Frau Tophoven, Sie haben an der Studie mitgewirkt. Hier wurden Daten von Kindern und Jugendlichen über fünf Jahre betrachtet. Welche Erkenntnisse ergeben sich daraus?

Silke Tophoven: In der Studie haben wir uns angeschaut, wie die Einkommenslagen der Haushalte der Kinder und Jugendlichen über einen Zeitraum von fünf Jahren waren. Um Kinder in Haushalten im unteren Einkommensbereich in den Blick zu nehmen, haben wir einerseits das Haushaltseinkommen berücksichtigt, andererseits aber auch den Bezug von SGB-II-Leistungen - also „Hartz IV" - im Haushalt. Dabei konnten wir verschiedene Muster identifizieren: Die allermeisten Kinder, mehr als zwei Drittel, leben über fünf Jahre in einer relativ gesicherten Einkommenssituation. Daneben gibt es eine kleine Gruppe von Kindern, die kurzzeitig eine Armutslage erlebt - das sind zehn Prozent. Darüber hinaus lässt sich aber auch eine Gruppe von Kindern identifizieren, die in diesem Zeitraum nahezu dauerhaft armutsgefährdet ist oder dauerhaft SGB-II-Leistungen bezieht - zusammengenommen etwas über 20 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dauerhaft in einer Armutslage aufzuwachsen, ist höher für Kinder in Alleinerziehendenhaushalten, für Kinder mit zwei und mehr Geschwistern im Haushalt und für Kinder mit einem Migrationshintergrund. Die Wahrscheinlichkeit ist außerdem höher, wenn die Eltern gering qualifiziert sind, die Eltern arbeitslos sind oder die Mutter eine Erwerbstätigkeit in einem geringen Umfang ausübt. Was wir in unserer Studie auch sehen, ist, dass die elementare Grundversorgung in der Regel in allen Haushalten gesichert ist. Insgesamt zeigt sich aber, dass der Lebensstandard vor allem in einer dauerhaften Armutslage deutlich geringer ist.

Sie wechseln zum Jahresbeginn nach Krefeld, um sich beim Aufbau der „Kommunalen Präventionskette" als Koordinatorin einzubringen. Wo muss eine Kommune wie Krefeld Ihrer Meinung nach tätig werden?

Tophoven: Es gibt ein breites Angebot, das Kindern und Jugendlichen in Krefeld zur Verfügung steht. Die verschiedenen Angebote sollte man noch enger zusammenführen. Der Begriff „Kommunale Präventionskette" ist dafür ein schönes Bild. Mit Hilfe verschiedener Akteure und Stellen in der Kommune soll eine Kette aufgebaut werden. Diese soll den Kindern und Jugendlichen und ihren Familien, wann nötig und wo nötig, vielfältige Unterstützung bieten - und dies eben auch schon präventiv.

Sehen Sie eine Chance, die Situation von Kindern zu verbessern, die nach den derzeitigen Erkenntnissen langfristig armutsgefährdet sind?

Tophoven: Ja, ganz klar. Ich sehe Chancen, die Situation dieser Kinder zu verbessern. Das ist sicher nicht einfach, aber es gibt Möglichkeiten und Wege. Ganz wichtig ist es, den Kindern und Jugendlichen Perspektiven aufzuzeigen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben unabhängig von der finanziellen Situation des Elternhauses zu ermöglichen. Dabei muss man sicherlich an verschiedenen Ebenen ansetzen, alle Akteure einbinden und nicht zuletzt auch unmittelbar die Kinder und ihre Eltern erreichen.