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Aktionstag anlässlich der Woche des Sehens am Hauptbahnhof Krefeld (11.10.2017)

In der Innenstadt sind sie in den Gehwegen eingebaut, Steinplatten mit Rillen. An einigen Punkten mündet die Steinreihe in ein Feld mit Pflastersteinen, die Noppen haben. Von dort führt dann wieder eine Steinreihe mit Rillen weiter den Gehweg entlang. Diese Steine und Platten sind so alltäglich im Straßenbild, dass sie nicht mehr auffallen. Und viele kennen auch gar nicht deren Zweck als Blindenleitspur. „Die Unwissenheit ist groß", berichtet Christian Horn vom Fachbereich Ordnung. Seit 6 Uhr morgens steht er mit einigen Kollegen und Mitgliedern des Blinden- und Sehbehindertenvereins anlässlich der „Woche des Sehens" auf dem Hauptbahnhofsvorplatz. Dort haben sie für einen Aktionstag einen Infostand aufgebaut. Ihre Zielgruppe dort sind die Pendler, die mit dem Fahrrad zum Bahnhof kommen.

Immer wieder parken Pendler ihre „Drahtesel" direkt auf der Blindenleitspur. Für Blinde und Sehbehinderte bedeuten solche Hindernisse stets ein Problem. Denn sie müssen sich um die Objekte herum bewegen, um die Blindenleitspur wiederzufinden. Im schlimmsten Fall bilden solche Barrieren Stolperfallen und führen zu Stürzen und Verletzungen. „Wir weisen hier die Radfahrer auf die Blindenleitspur hin, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen", so Horn. Wer nicht direkt angetroffen wird, erhält einen Infozettel an seinen Gepäckträger mit der Aufschrift „Bitte Weg frei!". Die Unkenntnis über dieses Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte sei zwar verbreitet, doch die Einsicht bei den Radfahrern gleichzeitig sehr groß. „Das gilt auch für die Geschäftsleute", sagt Horn, wie es sich bei einem Rundgang mit Blinden und Sehbehinderten beispielsweise über die Neusser Straße zeigt. In Gesprächen mit Passanten, anliegenden Geschäftsleuten und Anwohnern wird dabei auf das Thema des Blindseins im Allgemeinen, wie auch die Funktion der Blindenleitspuren im Speziellen hingewiesen. Dort stehen mal Mülltonnen oder Werbetafeln auf der Spur, die nach einem kurzen Hinweis durch den Kommunalen Ordnungsdienst auch schnell beiseite gestellt werden.

Derartige Hindernisse sind für Beate Pogorzelsky auf ihrem Weg von A nach B durch die Innenstadt nichts Ungewöhnliches. „Jeder Tag ist eine Herausforderung", so die Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Krefeld. Ihre Sehkraft ist fast vollständig erloschen. Zur Orientierung hat sie einen Stock mit einer Kugel an dessen Ende. „Mit diesem Stock klinke ich mich quasi in die Rillen ein", erklärt Pogorzelsky. Endet ein Weg zum Beispiel an der Kreuzung trifft die Kugel am Stockende auf die Steine mit den Noppen. Solche Noppensteine finden sich auch an Abzweigung wie zu Bushaltestellen. Mit der Kombination von Rillen und Noppen können sich Blinde und Sehbehinderte orientieren und Wege eigenständig bewältigen. Wie schwierig das sein kann, können Passanten am Infostand selbst ausprobieren. Mit unterschiedlichen Brillen werden verschiedene Sehbinderungen simuliert. Die Einschränkung wird einem schlagartig bewusst. Wer das einmal getestet hat, versteht sofort, weshalb die Blindenleitspur immer frei sein sollte.