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2018-04-12: Stadtarchiv Krefeld erhält die „Sammlung Rommerskirchen"

Zuletzt geändert: 24.04.2018 08:36:32 CEDT

Die Annahme von neuem Archivgut bildet für das Stadtarchiv Krefeld einen Routinevorgang - aber nicht an diesem Aprilvormittag. „Das ist etwas Besonderes", betont Archivleiter Dr. Olaf Richter. Die „Sammlung Rommerskirchen" umfasst rund 800 Tonträger. Seit den frühen 1980er-Jahren sammelt Hans Rommerskirchen alles über Musiker und Musik aus Krefeld. „Ich habe es viele Jahre mit Leidenschaft gemacht", so der 62-jährige Sozialpädagoge. Nun hat er mit seinem musikalischen Weggefährten Wolfgang Hellfeier den Bestand für die Übergabe an das Stadtarchiv gesichtet und erfasst.

Sammler Hans Rommerskirchen, Archivleiter Dr. Olaf Richter und Wolfgang Hellfeier (v.l.) bei der Übergabe im Archiv. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Sammler Hans Rommerskirchen, Archivleiter Dr. Olaf Richter und Wolfgang Hellfeier (von links)
bei der Übergabe im Archiv. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Für das Stadtarchiv Krefeld ist dieser neue Bestand ein Glücksfall. „Wir haben Anfang vergangenen Jahres einen Schwerpunkt auf audio-visuelle Medien gesetzt", berichtet Richter. Dabei sollen vorhandene Film- und Tondokumente aufgearbeitet und für Nutzer zugänglich gemacht werden. Just in diesen Zeitraum fand das erste Gespräch mit Rommerskirchen über den Verbleib seiner Sammlung statt. „Es handelt sich dabei um eine moderne Quellengattung", schildert Richter. Da es sich bei den Kassetten und Platten zumeist um Massenware handelt, stehen diese Quellen in Archiven bislang nicht im Fokus. Für das Krefelder Stadtarchiv bedeute die „Sammlung Rommerskirchen" eine Abrundung des bisherigen Kulturbestandes von nicht-städtischen Einrichtungen oder Personen. „Sie vertritt alternative Aspekte der Kulturszene", so Richter. Die Tonträger bilden eine wichtige Ergänzung zu bereits vorhandenen Beständen. „Worüber man vorher nur lesen konnte, kann man sich jetzt auch anhören", sagt der Archivleiter.

Zu den ältesten Stücken zählt eine Aufnahme von „The Kelly Brothers" aus den 1960er-Jahren

Die Bandbreite des zu Hörenden ist groß: Fanfaren-Corps, Klassik, Filmmusik, Schulorchester, Jazz, Pop, Punk und Rock. „Alles hat einen Bezug zu Krefeld. Da ist einiges zusammengekommen", erzählt Rommerskirchen. Der 62-Jährige spielte über 40 Jahre selbst Schlagzeug in mehreren Bands und kennt entsprechend zahlreiche hiesige Musiker und Gruppen, die ihm auch immer mal wieder Singles und Langspielplatten überlassen haben. Die Vielzahl seiner Sammlungsstücke kaufte er jedoch nach Konzerten, in Geschäften oder auf Trödelmärkten sowie im Internet. „Es ist nicht nur die Musik, die mich begeistert hat", betont er. Unter den Schätzchen befindet sich auch eine Aufnahme von „Fritz Kids. Hart an der Grenze", die mit dem Krefelder Künstler Jari Banas für das Cover und ein dazugehöriges Comic gearbeitet haben. Zu den ältesten Stücken zählt eine Aufnahme von „The Kelly Brothers" aus den 1960er-Jahren. Seltenheitswert besitzen eine Single von zwei Schulorchestern aus dem Jahr 1968 und eine Werbesingle für Musikgeschäfte mit dem Titel „An der Musikbar", die für das Geschäft von Hans Jösch an der Hochstraße erhalten geblieben ist.

Plattenspieler. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Plattenspieler - geht gut ab. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Eine vergleichbare Sammlung mit diesem Schwerpunkt dürfte es in Krefeld nicht mehr geben. „Ich kenne keinen anderen Sammler", so Rommerskirchen. Neben den Platten, CDs und Videos bilden Plakate Teile des Bestandes. Einige Objekte haben die Zeit wohl nur in dieser Sammlung überdauert und sind die „Letzten ihrer Art". Trotz intensiver Bemühungen fehlen Rommerskirchen manche Produktionen, wie eine Platte der Schmackes Brass Band. „Es gibt bestimmt Leute in Krefeld, die solche Lücken schließen könnten", meint Hellfeier. Beide freuen sich nun, dass die Sammlung künftig professionell im Archiv aufbewahrt und dokumentiert wird. „Jetzt ist sie in guten Händen", sagt Rommerskirchen. „Es wäre toll, wenn damit wissenschaftlich gearbeitet wird", fügt Hellfeier hinzu. Die Voraussetzung will das Stadtarchiv in den kommenden Monaten schaffen, so dass Nutzer künftig online recherchieren können. Im Stadtarchiv werden sie dann auch die Möglichkeit haben, sich die Tonträger anzuhören.