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Ausstellungen

KAISER WILHELM MUSEUM

DAS ABENTEUER UNSERER SAMMLUNG II

31. MÄRZ - 1. OKTOBER 2017

Vor 120 Jahren wurde das Kaiser Wilhelm Museum eröffnet. Seitdem haben sich viele Menschen leidenschaftlich für das Museum engagiert. Es sind Krefelder Bürger, die Ende des 19. Jahrhunderts durch eine große Sammelaktion die finanzielle Voraussetzung zum Bau des Museums schaffen und einen ersten Sammlungsstock übergeben. Ende der 1960er Jahre entwickeln junge Künstler wie Christo, Hans Haacke, Timm Ulrichs, Bernar Venet und viele andere in Auseinandersetzung mit dem Museum Haus Lange Projekte und begründen damit eine ortsspezifische Tradition, die bis heute fortgeführt wird.

Das Abenteuer unserer Sammlung II stellt erstmals diese beiden Arten des Engagements in zwei großen Erzählsträngen vor. Auf der ersten Ausstellungsetage geht es um Mäzene, Stifter und Förderer, die den Kunstmuseen Krefeld Kunstwerke geschenkt haben; auf der zweiten Ebene thematisiert die Präsentation das Zusammenspiel zwischen Künstlern und Museum, denn bereits um 1900 kommt es im Zuge der reformatorischen Ausrichtung zum intensiven Austausch mit zeitgenössischen Künstlern wie Otto Eckmann und Johan Thorn Prikker.

In einem Crossover aus Werken vom späten Mittelalter bis heute, darunter Skulpturen und Gemälde ebenso wie Fotografien, grafische Blätter, kunsthandwerkliche Objekte und Videoarbeiten, spiegelt sich eine überaus faszinierende Sammlungs- und Museumsgeschichte. Nach der Wiedereröffnung des Kaiser Wilhelm Museums im Sommer 2016 und nach der ersten Präsentation aus dem Bestand zeigt Das Abenteuer unserer Sammlung II das Museum als einen interaktiven Ort, an dem private Leidenschaft, gesellschaftliches Bewusstsein und künstlerische Programmatik zusammenfinden.

Künstler (Auswahl)
Allora & Calzadilla, Joseph Beuys, KP Brehmer, Paul Dresler, Otto Eckmann, Andreas Gursky, Hans Haacke, Adolf Hölzel, Walter Leblanc, Franz von Lenbach, Alfred Mohrbutter, Claude Monet, Emil Nolde, Johan Thorn Prikker, Daniel Spoerri, Rosemarie Trockel, Andreas Slominski und viele andere

Kuratorin: Dr. Sylvia Martin

MUSEUM HAUS LANGE

ELMGREEN & DRAGSET
DIE ZUGEZOGENEN

19. FEBRUAR - 27. AUGUST 2017

In ihrer kommenden Einzelausstellung DIE ZUGEZOGENEN werden Elmgreen & Dragset Haus Lange so nutzen, wie es ursprünglich intendiert war: als Wohnhaus einer Familie. Das Künstlerduo wird den Moment des Einzugs einer fiktiven deutschen Familie inszenieren, die sich aufgrund des Brexit entschieden hat, aus Großbritannien nach Deutschland zurückzukehren. Die Installation nimmt auf zwei entschiedene europäische und dennoch sehr verschiedene Kulturen Bezug.

Elmgreen & Dragset werden ihre eigenen skulpturalen Arbeiten mit vorgefundenen Möbeln und Artefakten kombinieren, um ein häusliches Setting zu kreieren. Einige Gegenstände werden bereits ausgepackt und installiert sein, andere noch halb verpackt und in Kartons. Indem der Umzug der Familie als Symbol für ein sich veränderndes Europa präsentiert wird, reflektiert die Ausstellung die Vision modernistischer Architektur im Licht der heutigen Realität. Dabei wird sie auch der Frage nachgehen, wie weit sich diese Ideale von unserer gegenwärtigen globalen, geopolitischen Situation entfernt haben.

Mit ihrer ersten Einzelausstellung im Rheinland setzen Elmgreen & Dragset auf außergewöhnliche Weise die Tradition ortsspezifischen Arbeitens fort, die sich im Haus Lange bereits seit den frühen 1960er Jahren etabliert hat. Michael Elmgreen (*1961 in Kopenhagen, Dänemark) und Ingar Dragset (*1969 in Trondheim, Norwegen) arbeiten seit Mitte der 1990er Jahre als Künstlerduo zusammen. In ihren Skulpturen, Installationen und Performances deuten sie das Alltägliche und Vertraute mit gesellschaftskritischem Witz und subversivem Humor um. Von ihrer Aufsehen erregenden Installation einer Prada Boutique in der texanischen Wüste über die Bespielung des Dänischen und Nordischen Pavillons auf der Biennale Venedig 2009 bis zur Konzeption einer vermeintlichen Kunstmesse in Peking 2015 arbeiten Elmgreen & Dragset an neuen Möglichkeiten, mit der Präsentation und Rezeption von Kunst und öffentlichen Räumen umzugehen. Im Herbst 2017 kuratieren sie die Istanbul Biennale.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.
Kuratorinnen: Dr. Magdalena Holzhey mit Irina Raskin

MUSEUM HAUS ESTERS

NAUFUS RAMíREZ-FIGUEROA - MIES VAN DER ROHE-STIPENDIUM 2017
DIE VEREINIGUNG ZWEIER FLAMINGOS AUF EINEM BLECHDACH

19. FEBRUAR - 27. AUGUST 2017

Der 16. Preisträger des Mies van der Rohe-Stipendiums ist der junge guatemaltekische Künstler Naufus Ramírez-Figueroa (*1978 in Guatemala City). Mit seiner ersten institutionellen Einzelausstellung in Deutschland wird er im Haus Esters der Tradition der ortsspezifischen Installation in den Mies van der Rohe Bauten neue Impulse hinzufügen.

In der Ausstellung „Die Vereinigung zweier Flamingos auf einem Blechdach" verdichtet der Künstler Elemente aus europäischem Volksglauben, der ganzheitlichen Medizinlehre und Naturphänomenen zu einer fiktiven Geschichte, die sich in den Räumen von Haus Esters abspielt. So taucht der Besucher mit allen Sinnen in ein farbiges Szenario, das an häusliche Pflege, ihre Verbindung zur Körperlichkeit und unsere Vorstellung von dieser erinnert. Mit Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien, die Alltagsobjekte kopieren, spielt Ramírez-Figueroa mit unserer Wahrnehmung, sodass eine Grenze zwischen Realität und Traum kaum mehr auszumachen ist.

Naufus Ramírez-Figueroas Arbeiten zeichnen sich durch eine sehr persönliche Beschäftigung mit essentiellen Themen wie Identität, Körper, Kultur- und Architekturgeschichte aus. Dabei bedient er sich lateinamerikanischer Folklore-Praktiken, Mythologie und Magie und hinterfragt Merkmale einer universellen, globalisierten Hochkultur. Seine farbgewaltigen Installationen formulieren eine ganz eigene bühnenhafte Narration.

Das Mies van der Rohe-Stipendium der Stadt Krefeld wurde 1979 eingerichtet, um junge, vielversprechende KünstlerInnen zu unterstützen wie bereits Juan Muñoz, Stan Douglas oder auch Dominique Gonzales-Foerster. Das vorschlagende Gremium war für das diesjährige Stipendium mit Jessica Morgan (Dia Art Foundation, New York), Laurence Sillars (Baltic Center for Contemporary Art, Gateshead) und Nicolaus Schafhausen (Kunsthalle Wien) besetzt. In einem zweiten Schritt entschieden die Jurymitglieder Katia Baudin (Kunstmuseen Krefeld), Bart de Baere (Museum van Hedendaagse Kunst, Antwerpen), Helen Hirsch (Kunstmuseum Thun), Dr. Sylvia Martin (Kunstmuseen Krefeld) sowie Holger Otten (Ludwig Forum, Aachen) über den Gewinner des Stipendiums.

Zur Ausstellung wird ein Katalog erscheinen.
Gastkuratorin: Dorothee Mosters