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2019-01-21: Spektakuläre Kunstaktionen im und um Haus Lange

Zuletzt geändert: 07.03.2019 08:36:52 CET

Mit einer spektakulären Aktion der Künstlergruppe Haus-Rucker-Co startete das Frühjahr 1971 im Museum Haus Lange. Im Rahmen der Ausstellung „Cover - Überleben in verschmutzter Umwelt" vom 28. Februar bis 18. April 1971 wurde die Mies-van-der-Rohe-Villa in eine Traglufthalle aus weißem, beschichtetem Gewebe verpackt. Nach der Aktion verhüllte Christo Räume und Wege des Museums an der Wilhelmshofallee.

Haus-Rucker-Co 1971
Haus-Rucker-Co 1971

Hinter „Haus-Rucker-Co", der Name leitete sich von einem Gebirgszug bei Linz ab, agierte vor 40 Jahren eine österreichische Architekten- und Künstlergruppe. Das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel" berichtete 1971 über die Kunstaktion in Krefeld: „Die Gruppe, zu der sich die Architekten Laurids Ortner, 29, und Günter Kelp, 29, sowie der Maler Klaus Pinter, 30, zusammengetan haben, will nämlich nicht erst den Mief und Müll der Zivilisation selbst vorführen. In einem Zeitsprung simulieren die drei vielmehr das Leben mit der vorausgesetzten totalen Verpestung, ein Leben in synthetischen Reservaten."

Haus-Rucker-Co 1971
Vor dem Aufblasen der Halle.

Zu diesem Zweck verschwand das Krefelder Museum in Gänze unter einer zwölf Meter hohen Traglufthalle, die Besucher nur via Drehtüre betreten konnten, da die Halle unter Druck stehen musste. Aus Lautsprechern tönte eine Mischung aus Vogelstimmen, Waldesrauschen und Gewitter. Eine Quarzlampe simulierte die Sonne. „Eine Luft-Tankstelle etwa gibt sechs Personen gleichzeitig Gelegenheit, reinen Atem mit Fichtennadelduft zu schöpfen, und auf einem Frühstückstisch in transparenter Kunststoff-Kabine ist ein O2-Gedeck (Sauerstoff in der Flasche) serviert", berichtete der „Spiegel" über die Aktion.

Die Ausstellung kostete rund 150.000 D-Mark. Sowohl das Land als auch die Wirtschaft half bei der Finanzierung des Projekts. Die Investition zahlte sich unter anderem in einer bundes- und europaweiten Berichterstattung aus. Auch acht Fernsehteams berichteten über die Krefelder Ausstellung. Bereits im Vorfeld war das Medieninteresse sehr groß. „Cover" besuchten letztlich über 10.000 Menschen, ein großer Erfolg für die damalige Krefelder Museumsleitung.

Nachdem das Museum wieder ausgepackt worden war, kam Anfang Mai 1971 Christo, um es wieder einzupacken. Der Bulgare kam in die Samt- und Seidenstadt für seine Aktion „Verpackte Fußböden und verpackte Parkwege" im und um Haus Lange. Große Rollen braunen Packpapiers, meterweise Klebeband und Stoffbahnen lagen im Frühjahr dafür in Haus Lange parat. Seinen honorarfreien Auftritt in Krefeld bestimmte zuerst nur eine Tätigkeit wie eine Lokalzeitung schrieb: „ ... und er klebte und klebte und klebte."

Christo im Museum Haus Lange. Archivfoto: Kunstmuseen Krefeld
Christo im Museum Haus Lange. Archivfoto: Kunstmuseen Krefeld

Fenster für Fenster, die Heizkörper, Vitrinen und Wandsockel in Haus Lange verschwanden unter dem Packpapier. Um seine Finger vor dem Tesefilmkrepp zu schützen, trug Christo türkisfarbene Gummihandschuhe. Angesichts der großen Aufgabe half ihm der Hausmeister des Kaiser-Wilhelm-Museum. Der durfte allerdings nicht selbst kreativ werden, sondern arbeitete dem wortkargen Meister zu. Die Innenräume und die Wege des Parks legte der Künstler mit Stoffbahnen aus. „Christo hat im Grunde nur etwas verpackt, um anderes stärker sichtbar und erlebbar zu machen", beschrieb eine Lokalzeitung seine Arbeit.

Museumsdirektor Paul Wember und Christo. Foto. Kunstmuseen Krefeld
Museumsdirektor Paul Wember und Christo. Fotos: Kunstmuseen Krefeld

Angesichts seines schon damals hohen Bekanntheitsgrades war die Besucherresonanz und Berichterstattung recht groß. Gleichzeitig wurden im Kaiser-Wilhelm-Museum seine Foto- und Materialmontage für seine Sonderausstellung in Haus Lange präsentiert, die während der Schau noch mit aktuellen Beiträgen ergänzt wurde. Die Krefelder Christo Ausstellung in Haus Lange endete am 27. Juni 1971.