Inhalt

So gehen die Partnerstädte mit Corona um: Leicester

Zuletzt geändert: 19.05.2020 15:08:19 CEDT

Kein Land in Europa hat im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie so viele Todesfälle zu beklagen wie Großbritannien. Auch Krefelds Partnerstadt Leicester hat durch das Virus zahlreiche Bürger verloren: In den Krankenhäusern der Stadt sind bis dato 310 Menschen gestorben, die an Corona infiziert waren (Stand: 18. Mai). Darunter sind nach Presseberichten auch jüngere Leute zwischen 20 und 30 Jahren. Die Gesamtzahl der Infizierten, die mittlerweile nur noch leicht steigt, beträgt in Leicester 812, in der gesamten Region Leicestershire liegt sie bei 1139 Personen. Damit erscheint auch die Sterberate außergewöhnlich hoch, doch das hängt möglicherweise mit der vergleichsweise geringen Zahl an Tests zusammen. „Seit dem Ausbruch des Virus sind wir Zeuge einer erschütternden Verbreitung in ganz Großbritannien geworden. Jetzt müssen wir feststellen, dass wir eine der höchsten Fallzahlen in Europa haben und eine Sterblichkeit, die etwa viermal so hoch liegt wie in Deutschland", schreibt eine Mitarbeiterin von Annette Byrne, der aktuellen Bürgermeisterin (Lord Mayor) von Leicester, in einem Brief an die Stadt Krefeld. Zwar sei die Zahl der Infizierten in Leicester im landesweiten Vergleich niedrig, aber der Verlust von so vielen Menschenleben wiege schwer. Deshalb steht der Gesundheitsschutz auch in Krefelds Partnerstadt an erster Stelle.

Menschenleere Straßen und Plätze in Krefelds Partnerstadt Leicester während der Corona-Pandemie. Fotos: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Der direkt gewählte Bürgermeister (City Mayor) und Verwaltungschef der Stadt, Peter Soulsby, bringt diese Haltung in einem Interview auf den Punkt: „Von Anfang an haben wir in diesen sehr herausfordernden Zeiten unsere Prioritäten klargemacht, nämlich die Verwundbaren in unserer Stadt zu schützen und alles dafür zu tun, dass die kritische Infrastruktur ohne große Unterbrechungen weiterläuft. Ich denke, das haben wir geschafft - aber der Preis, den unser Gemeinwesen dafür zahlt, ist hoch." Das Loch in der Stadtkasse soll allein in diesem Jahr rund 40 Millionen Pfund (rund 45 Millionen Euro) betragen. Seit 23. März ist der landesweite „Lockdown" in Kraft, den Premierminister Boris Johnson ausgerufen hat. Nach Möglichkeit sollen die Menschen daheimbleiben und von zu Hause aus arbeiten: Ausnahmen gelten nur für beruflich notwendige Fahrten, den Einkauf im Supermarkt und sportliche Aktivitäten von höchstens einer Stunde pro Tag. Schulen und Kindertagesstätten wurden geschlossen, ebenso Bars, Restaurants, Hotels und Veranstaltungsstätten sowie alle Geschäfte, die nicht den täglichen Bedarf decken.

Menschenleere Straßen und Plätze in Krefelds Partnerstadt Leicester während der Corona-Pandemie. Fotos: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Auch politische Zusammenkünfte des Stadtrats (City Council) wurden abgesagt, so dass manche Amtsträger länger als geplant auf ihren Posten bleiben mussten. Die Auswirkungen des „Lockdown" auf die Wirtschaft werden in jedem Fall gravierend sein, obwohl auch in Großbritannien Steuern und andere Abgaben gestundet wurden. Der besonders Respekt der Bürgerschaft gilt in diesen Tagen den Menschen, die an vorderster Front arbeiten. „Sie zeigen außergewöhnliche Widerstandskraft und Stärke bei ihrer Arbeit unter schwierigen, gefährlichen und herausfordernden Bedingungen", heißt es in dem Schreiben aus Leicester. An jedem Donnerstag um acht Uhr abends treten die Menschen in der ganzen Stadt deshalb vor ihre Haustüren und zeigen ihre Dankbarkeit, indem sie applaudieren.

Menschenleere Straßen und Plätze in Krefelds Partnerstadt Leicester während der Corona-Pandemie. Fotos: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Die Stadtverwaltung von Leicester arbeitet in weiten Teilen im Homeoffice. Für Fragen rund um die Epidemie wurde eine Mail-Adresse eingerichtet, auf der täglich etwa 200 Nachrichten eingehen. Ein wöchentliches Update wird elektronisch über den Newsletter „Your Leicester" verschickt. Der Bürgermeister hat sich außerdem per Brief an alle Haushalte gewendet. Die Stadt arbeitet auch eng mit Freiwilligen zusammen, etwa mit der Organisation „Voluntary Action Leicester". Darüber wird Beratung, Unterstützung und Training für bürgerschaftlich organisierte Gruppen angeboten. Nach einem Aufruf an die Öffentlichkeit, während der Pandemie ehrenamtlich zu helfen, muss nun die Arbeit von 1200 Freiwilligen koordiniert werden, die unter anderem bei der Essensausgabe an sozial Schwache helfen.

Verbindung zwischen unseren Ländern

In ihrem Brief an die Partnerstadt Krefeld, mit der noch im vergangenen Jahr der 50. Geburtstag der Verbindung beider Städte gefeiert wurde, betont die Stadtspitze von Leicester ausdrücklich die wenigen positiven Auswirkungen der Epidemie: „Wir können viel aus dieser Erfahrung lernen. Sie hat uns gezeigt, dass wir in der Lage sind, auf eine Krise zu reagieren, indem wir einen starken Zusammenhalt in unseren Nachbarschaften entwickeln. Wir haben in den vergangenen Wochen tolle Beispiele für Güte und Großzügigkeit erlebt." Mit Blick auf Krefeld - und wohl auch unter dem Eindruck des nun vollzogenen „Brexit" aus der Europäischen Union - heißt es in dem Brief: „Uns ist es wichtig, die Verbindung zwischen unseren Ländern zu erhalten. Das fühlt sich in diesen schwierigen Zeiten ganz besonders wichtig an."