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Zwei neue Artenschutzgewässer in Orbroich

Zuletzt geändert: 19.11.2018 16:14:06 CET

Kammmolche, Grasfrösche und Erdkröten sind schon da, bald soll auch der mittlerweile sehr seltene Laubfrosch dazu kommen: Denn im Naturschutzgebiet Orbroich, an der nördlichen Stadtgrenze gelegen, fühlen sich Amphibien jetzt noch wohler. Zwei neue Artenschutzgewässer sind hier, auf einer städtischen Wiese in der Nähe der Straße Am Jägerhaus, entstanden. Die beiden 830 und 850 Quadratmeter großen Gewässer sollen vor allem als Laichgewässer dienen. Daher ist es gar nicht so schlimm, wenn sie im Sommer trocken fallen - ein Besatz mit Fischen, die Amphibienlaich essen, wird so vermieden.

Eines der beiden neuen Artenschutzgewässer im Naturschutzgebiet Orbroich. Noch sieht es sehr unscheinbar aus, bald wird es aber hier blühen und Amphibien laichen. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Eines der beiden neuen Artenschutzgewässer im Naturschutzgebiet Orbroich. Noch sieht es
sehr unscheinbar aus, bald wird es aber hier blühen und Amphibien laichen.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Unscheinbar kommen die Gewässer aktuell noch daher. Flach fallen sie ab, in der Mitte sammelt sich Grundwasser mit einer Tiefe von 15 Zentimetern. Auf dem lehmig-sandigen Ufer werden sich bald die Wasserfeder, die Gelbsegge und der Rohrkolben ansiedeln. „Das wird nicht lange dauern, viele der Samen befinden sich im Boden, andere werden hergeweht", sagt Landschaftspfleger Theo Malschützky von der Unteren Naturschutzbehörde. Sie hat den Antrag zur Förderung der Maßnahme gestellt, der Kommunalbetrieb hat sie innerhalb einer Woche ausgeführt. Fördermittel kommen zu je 40 Prozent von der Europäischen Union und dem Land Nordrhein-Westfeln. Von den Kosten von 35 000 Euro muss die Stadt so lediglich 7000 Euro zahlen. „Es handelt sich um ein streng geprüftes Programm, dem sich nicht jeder stellen mag. Es wird genau geschaut, ob die Förderrichtlinien auch eingehalten werden", so Malschützky. Direkt neben einem der beiden Artenschutzgewässer gibt es einen weiteren, rund 20 Jahre alten Tümpel. Tiefer, dicht bewachsen, voll mit Fischen. „Die neuen bieten so eine perfekte Ergänzung, fördern die Vielfalt. Amphibien werden um das ältere Gewässer einen Bogen machen, in den neuen werden sie sich wohl fühlen", ist sich Malschützky sicher.

Flutmulde am Flöthbach wird jetzt angelegt

Eine 800 Quadratmeter große Flutmulde des vorbeiplätschernden Flöthbachs kommt in der kommenden Woche noch hinzu. Bei einem Pegel von über 20 Zentimetern wird sie geflutet, sie schafft Lebensraum auch für Fische. „Wir wenden hier das sogenannte Trittsteinkonzept an. In regelmäßigen Abständen haben wir am Flöthbach in den vergangenen Jahren Trittsteine, als Bereiche mit Biotopfunktion, geschaffen und so zur Arterhaltung und Vervielfältigung beigetragen - zumindest da, wo es uns möglich war. Eine leider gescheiterte Flurbereinigung erschwert das Vorhaben der Renaturierung." Über die Trittsteine erreichen die verschiedenen Lebewesen für die Arterhaltung geeignete Areale, die wegen der Distanz sonst nicht erreicht werden können. Positiver Nebeneffekt der Flutmulden: Sie reduzieren bei Starkregen als Regenrückhaltebecken die Hochwassergefahr.

Fehler der Vergangenheit rückgängig machen

Das Schaffen von Artenschutzgewässern und Flutmulden macht die Fehler der Vergangenheit rückgängig, auch deswegen gibt es den „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums" der Europäischen Union. Malschützky: „Anfang der 1990er-Jahre gab es hier kaum noch solche Gewässer oder Wiesen, alles wurde bewirtschaftet. Der Flöthbach wurde in ein starres Bett gezwängt." Das Programm wird in den kommenden Jahren weiter fortgesetzt.