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Aktuelle Ausstellung im Museum Burg Linn

12. März bis 3. September 2017

1517 - Krefeld und die Reformation
In ganz Deutschland wird es in diesem Jahr Projekte, Ausstellungen, Veranstaltungen, Vorträge und Festakte zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation geben. Auch an Krefeld ging die Reformation nicht spurlos vorüber, im Gegenteil: Als Teil der Grafschaft Moers war das damals noch kleine Städtchen Krefeld seit den 1540er-Jahren den Reformationsbestrebungen der Moerser Grafen ausgesetzt. Natürlich gab es großen Widerstand von der katholischen Seite. Schließlich setzen die Grafen aber einen reformierten Pfarrer ein, und ab 1607 - Krefeld gehörte inzwischen zum (niederländischen) Haus Oranien - durften die Katholiken ihre alte Kirche nicht mehr benutzen, sie ist bis heute protestantisch geblieben. Es sollte über 150 Jahre dauern, bis die Katholiken unter den Preußen mit St. Dionysius wieder eine eigene Kirche in Krefeld erhielten.
Aber nicht nur Krefeld, das ganze Rheinland war in Aufruhr. Einen ersten Reformationsversuch, der jedoch scheiterte, startete der Kölner Erzbischof Hermann von Wied 1543. Als Erzbischof Johann Gebhard Truchsess von Waldburg 1582 zum protestantischen Glauben übertrat, kam es zum Kölnischen Krieg („Truchsessischer Krieg", 1583 - 1591), in dessen Verlauf Krefeld fast komplett zerstört wurde (1584). Gebhard musste sich geschlagen geben, und Kurköln blieb bekanntlich katholisch, ebenso die damals noch nicht zu Krefeld gehörenden Städte und Landgemeinden wie Uerdingen, Linn, Hüls (der nicht-moersische Teil), Fischeln, Oppum, Bockum.
Die Reformation und die sofort als Reaktion von katholischer Seite gestartete Gegenreformation war eine Schlacht des Wortes und der Schriften. Ohne die Erfindung des Buchdrucks wären Luthers Schriften, seine Bibelübersetzung, aber auch die Schriften anderer Reformatoren und Gegenreformatoren, auf deren vielfältige religiöse Vorstellungen ebenfalls in der Ausstellung hingewiesen wird, niemals so schnell um die Welt gegangen und hätten nie eine derartige Wirkung erzielen können. Davon zeugen die zahlreichen Schriften in der Ausstellung, die zum großen Teil aus Privatbesitz, aber, wie beispielsweise eine von zwei frühen Luther-Bibeln, aus Museumsbesitz stammen. Die andere Luther-Bibel wird an das Ruhr-Museum in Essen („Der geteilte Himmel. Reformation und religiöse Vielfalt an Rhein und Ruhr" von April bis Oktober 2017) als besonderes Objekt ausgeliehen. Weitere wichtige Schriften stammen aus den Universitätsbibliotheken in Münster und Düsseldorf sowie aus der Erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek Köln.

Die Ausstellung in Linn wird im Wesentlichen folgende Themen zum Inhalt haben:
1. Reformation
- a) Martin Luther und der Beginn der Reformation
- b) Philipp Melanchthon und die lutherischen Bekenntnisschriften
2. Der Kölner Reformationsversuch von 1543
3. Der Glaubensabfall des Kölner Erzbischofs Johann Gebhard Truchsess von Waldburg von 1582 und der Kölner Krieg
4. Katholische Reform und Gegenreformation
a. Jesuiten und die Rekatholisierung
b. Katholische und evangelische Kontroverstheologen
5. Täufer (die Münsterschen Täufer), Mennoniten und Hutterer
6. Zwinglianer, Calvinisten, Hugenotten, Waldenser und Anglikaner
7. Krefeld und die Reformation

Ergänzt werden die besonders seltenen und wertvollen Schriften durch ebenfalls seltene liturgische Geräte und Objekte vor allem aus Düsseldorfer Kirchen.

Konzeption und Realisierung: Ralf-Günter Stefan und Christoph Dautermann