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Römisches Kastell soll Welterbe werden

Zuletzt geändert: 17.01.2020 14:07:22 CET

„Ripa" - so nannten die Römer die Flussgrenze, den Niedergermanischen Limes, ihres Reiches, die nach der verlorenen Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus zur Außengrenze des Römischen Reiches wurde. Diesseits des Flusses haben sie ihre Städte und Kastelle am „nassen Limes" errichtet und ausgebaut, jenseits siedelten die von den Römern als „Germanen" benannten Stämme. Als ein bedeutender Fundort soll der einstige römische Garnisonsort Krefeld-Gellep, das antike Gelduba, 2021 Teil des Unesco-Welterbes „Niedergermanischer Limes" werden.

Das Krefelder Kastell bildet mit verschiedenen Stützpunkten, Lagern und Städten am Rhein vom niederländischen Katwijk bis ins rheinland-pfälzische Remagen den Niedergermanischen Limes. Es bestand vom ersten bis ins fünfte Jahrhundert nach Christus fast ununterbrochen an derselben Stelle. Die Niederlande reichen als „Iead partner" am Donnerstag, 9. Januar, den Antrag zusammen mit Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bei der Unesco in Paris ein. Die Entscheidung könnte bereits im Sommer 2021 fallen. „Ich freue mich, dass wir mit unseren archäologischen Schätzen in Krefeld ein Teil dieser Bewerbung sind und gemeinsam mit den anderen Städten und Gemeinden am Rhein eine internationale Partnerschaft eingehen. Welterbe zu sein, böte uns die Chance, noch mehr Aufmerksamkeit auf die Fundstätte in Gelduba, aber auch auf das Museum Burg Linn und auf unsere Sammlung zu lenken - denn diese Schätze haben jede Aufmerksamkeit verdient", betont Oberbürgermeister Frank Meyer.

Modell des römischen Kastells in Krefeld-Gellep in der Spätantike. Foto: Archäologisches Museum Krefeld
Modell des römischen Kastells in Krefeld-Gellep in der Spätantike.
Foto: Archäologisches Museum Krefeld

„Die Aufnahme als Welterbe ist für das Archäologische Museum Krefeld von großer Bedeutung", sagt Museumsleiterin Dr. Jennifer Morscheiser. „Im Verbund mit den anderen Fundorten am Rhein erhoffen wir uns nach der Anerkennung zahlreiche neue Besucher aus dem In- und Ausland", so Morscheiser. Durch Öffentlichkeitsarbeit und Bildungsprogramme sollen Menschen jeden Alters mit dem Welterbe vertraut gemacht werden - ein Hauptanliegen der Unseco. Bereits 2017 hat das Krefelder Museum den ersten Info-Point am Niederrhein zum Thema „Welterbe - Niedergermanischer Limes" eingerichtet. Die Präsentation im Foyer des Archäologischen Museums umfasst unter anderem eine gut fünfminütige Animation, die verschiedene Kastelltypen in Krefeld, Grabungen und Fundstücke vorstellt. Zudem werden allgemeine Informationen zum Thema Welterbe vermittelt.

Das römische Kastell Gelduba, heute Krefeld-Gellep, mit seinen zivilen Siedlungen und Handelshäusern lag gegenüber dem alten Hellweg, der Handelsroute nach Germanien. Im Hafen wurden Waren aus dem Römischen Reich nach Germanien und umgekehrt umgeschlagen. In der Archäologischen Sammlung des Museums Burg Linn sind zahlreiche Funde aus den Militärbefestigungsanlagen und Modelle der römischen Kastelle zu besichtigen, die in den Jahrhunderten dort zuerst aus Holz, später aus Stein gebaut worden sind. Mit rund 6500 Gräbern ist das an das Kastell angrenzende römisch-fränkische Gräberfeld das größte erforschte seiner Art in Europa. Foto: Museum Burg Linn
Das römische Kastell Gelduba, heute Krefeld-Gellep, mit seinen zivilen Siedlungen und
Handelshäusern lag gegenüber dem alten Hellweg, der Handelsroute nach Germanien. Im
Hafen wurden Waren aus dem Römischen Reich nach Germanien und umgekehrt
umgeschlagen. Foto: Museum Burg Linn

„Das Thema Welterbe soll künftig nicht nur im Museum, sondern auch auf dem Außengelände erlebbar werden", sagt Morscheiser. Dort ist ein Archäologischer Landschaftspark geplant „Der nicht nur als touristischer Anziehungspunkt, sondern auch als Lernort entwickelt werden soll. Ein Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit Schulen, Kindern und Jugendlichen, denn Unesco-Welterbestätten sind wichtige Bildungsstätten", betont Morscheiser. Auf dem Gelände des Archäologischen Landschaftsparks sollen nicht nur Teilrekonstruktionen entstehen und unterschiedliche Bauformen des Kastells in einer virtuellen Realität erlebbar werden. „Wir planen auch einen Kinderspielplatz, Grill- und Aufenthaltsbereich sowie eine öffentliche Fitnessanlage", berichtet die Museumsleiterin. So sollen verschiedene Zielgruppen angesprochen werden, um das Areal zu beleben. Das Interesse an der Geschichte vor Ort ist sehr hoch. Dies zeigte sich zum Beispiel an einem zweitägigen „Castell- und Grabungsfest" mit mehr als 3800 Besuchern. Auch in dem Unterstützerbuch am Info-Point im Museum haben zahlreiche Menschen ihre Begeisterung für das Projekt festgehalten.

Dr. Christoph Reichmann zeigt auf einer Karte, wo sich das römische Kastell in Krefeld-Gellep befand. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Dr. Christoph Reichmann zeigt auf einer Karte, wo sich das römische Kastell in Krefeld-Gellep
befand. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Das Welterbe-Projekt „Die Grenzen des Römischen Reiches" umfasst die Grenzlinie und Militäreinrichtungen zur Zeit der Blüte des Römischen Reiches, etwa in der Zeit von 100 bis 200 nach Christus. In Nordrhein-Westfalen beträgt der Limesabschnitt rund 220 Kilometer. Abschnitte in Deutschland und Großbritannien sind bereits Welterbe. Der Niedergermanische Limes-Abschnitt bestand von 15 vor Christus bis etwa 450 nach Christus. Unter den in Nordrhein-Westfalen einzutragenden Römerstätten nimmt das Lager von Krefeld-Gellep eine Schlüsselposition ein. Das Archäologische Museum Krefeld zeigt zurzeit die Sonderausstellung „Abenteuer Großgrabung - Gräberfeld, Bataverschlacht und Römersiedlung". Erstmals wird im Haus an der Rheinbabenstraße 85 eine Auswahl an Funden und neuen Erkenntnissen nach der größten Grabung in der Geschichte des Museums präsentiert. In der Dauerausstellung werden römische Funde aus dem vergangenen Jahrhundert gezeigt.