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Volker Döhne und der Niedergermanische Limes

Zuletzt geändert: 20.12.2018 15:37:36 CET

Der Bronzekopf von Konrad Adenauer an der nach ihm benannten Allee in Bonn markiert wie ein Meilenstein den Beginn einer Erkundungsreise durch Zeit und Raum: Der Krefelder Fotograf und Becher-Schüler, Volker Döhne, folgt in seinem neuesten, im Kölner Greven-Verlag erschienen Bildband „Limes" der einstigen Römerstraße entlang des Rheins von der Bundeshauptstadt bis nach Xanten. Döhnes Fotoreise ist nicht nur wegen der 2000 Jahre alten römischen Route historisch: Die Aufnahmen entstanden 1993/94. Sie dokumentieren Städte, Industrieanlagen und das Land vor einem Vierteljahrhundert.

Buchcover des Bildbands "Limes".
Buchcover des Bildbands "Limes".

„Ripa" - so nannten die Römer die Flussgrenze, den Niedergermanischen Limes, ihres Reiches, die nach der verlorenen Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus zur Außengrenze des Römischen Reiches wurde. Diesseits des Flusses haben sie ihre Städte und Kastelle am Niedergermanischen Limes errichtet und ausgebaut, jenseits siedeln die von den Römern als „Germanen" benannten Stämme. Das römische Heer begann im ersten Jahrhundert am Niederrhein auch mit dem Bau der etwa 25 Meter breiten Fernstraßen inklusive Gräben sowie Wege für Fußgänger. Innerhalb der Städte wurden die Fahrbahnen gepflastert, außerhalb waren die Trassen mit einer dünnen Verschließschicht aus Kies und Sand überzogen. Aufgrund der soliden Bauweise konnten einige römische Straßen bis in das Mittelalter genutzt werden. Der Trassenverlauf blieb oft bis in die Gegenwart erhalten. Heute entspricht die Bundesstraße 9 in größeren Abschnitten dem Verlauf der damaligen Römerstraße, in anderen Bereichen nur noch ein Feldweg.

Zwei Jahre entlang des Limes

Volker Döhne begab sich mit seiner Kamera auf den alten Pfad. Über zwei Jahre machte er entlang der Strecke seine Aufnahmen, die eine spannende Verschmelzung von Vergangenheit und Gegenwart zeigen. Wenn man sich seine ausgewählten Orte ansieht, die 2000 Jahre und darüber alt sind, durch den Wechsel der Zeiten vielfach verändert, bleibt es doch noch derselbe Boden auf dem sich einst die römischen Soldaten und Bürger von A nach B bewegten. Heute fahren auf eben diesen Strecken Autos, Lkw, Busse und Straßenbahnen, um jene Orte zu erreichen, die bereits damals existierten. Wie bei seinen anderen Serien ist die Abwesenheit von Menschen Programm. Nur auf wenigen seiner Schwarz-Weiß-Aufnahmen hielt er Menschen eher als Beiwerk fest. Die jeweils rechte Seite im Bildband zeigt eine Großaufnahme, die linke beinhaltet kleinere Aufnahmen - Blicke nach links und rechts an der einstigen Römerstraße.

Bis 2018 Fotograf und Gestalter der Kunstmuseen Krefeld

Völker Döhne, Jahrgang 1953, arbeitete von 1980 bis 2018 als Fotograf und Gestalter an den Kunstmuseen Krefeld. Eine lange Folge von Kunst-Fotografien, Plakaten und über 150 Kataloge tragen seine gestaltende Handschrift. Der 1953 in Remscheid geborene Döhne studierte von 1975 bis 1980 an der Kunstakademie Düsseldorf. Ende der 1970er-Jahre zählte er zu den Schülern der ersten Fotoklasse von Bernd Becher. Die Kunstmuseen Krefeld widmen ihm zurzeit mit der Ausstellung „Sucher und Finder" eine erste große Retrospektive. Kuratorin Dr. Sylvia Martin reiht Döhnes Gesamtwerk dabei beeindruckend in die Geschichte der Düsseldorfer Fotoschule ein. Sie wählte zwölf Werkreihen mit rund 150 Fotografie von „Stille Orte" (1976) bis zur aktuellen Arbeit „Westwall" (2018) aus. Die Serie der Limes-Aufnahmen ist jedoch nicht zu sehen.

Abstecher nach Krefeld-Gellep

Auf seiner Reise von Bonn nach Xanten machte Döhne auch einen Abstecher nach Krefeld-Gellep, wo sich ein römischer Militärstützpunkt befand. Das einstige Kastell- und Gräberfeldareal zeigt auf seinen Fotos vor allem noch Brach- und landwirtschaftliche Fläche mit angrenzender Industrie und den Resten des Dorfes Gellep.

Kastell Krefeld-Gellep: Die kleine Straße entspricht einem ehemaligen Weg innerhalb des Kastells. Repro: Stadt Krefeld
Kastell Krefeld-Gellep: Die kleine Straße entspricht einem ehemaligen Weg innerhalb des
Kastells. Repro: Stadt Krefeld

Das Krefelder Kastell bestand vom ersten bis fünften Jahrhundert nach Christus fast ununterbrochen an derselben Stelle. Unter den in Nordrhein-Westfalen einzutragenden Römerstätten nimmt das Lager von Krefeld-Gellep eine Schlüsselposition ein. Das Bodendenkmal soll deswegen als Teil des Niedergermanischen Limes 2021/22 als Welterbe eingetragen werden.

Der Bildband „Limes - Grenzgänge eines Fotografen von Bonn bis Xanten" (192 Seiten) ist im Kölner Greven Verlag erschienen. Er beinhaltet auch Textbeiträge von Steffen Siegel und Marcus Trier. Das Buch kostet 28 Euro.