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Verheerendes Feuer im Zoo: Affentropenhaus brennt nieder

Zuletzt geändert: 07.01.2020 09:17:27 CET

Ganz Krefeld steht nach der verheerenden Brandkatastrophe im Zoo noch immer unter Schock. Das Affentropenhaus war in der Silvesternacht komplett ausgebrannt. Außer den beiden Schimpansen Bally und Limbo kamen wohl alle dort untergebrachten Tiere in den Flammen ums Leben, darunter fünf Borneo-Orang-Utans, ein westafrikanischer Schimpanse und zwei Flachlandgorillas, allesamt hochbedrohte Tierarten, sowie viele kleinere Äffchen wie Löwenkopfäffchen und Silberäffchen, Vögel, Flughunde und weitere Kleintiere. Ältester Bewohner war der Gorilla Massa, der 1975 nach Krefeld kam und mit seinen 48 Jahren der älteste Zuchtgorilla in Europa war. Der Zoo bezifferte die Zahl der Todesopfer auf mindestens 30 Tiere. Mitarbeiter der Zoos, der Feuerwehr und der Polizei blieben bei dem Einsatz unverletzt.

Das Affentropenhaus im Krefelder Zoo ist in der Silvesternacht komplett niedergebrannt. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Das Affentropenhaus im Krefelder Zoo ist in der Silvesternacht komplett niedergebrannt.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Die Feuerwehr war nur fünf Minuten nach der Alarmierung um 0.35 Uhr am Einsatzort, konnte das Gebäude aber nicht mehr retten. Ihr gelang es allerdings, einen Übergriff der Flammen auf die benachbarte Känguru-Anlage und den Gorilla-Garten zu verhindern. Dort werden die beiden leichtverletzten Schimpansen zurzeit untergebracht und von Ärzten und Pflegern betreut. Derzeit ist vorgesehen, sie an einen anderen Zoo abzugeben.

Die Flammen schlugen beim Eintreffen der Feuerwehr schon meterhoch aus dem Gebäude.  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Die Flammen schlugen beim Eintreffen der Feuerwehr schon meterhoch aus dem Gebäude.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Sehr wahrscheinlich ursächlich für das Feuer ist eine sogenannte Himmelslaterne, die auf dem Dach des Gebäudes niedergegangen war. Die Vermutung, dass ein solches Objekt den Brand ausgelöst haben könnte, hatte die Polizei schon sehr schnell, da es entsprechende Zeugenaussagen gab und auf dem Zoogelände Laternen gefunden wurden. Mittlerweile haben sich drei Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren, eine Mutter und ihre zwei erwachsenen Töchter, bei der Polizei gemeldet. Sie gaben an, fünf solcher Laternen haben steigen gelassen. Da die gefundenen vier Laternen mit persönlichen Glückwünschen versehen waren und auch weitere Indizien zutrafen, konnten sie den Frauen zugeordnet werden. Die fünfte Laterne wird höchstwahrscheinlich die sein, die den Brand ausgelöst hat. Bei dem Tatvergehen handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um fahrlässige Brandstiftung, was bei einer Verurteilung eine Geldstrafe oder Gefängnis bis zu fünf Jahre nach sich zieht.

Nach dem Brand blieb nur noch das Stahlgerippe stehen. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Nach dem Brand blieb nur noch das Stahlgerippe stehen.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

„Wir bedanken uns auf diesem Weg für die überwältigende Welle an Mitgefühl und Hilfsangeboten, die uns auf allen Kanälen erreichen. Das trägt unsere Mitarbeiter. Wir danken auch für die Solidarität in den sozialen Netzwerken. Wir lesen alles, aber schaffen es noch nicht, darauf zu antworten", teilt der Zoo auf seiner Website www.zookrefeld.de mit. Wer spenden möchte, kann dies über folgende Spendenkonten tun: Zoo Krefeld gGmbH, Sparkasse Krefeld, IBAN: DE 41 3205 0000 0000 0070 70, BIC: SPKRDE33XXXZoofreunde Krefeld, Verwendungszweck: Spende Affenhaus; oder Sparkasse Krefeld, IBAN: DE42 3205 0000 0000 3177 43, BIC: SPKRDE33, Verwendungszweck: Spende Affenhaus. Zur Stunde wird zudem ein zentrales Spendenkonto eingerichtet, die Daten wird der Zoo mitteilen.

Blick auf das ausgebannte Gehege der kleinen Äffchen.  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Blick auf das ausgebannte Gehege der kleinen Äffchen.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Höchstwahrscheinlich wird der Zoo am Freitag, 3. Januar, mit Einschränkungen wieder öffnen, so Zoo-Sprecherin Petra Schwinn. Besucher sollten sich jedoch vorher auf der Website oder auf Facebook informieren.

Oberbürgermeister Frank Meyer war noch in der Nacht vor Ort

Das Affentropenhaus wurde 1975 als wegweisendes Haus für die hochbedrohten Menschenaffen eröffnet. Es spielte eine große Rolle in den internationalen Zuchtprogrammen. „Der Brand ist eine Tragödie für die Stadt. Viele Menschen sind tief erschüttert, es hat uns alle tief betroffen gemacht. Viele Erwachsene haben schon Kindheitserinnerungen an die Bewohner, viele Kinder aus Krefeld und der Umgebung haben das Haus in den vergangenen Monaten mit ihren Familien besucht und trauern nun mit dem Zooteam. Ich bin allerdings auch sehr froh und dankbar, dass alle Helfer unversehrt sind", so Oberbürgermeister Frank Meyer, der sich noch in der Silvesternacht vor Ort ein eigenes Bild machte und den Einsatzkräften dankte.

Trotz der Trauer richtete Zoo-Direktor Wolfgang Dreßen den Blick nach vorne: „Wir sind alle unter Schock und funktionieren irgendwie. Unsere gute Arbeit mit Menschenaffen wird aber weitergehen, auch wenn es ein großer Kraftakt werden wird." Die Unterlagen für das nächste geplante Groß-Projekt, den Schimpansenwald, wurden erst im November eingereicht, können aber nun nicht mehr verwendet werden.