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Starkurator Hans Ulrich Obrist mit Enzo-Mari-Ausstellung in Krefeld

Zuletzt geändert: 18.02.2020 17:05:36 CET

Der mächtigste Mann der Kunstwelt, renommierter Ausstellungsmacher, der Überkurator, der Starkurator - so betiteln Zeitungen und Fachzeitschriften den Schweizer Hans Ulrich Obrist. Der 51-Jährige gilt als einer der einflussreichsten Menschen in der Kunstbranche. Für seine ungewöhnlichen Ausstellungsorte wurde er international bekannt, seine erste Ausstellung mit dem Titel „World Soup" zeigte der damals 23-jährige Student 1991 in seiner Küche mit Künstlern wie Peter Fischli und David Weiss. Der ungewöhnliche Beginn einer globalen Karriere. So arbeitete er unter anderem für das Musée d'Art Moderne in Paris, die Kunsthalle Wien und die Deichtorhallen in Hamburg, die Biennale in Venedig sowie das Museum of Modern Art PS1 in New York. Er leitet seit 2016 als künstlerischer Direktor die Londoner Serpentine Gallery. Im Oktober kuratiert Obrist zusammen mit Katia Baudin, Leiterin der Kunstmuseen Krefeld, eine Retrospektive, die dem italienischen Künstler und Designer Enzo Mari gewidmet ist. Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit der Triennale Milano organisiert und wurde bei der Präsentation des Jahresprogramms der Kunstmuseen Krefeld vorgestellt.

Der Schweizer Hans Ulrich Obrist gilt als einer der einflussreichsten Menschen in der Kunstbranche. Foto: (c) Hubert Burda Media, F. Hagena
Der Schweizer Hans Ulrich Obrist gilt als einer der einflussreichsten Menschen in der Kunstbranche.
Foto: (c) Hubert Burda Media, F. Hagena

Nach der Ausstellung in Mailand wird ab 8. Oktober eine adaptierte Version im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld bis Februar 2021 gezeigt. Enzo Mari, Jahrgang 1932, positioniert sich selbst als Grenzgänger zwischen Kunst und Design mit Skulpturen, Möbeln, Alltagsgegenständen und Spielzeug. Schon in den 1960er-Jahren war das Kaiser-Wilhelm-Museum eines der ersten Museen in Deutschland, das Objekte von Mari erworben und diese im Kontext der Düsseldorfer Künstlergruppe „Zero" gezeigt hat. Bei der anstehenden Schau werden seine Werke mit Exponaten aus der Krefelder Sammlung ergänzt.

Sammlung in Bewegung. 15 Räume 15 Geschichten

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Epochen wie die Renaissance oder der Barock im Kaiser-Wilhelm-Museum mit Gemälden, Skulpturen und Möbeln in einzelnen Räumen dargestellt. Der Ursprungsgedanke geht auf den ersten Krefelder Museumsdirektor, Friedrich Deneken, zurück. Diese Idee der Epochenräume wird ab Sommer 2020 in einer neuen und spielerisch interpretierten Form von der Kuratorin und stellvertretenden Museumsleiterin, Dr. Sylvia Martin, aufgegriffen. Mit „Sammlung in Bewegung. 15 Räume 15 Geschichten" setzt sie das neue Konzept in der ersten Etage im Haus am Joseph-Beuys-Platz um. „Jeder Raum ist ein eigenes Erlebnis, eine eigene kleine Ausstellung", sagt Martin. „Es entstehen sinnliche und historische Momente, die sich aus dem reichen Bestand vom späten Mittelalter bis zum Ende des 20. Jahrhunderts speisen", so die Kuratorin. Zu den ersten Themen gehören das Frauenbild von Pablo Picasso sowie Auguste Rodin und Eugène Druet - Skulptur und Fotografie um 1900. Der sechsteilige Drove-Zyklus des Krefelder Expressionisten Heinrich Nauen wird nach vielen Jahren wieder vollständig gezeigt. Zudem wird das Thema „Provenienzforschung" eine Rolle spielen. Nach der Erstpräsentation 2020 werden im Laufe eines jeden Jahres einzelne Räume mit neuen Aspekten bespielt.

Stellen das Jahresprogramm 2020 der Kunstmuseen Krefeld  vor: v. l.: Magdalena Holzhey, Silvia Martin, Katia Baudin, Thomas Janzen, Constanze Zawadzky.  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof
Stellen das Jahresprogramm 2020 der Kunstmuseen Krefeld vor: v. l.: Magdalena Holzhey, Silvia Martin, Katia Baudin, Thomas Janzen, Constanze Zawadzky.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

Sammlungssatellit mit drei neuen Projekten fortgesetzt

Das kleine Format „Sammlungssatellit" wird in diesem Jahr mit drei neuen Projekten fortgesetzt. Dabei steht unter anderem ab November die um 1900 angelegte „Lehr- und Vorbildersammlung des Kaiser-Wilhelm-Museums" im Mittelpunkt. Sie bildet für Marcel Odenbach den Ausgangspunkt seiner Auseinandersetzung mit einem Aspekt der hiesigen Sammlung. Der 1953 in Köln geborene Odenbach gehört zur ersten Generation in der deutschen Video-Kunst. Seit 1976 arbeitet er mit dem bewegten Bild in Videos, Performances und Installationen. Seit 1992 lehrt er an mehreren Hochschulen in Karlsruhe und Köln sowie an der Kunstakademie Düsseldorf. Die in Vergessenheit geratene „Lehr- und Vorbildersammlung" wird mit dem neuen Projekt wieder ins Bewusstsein gerückt. „Diese analoge Bilddatenbank enthält hunderte Reproduktionen von Werken der bildenden und angewandten Kunst aus aller Welt", so Martin. Odenbach montiert hierfür häufig vorhandenes Bildmaterial wie Zeitungsfotos, Dokumentarfilme oder dokumentarische Fotografie zu einer videographischen Erzählung. Historische Hintergründe können so mit aktuellen soziokulturellen Situationen ineinanderfließen und ein interkulturelles Bewusstsein erzeugen. Odenbach führt dabei auch das Medium „Bild" als Wissensspeicher und machtvolles Instrument vor.

Die Kunstmuseen Krefeld bespielen drei Kunststätten: das Kaiser-Wilhelm-Museum in der Innenstadt sowie die Bauhaus-Villen, Haus Lange und Haus Esters im Stadtteil Bockum. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben kostenfreien Eintritt in alle Krefelder Museen.