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Fachstelle für behinderte Menschen im Rathaus bietet Beratung und Unterstützung (14.01.2020)

Zuletzt geändert: 14.01.2020 14:55:47 CET

Besondere Regelungen zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen sind in Teil drei des Sozialgesetzbuchs im Neunten Buch, dem Schwerbehindertenrecht geregelt. Die Fachstelle für behinderte Menschen im Krefelder Rathaus bietet bei Bedarf Beratung und Unterstützung an. Neben dem neutralen Beratungsangebot für Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden hier die Mittel der Ausgleichsabgabe der Unternehmen und Betriebe, die nicht genügend behinderte Menschen beschäftigen, verwaltet und dazu genutzt, begleitende Hilfen im Arbeitsleben zu finanzieren. Zudem stehen die Arbeitgeber in der Pflicht, an der Teilhabe der behinderten Menschen mitzuwirken und in zumutbarem Maße angemessene Arbeitsplätze einzurichten. Gleichzeitig sind Arbeitgeber zur Prävention verpflichtet. Insbesondere bei Schwierigkeiten am Arbeitsplatz ist ein Präventionsverfahren unter Einbeziehung von inner- und außerbetrieblichen Helfern durchzuführen. Fachstellen, Integrationsfachdienste und das Inklusionsamt unterstützen den Arbeitgeber dabei, beispielsweise mit der qualifizierten Beratung vor Ort am Arbeitsplatz.

Der Integrationsfachdienst Krefeld, Königstraße 1, ist erreichbar unter Telefon 02151 659780 und per E-Mail an info@ifd-kr.de. Informationen über die mögliche Unterstützung seitens der Agentur für Arbeit, Rentenversicherung und Berufsgenossenschaft sowie des Inklusionsamtes und der Fachstelle geben im Fachbereich Soziales, Senioren und Wohnen im Rathaus, Zimmer A 75 und A 79, Gabriele Berndt, Claudia Wertz und Michael Biada.

Neben der Prävention soll auch der besondere Kündigungsschutz das Arbeitsverhältnis möglichst dauerhaft sichern, indem Schwierigkeiten im Arbeitsverhältnis vor einer möglichen arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzung und Kündigung erkannt werden. So besteht die Möglichkeit, einvernehmliche Lösungen zu finden. Daher werden durch die Fachstellen und Fachdienste auch Schwerbehinderten- und Mitarbeitervertretungen, Personal- und Betriebsräte einbezogen, beraten und unterstützt. „Begleitende Hilfen" sollen behinderten und gleichgestellten Menschen die Teilhabe am Arbeits- und Berufsleben erleichtern. Dazu gehören die fachliche Beratung, individuelle Betreuung sowie finanzielle Unterstützung, die das Inklusionsamt beim Landschaftsverband Rheinland (Telefon 02 21 / 80 90, post@lvr.de) in enger Kooperation mit den jeweiligen Fachdiensten und Fachstellen der Kommunen und Kreise anbieten.

Ein Beispiel verdeutlicht, wie die Fachstelle helfen kann: Einem 56-jährigen Arbeitnehmer drohte nach dem Verlust des Führerscheins nach einer Alkoholfahrt die krankheitsbedingte Kündigung wegen Alkoholabhängigkeit mit der Begründung „er sei nicht mehr in der Lage, seinen arbeitsvertraglichen Pflichten nachzukommen". Die Ermittlung durch die Fachstelle ergab, dass die Personalstelle gar nicht genau über von ihm verrichteten Tätigkeiten informiert war. Seine Arbeit erledigte er zu 90 Prozent ohne Kraftfahrzeug. Die wenigen notwendigen Kfz-Fahrten wurden von Kollegen übernommen. Zum Krankheitsbild bestand ärztlicherseits zudem eine positive Prognose. Der Arbeitsplatz konnte insbesondere durch die entschiedene Unterstützung von Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung gesichert werden.

Es war ein langer Weg von der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen im Jahr 2006 mit dem Ziel einer „inklusiven Lebens- und Arbeitswelt" bis zum aktuellen „Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung" im Jahr 2017. Durch dieses Gesetz werden insbesondere die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass mehr „wesentlich behinderten" Menschen eine Teilhabe am Arbeits- und Berufsleben ermöglicht wird. In Deutschland dominierte über Jahrzehnte das Prinzip der Fürsorge. So gab es die Hauptfürsorgestelle (heute Inklusionsamt) beim Landschaftsverband Rheinland in Köln sowie bei den Kreisen und Kommunen die örtlichen Fürsorgestellen, die die Hilfen für Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben umsetzten. Aus den Fürsorgestellen sind jetzt die „Fachstellen für behinderte Menschen im Arbeitsleben" geworden. „Behindert" bedeutet nämlich nicht nur eine Behinderung aus der Person heraus, sondern meint vielmehr Hindernisse und Barrieren, die die betroffenen Menschen am Arbeitsplatz oder auf dem Weg zur Arbeit erfahren. Diese zu beseitigen oder zumindest abzuschwächen, ist unter der Strukturverantwortung des Inklusionsamts eine Aufgabe der Fachstellen für behinderte Menschen im Arbeitsleben.