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Sonderausstellung „Abenteuer Großgrabung“ in Krefeld

Zuletzt geändert: 22.11.2019 11:03:33 CET

Das Archäologische Museum Krefeld zeigt zurzeit die Sonderausstellung „Abenteuer Großgrabung - Gräberfeld, Bataverschlacht und Römersiedlung". Erstmals wird im Haus an der Rheinbabenstraße 85 eine Auswahl an Funden und neuen Erkenntnissen nach der größten Grabung in der Geschichte des Museums präsentiert. Auf dem rund 3,7 Hektar großen Areal in Krefeld-Gellep sicherten die Archäologen Funde aus der Zeit 800 vor Christus bis 500 nach Christus. In zehn Monaten wurden 3.300 Befunde dokumentiert und circa 90.000 Funde geborgen. Die Schwerpunkte liegen auf einem eisenzeitlichen Gräberfeld, der Bataverschlacht 69 nach Christus und dem Nordvicus unmittelbar am Kastell. In der Ausstellung wird zudem die Arbeit der Archäologen vor Ort sowie die zeitaufwendige Restaurierung der Funde thematisiert.

Bereits zum Beginn der Grabungskampagne im Frühjahr 2017 entdeckten die Archäologen einige früheisenzeitliche Grabhügel und Urnengräber (circa 800 bis 450 vor Christus). Die freigelegten Gräber belegen, dass das Gebiet schon deutlich vor den Römern für Beisetzungen genutzt wurde. Einige der in Gellep zuletzt entdeckten Urnen sind nun in „Abenteuer Großgrabung" zu sehen. Dem römisch-fränkischen Gräberfeld in Krefeld-Gellep ging demnach an gleicher Stelle bereits ein großer Bestattungsplatz der Eisenzeit voran. Das Gräberfeld in Krefeld ist mit über 6.500 Gräbern das größte erforsche Feld nördlich der Alpen. Ein Teil der Funde werden in der Dauerausstellung im Archäologischen Museum Krefeld gezeigt.

Ausstellung "Abenteuer Großgrabung" im Archäologischen Museum Krefeld: Nachbildung eines römischen Siegesdenkmales aus der Bataverschlacht 69 nach Christus bei Gelduba (Krefeld-Gellep).  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Ausstellung "Abenteuer Großgrabung" im Archäologischen Museum Krefeld: Nachbildung eines römischen Siegesdenkmales aus der Bataverschlacht 69 nach Christus bei Gelduba (Krefeld-Gellep).
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Dass eine schriftliche, historische Quelle durch archäologische Funde belegt werden kann, bildet eine absolute Ausnahme: Die Schilderung des römischen Historikers Tacitus (58 bis 120) in seinen „Historien" über den Kampf im Jahr 69 zwischen den germanischen Batavern und den rund 12.000 Römern bei Gelduba können die Archäologen durch Funde belegen. Stadtarchäologe Dr. Hans-Peter Schletter hat hier eine in Europa einzigartige Entdeckung gemacht, die Standorte von zwei Siegesdenkmälern. An den Punkten, an denen sich die Schlacht zugunsten der Römer entschied, errichteten sie die den Göttern geweihte Denkmäler aus Schilden, Waffen und Helmen. Ein bereits 1988 gefundener Helm sowie ein weiterer seien ordentlich mit ihrem Oberteil nach unten in den Boden eingelassen. Ihre Wangenteile - wie die Helme aus Stahl - wurden abmontiert, gefaltet und in den Helmen abgelegt. Diese Fundsituation spricht für eine kultische Deponierung. Die beiden Helme und die neuesten Untersuchungsergebnisse über diese werden in der Sonderausstellung präsentiert.

Helmfund aus der Bataverschlacht 69 nach Christus bei Gelduba (Krefeld-Gellep).  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Helmfund aus der Bataverschlacht 69 nach Christus bei Gelduba (Krefeld-Gellep).
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich den Funden aus dem nördlichen „Vicus", einer kleineren römischen Zivilsiedlung, die an das römische Militärlager angrenzte. Dort ließen sich Händler, Handwerker, Gastwirte und die Frauen der Soldaten nieder. In dem Bereich haben die Archäologen Straßenverläufe gefunden sowie Fundamente von Wohn- und Lagerhäusern. Aber auch Alltagsgegenstände, Schmuckstücke und Münzen, die vom Leben der Römer am Rhein bei Krefeld erzählen.

Weitere Funde aus der Römer- und Frankenzeit aus Krefeld-Gellep werden in der Dauerausstellung präsentiert. Die Sonderausstellung endet am 20. September 2020. Die Dauer- und Sonderausstellung kosten fünf Euro Eintritt für Erwachsene, drei für Schüler. Kinder unter sechs Jahren haben kostenfreien Eintritt. Zudem gibt es Kombi- und Familienangebote. Öffnungszeiten: 11 bis 17 Uhr (bis 31. März); 10 bis 18 Uhr (ab 1. April). Weitere Informationen unter www.museumburglinn.de