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2017-03-15: Zwei Reformationsausstellungen werden 2017 in Krefeld gezeigt

In Krefeld werden anlässlich des Reformationsjahres zwei Ausstellung gezeigt: Das Museum Burg Linn widmet sich bis zum 3. September dem Thema „1517 - Krefeld und die Reformation". Das Stadtarchiv Krefeld beschäftigt sich ab Ende Oktober mit der Reformation vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart in Krefeld und in der niederländischen Partnerstadt Venlo. Das Glanzstück der aktuellen Ausstellung in Linn ist eine Bibel aus dem Jahr 1541. Sie wurde bei Hans Lufft gedruckt und mit handkolorierten Holzstichen von Lucas Cranach dem Jüngeren illustriert. „Es handelt sich um ein Originalwerk aus Wittenberg. Das ist ein nationales Schriftdenkmal", so Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Museumsleiter. Die Konzeption und Realisierung lag neben Dautermann vor allem bei Kurator Ralf-Günter Stefan. Er stellt auch Bücher aus seinem Bestand zur Verfügung. Weitere wichtige Schriften kamen als Leihgaben aus den Universitätsbibliotheken in Münster und Düsseldorf sowie aus der Erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek Köln. Diese werden durch seltene liturgische Geräte und Objekte vor allem aus Düsseldorfer Kirchen ergänzt.

Detailansicht aus der Lutherbibel von 1541.  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Detailansicht aus der Lutherbibel von 1541.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Die Ausstellung bricht die Ereignisse der Reformation von der nationalen auf die regionale und lokale Ebene herunter. Die wichtigsten Protagonisten und ihre Lehre werden in kurzen Textbeiträgen vorgestellt. Dem Besucher wird es so ermöglicht, den Prozess der Reformation und die Versuche der Gegenreformation nachzuvollziehen, ohne sich mit langatmigen Textblöcken auseinandersetzen zu müssen. Eine besondere Verbundenheit erzeugen die regionalen und lokalen Ereignisse wie der Kölner Krieg (1583 bis 1591), in dem Krefeld 1584 fast gänzlich zerstört wurde: Der Kölner Erzbischof Johann Gebhard Truchsess von Waldburg wollte 1582 zum protestantischen Glauben übertreten. Das geistliche Territorium, spricht die Stimme des Kölner Erzbischofs, war bei der Königswahl von Bedeutung. Dem Kollegium gehörten drei geistliche und vier weltliche Fürsten an. Mit dem Übertritt des Kölner Erzbischofes hätten die Protestanten die Mehrheit erlangt. Es kam zum Krieg, der Erzbischof unterlag und Kurköln blieb katholisch.

Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Museumsleiter, und Kurator Ralf-Günter Stefan (rechts) in der Ausstellung im Museum Burg Linn in Krefeld.  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Museumsleiter, und Kurator Ralf-Günter Stefan
(rechts) in der Ausstellung im Museum Burg Linn in Krefeld.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Aus der Entstehungszeit der beiden Lutherbibeln stammt auch ein einzigartiger Augenzeugenbericht aus Krefeld. Der katholische Pfarrer Johannes Schue schildert die Ereignisse von 1542 bis 1545. Er predigte noch in der alten St. Dionysiuskirche, der heutigen Alten Kirche, und wurde von dem protestantischen Landesherrn aus Moers stets in seiner Arbeit bedrängt. Das handschriftliche Dokument ist eine Leihgabe aus dem Landesarchiv NRW und ein herausragendes Original. Ein ausführlicher Bericht über seine Schildrungen findet sich in Band zwei der Stadtgeschichte.

Das Ausstellungsprojekt des Stadtarchives greift den Aspekt auf, dass es sich bei der Reformation um einen langjährigen Prozess gehandelt hat. In dem mit 50.000 Euro von der Euregio Rhein-Maas geförderten Kooperationsprojekt der Stadtarchive in Venlo und Krefeld soll die Entwicklung der Reformation von der Mitte des 16. Jahrhundert bis heute thematisiert werden. In dem Land zwischen Rhein und Maas habe es durchaus Wechselwirkungen gegeben. Beispielsweise gingen Hülser nach Kempen, um dort Prediger zu hören, die auch in Venlo waren. Ein Schwerpunkt sei die Entstehung der Konfessionen und der lange Prozess, bis dies im Volk angekommen sei, so Dr. Olaf Richter, Leiter des Stadtarchives Krefeld. „Die Menschen in Krefeld können so etwas über die Venoler lernen und umgekehrt", sagt Richter. Zu der zweisprachigen Ausstellung wird zudem ein Katalog erscheinen. Der Ausstellungsort ist in Krefeld noch offen.