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Budenzauber - Krefelder Figurentheaterfestival für Erwachsene

2009 wagten wir den Schritt, erstmalig eine eigene Reihe ausschließlich mit Figurentheateraufführungen für Erwachsene zupräsentieren. Jetzt, acht Jahre später, gibt es bereits die fünfte Auflage von „Budenzauber", das sich alle zwei Jahre ambitionierter Puppenspielkunst widmet. Es freut uns, mit Ihnen zusammen dieses natürlich noch sehr überschaubare Jubiläum des fünften Figurentheaterfestivals für Erwachsene vom 9. September bis 8. Oktober 2017 in der Fabrik Heeder zu begehen.Die große Vielfalt von Themen und Formen des zeitgenössischenFigurentheaters lässt sich in den sechs Theateraufführungen und in einem Filmbeitrag natürlich nur andeutungsweise widerspiegeln. Die hier getroffene Auswahl ganz unterschiedlicher Stoffe bei hoher Qualität der von nah und fern eingeladenen renommierten Theater lenkt gleichwohl den Fokus auf die noch stärker zu entdeckende Bandbreite, Professionalität und Ambition der Figurentheaterszene in Deutschland, „Weit mehr als leichte Muse" befand Mojo Mendiola am 21. August 2015 in der Rheinischen Post Krefeld zum 4. Budenzauber-Festival und seine Kollegin Dr. Gabriele Knoll resümiert am 13. Oktober 2015 in der Westdeutschen Zeitung Krefeld, „dass Figurentheater wesentlich mehr als das klassische Kasperletheater sein kann, hat das Festival Budenzauber gezeigt".

Figurentheater mit dem „Budenzauber" für Erwachsene und für Kinder mit den alljährlichen „Krefelder Puppentheatertagen" ist uns seit vielen Jahren ein ganz besonders am Herzen liegender Schwerpunkt im breiten Programmangebot des Kulturbüros. Ihr Besuch in unseren Aufführungen stützt dieses Engagement.

Dafür danken wir unseren Besucherinnen und Besuchern und wünschen phantastische Theatererlebnisse!

Jürgen Sauerland-Freer
Für das Team des Kulturbüros der Stadt Krefeld


Das Programm 2017


9. September, 20 Uhr
Premiere
Moby Dick
nach Herman Melville
Spieldauer: 100 Minuten mit Pause - für Jugendliche und Erwachsene

Szenenfoto , Foto: Theater Blaues HausFoto: Theater Blaues Haus

Und sie bläst immer noch: Die alte, doch ewig junge Geschichte von Ismael, Ahab und dem weißen Wal. Die Geschichte von der Sehnsucht nach dem Meer, von der Abenteuerlust und von der Gier nach Aufregung. Frischer Wind um die Ohren, immer der Nase nach und
endlich alle Bedenken hinter sich lassen - bis zum ersten Sturm. Bis die Waljagd zum Wahnsinn wird und die fröhliche Abenteuerlust umschlägt in den Irrsinn des Untergangs. Einem Irrsinn, dem wir leicht folgen, alle Warnungen, alle bedrohlichen Zeichen in den Wind schlagend. Moby Dick ist eine raue Geschichte über den Mut aufzubrechen. Aber Moby Dick ist auch eine schreckliche Geschichte über Verblendung, Feigheit und Schuld.

Spiel: Volker Schrills
Regie: René Linke
Projektionen: Nils Voges, sputnic
Ton: Peter Dirkmann
Theater Blaues Haus, Krefeld

16. September, 20 Uhr
Stummfilm "Die Puppe"
mit musikalischer Umrahmung durch das Ensemble M-cine
Spieldauer: 64 Minuten ohne Pause - für Jugendliche und Erwachsene

Portraifoto der Musikerinnen von M-cine, Foto: M-cineFoto: M-cine

Eine absolute Rarität bekommen die Besucher des Budenzaubers zu sehen. M-cine verzaubert das Publikum mit der Stummfilmkomödie „Die Puppe" von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1919. Die Kölner Musikerinnen Katharina Stashik, Saxophon, und Dorothee Haddenbruch, Klavier, haben sich auf das Vertonen von Stummfilmklassikern spezialisiert und gastieren mit ihren Programmen im In- und Ausland. Mit ihrer Livemusik lassen sie die Zeit der großen Kino-Orchester wieder aufleben und hauchen der „Puppe" regelrecht neues Leben ein.

Der Film: Lancelot hat ein ungewöhnliches Problem: 40 Jungfrauen verfolgen ihn quer durchs ganze Dorf und wollen ihn heiraten! Sein Onkel, der Baron de Chanterelle, hat angeordnet, dass sein einziger Erbe sich eine Frau suchen muss, damit seine Linie nicht ausstirbt. Doch Lancelot will auf gar keinen Fall heiraten! Da kommt die rettende Idee: Lancelot kann doch statt einer richtigen Frau eine Puppe heiraten! Wer lebensechte Puppen samt Bedienungsanleitung verkauft, wie Lancelot seine Puppe heiratet, und wie viel Eigenleben eine solche Beziehung letztendlich verträgt: all das verfolgt der Zuschauer in einer wahrhaften `tour de force´ an urkomischen Einfällen.
„Die Puppe" ist eine Verwechslungskomödie in typischer Lubitsch-Manier mit enorm trockenem Wort- und Bildwitz und mit einer furiosen Ossi Oswalda in einer verblüffenden Doppelrolle.

20. September, 20 Uhr
Schachnovelle
Spieldauer: 70 Minuten ohne Pause - für Jugendliche und Erwachsene

Szene aus der Inszenierung, Foto: Frank PuschFoto: Frank Pusch

„Es bedeutet an sich schon Nonsens, Schach gegen sich selber spielen zu wollen. Ein solches Doppeldenken setzt eigentlich eine vollkommeneSpaltung des Bewusstseins voraus."
Die Handlung spielt an Bord eines Schiffes auf dem Weg von New York nach Buenos Aires. Willkommen an Bord! Unser Schiff verlässt den sicheren Heimathafen, und es beginnt eine harmonische Kreuzfahrt, die sich jedoch schon sehr bald als abgründiger Seelentrip entpuppen wird. Seltsames Passagiervolk flaniert auf dem Achterdeck. Ein millionenschwerer Ölmagnat und ein geldsüchtiger Schachweltmeister liefern sich manische Brettspielgefechte, während der mysteriöse Dr. B. mit den Geistern seiner Vergangenheit kämpft. Als Vermögensverwalter einer renommierten Kanzlei geriet er in die Hände diktatorischer Mächte, die ihm mittels monatelanger Einzelhaft und zermürbender Verhöre diverse Bankgeheimnisse zu entlocken versuchten. Was ist grausamer: körperliche oder seelische Folter? Wieviel Einsamkeit erträgt ein Mensch? Stefan Zweigs Meisternovelle ist ein Plädoyer für Selbstbestimmung, für Kreativität und für die Kunst. Ein paar gedruckte Zeilen - die banalen Aufgaben eines Schachrepetitoriums - helfen Dr. B. zu überleben. Doch die ersehnte Rettung durch geistige Beschäftigung schlägt ins fatale Gegenteil um, als er beginnt, im Kopf Schach gegen sich selbst zu spielen. Dr. B. verzweifelt, denn immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen, heißt es unweigerlich irgendwann „Matt!".

Figurenspiel, Regie, Spielfassung: Sebastian Kautz
Violoncello, Bandoneon, Komposition: Gero John
Bühnenbau: Sebastian Kautz
Puppenbau, Kostüme, Bühnenmalerei: Melanie Kuhl
Lichtdesign: Frank Barufke, Harry Großmann, Sebastian Kautz, Florian Wilke
Theater Cipolla, Bremen

23. September, 20 Uhr
Das Rotkäppchen-Massaker
Spieldauer: 70 Minuten ohne Pause
für Jugendliche und Erwachsene ab 16 Jahre (kein Einlass unter dem Mindestalter!)

Szene aus der Inszenierung, Foto: Theater 1Foto: Theater 1

„ ... und wenn Sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute." Leider leben nicht mehr allzu viele, nur noch Rotkäppchen und der Wolf. Die beiden haben dann auch geheiratet. Ein unglaubliches Massaker hat diese Hochzeit begünstigt.
So geben der plötzliche Atemstillstand der parfümierten Souffleuse, Krämers Genickbruch oder Elvis Presleys bis heute verschwiegene tödliche Schädelfraktur nach wie vor Rätsel auf. Dabei begann alles so harmlos: „Es war einmal eine kleine süße Dirne, die hatte jedermann lieb, der sie nur ansah; am allerliebsten aber ihre Großmutter, die wusste gar nicht, was sie alles dem Kinde geben sollte. Einmal schenkte sie ihm ein Käppchen von rotem Sammet, und weil ihm das so wohl stand, und es nichts anderes mehr tragen wollte, hieß es nur das Rotkäppchen ..."

Das theater 1 hat mit dieser Inszenierung eine Komödie geschaffen, die weder ein süßliches Rotkäppchen-Märchen noch ein grausigesMassaker ist. Vielmehr werden alle Liebhaber des schrägen Humors hierbei voll auf ihre Kosten kommen, denn es hat manchmal den Anschein, als ob „Monty Python" Pate gestanden hat.

Regie: Jojo Ludwig
Theater 1, Bad Münstereifel

28. September, 20 Uhr
Intercity
Spieldauer: 70 Minuten mit Pause - für Jugendliche und Erwachsene

Szene aus der Inszenierung, Foto: Das Weite TheaterFoto: Das Weite Theater

Ein fast vergessenes Dorf irgendwo in der deutschen Provinz. Der Aufschwung rast vorüber. Wie zum Hohn fährt der glänzende Intercity täglich ohne Halt durch das staubige Nest. Da keimt eine Idee auf und ergreift die letzten Kneipenbewohner: Entgleisen müsste er! Dann kommt die Presse, das Fernsehen und neue Hoffnung nach Lakow. Am Ende ist der Hebel im alten Stellwerk tatsächlich umgelegt, Lakow hat zwei Einwohner weniger und eine bittere Erkenntnis mehr. Nur der Intercity fährt wie immer.

Oliver Bukowskis groteske Story ist eine rasante Fahrt hinein in die Randbezirke gesamtdeutscher Wirklichkeit.

Regie: Jörg Lehmann
Spiel: Christine Müller, Irene Winter, Torsten Gesser, Martin Karl
Puppen, Bühne: Atif Hussein
Das Weite Theater, Berlin

29. September, 20 Uhr
Paradies - Europa
Spieldauer: 120 Minuten ohne Pause - für Jugendliche und Erwachsene

Szene aus der Inszenierung, Foto: Theater FiguroFoto: Theater Figuro

»Mit Europa ist es wie mit den Damen: Wenn sie elegant und kapriziös sind, ist es schwieriger, mit ihnen umzugehen.« (Helmut Kohl)
Ein Zar, ein Menschenfresser, ein Hitler. Drei lebensgroße Puppen auf einer kargen Bühne. Ihr Treffpunkt ist die Kneipe namens »Paradies«. Trotz vieler Unterschiede verstehen sich die Männer gut, denn alle drei haben eine Gemeinsamkeit: Sie lieben Macht. Nun kommt die Bardame ins Spiel, die, um Gewalt über die Männer zu bekommen, sich als Europa ausgibt. Auf eine lustig-brutale Art spielen sich die Puppen gegeneinander aus, doch wird der Sieg der Unmenschlichkeit durch die Anwesenheit des Menschen erschwert.
Nach einer unwahren Geschichte.

Von und mit: Alexej Vancl
Regie: Inda Buschmann
Theater Figuro, Zschepplin

8. Oktober
Menschen im Hotel
nach dem Roman von Vicki Baum in einer Theaterfassung von Frank Alexander Engel
Spieldauer: 100 Minuten ohne Pause für Jugendliche und Erwachsene ab 16 Jahren

Szene aus der Inszenierung, Foto: Waidspeicher Theater Foto: Theater Waidspeicher

Das Glück ist eine Drehtür. Sechs Wochen lang arbeitete die ehemalige Harfenistin als Zimmermädchen, dann hatte sie den Stoff zusammen für ihren größten literarischen Erfolg: Vicki Baum veröffentlichte 1929 ihren Roman „Menschen im Hotel", der schon ein Jahr später als Theaterstück in Deutschland, dann am Broadway und schließlich 1931 als Film mit Greta Garbo weltweit begeisterte.

Das Stück spielt in einem berühmten Berliner Luxushotel in der Zeit der Weimarer Republik. Es erzählt von den Gästen, die hier abgestiegen sind und den wechselseitigen Beziehungen, die sie miteinander eingehen: die alternde Ballett-Tänzerin Grusinskaja, die unter ihrem verblassenden Ruhm leidet, der lebensmüde Kriegsveteran Otternschlag, der überforderte Generaldirektor Preysing, die flotte Aushilfssekretärin Flämmchen und andere. „Großartiger Betrieb in so einem großen Hotel, kolossaler Betrieb. Immer ist was los. Einer wird verhaftet, einer geht tot, einer reist ab, einer kommt. Den einen tragen sie per Bahre über die Hintertreppe davon, und zugleich wird dem anderen ein Kind geboren.Hochinteressant eigentlich. Aber so ist das Leben -", denkt der kleine Volontär Georgi über die Gewinner und Verlierer, die im Hotel ein- und ausgehen.

Regie: Frank Alexander Engel
Ausstattung: Kerstin Schmidt, Frank Alexander Engel
Es spielen: Kathrin Blüchert, Kristine Stahl, Heinrich Bennke,
Paul Günther, Tomas Mielentz, Martin Vogel
Theater Waidspeicher, Erfurt

Alle Vorstellungen finden in der Fabrik Heeder, Virchowstr. 130, Krefeld, statt.
Eintrittspreis je Vorstellung 14 Euro Erwachsene, 7,50 Euro Schüler, Schülerinnen, Studierende, sowie Bezieher von Sozialleistungen nach dem SGB II und SGB XII.

Kartenvorverkauf und -reservierung ab Montag, 21. August 2017, 10 Uhr, Kulturbüro Krefeld, Friedrich-Ebert-Str. 42, 47798 Krefeld, Tel. 0 21 51/58 36 11 oder 0 21 51/58 36 16. Gerne können Sie auch unsere Kartenreservierung unter www.krefeld.de/kulturbuero nutzen.