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Shortlist für den Fantasy-Preis steht fest

Veröffentlicht am: 04.12.2020

Das Rennen um den Krefelder Preis für Fantastische Literatur geht auf die Zielgerade: Mit Veröffentlichung der Shortlist sind jetzt nur noch fünf Bewerber übrig. Den Gewinner, der Anfang des neuen Jahres bekanntgegeben wird, erwartet ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Mehr als 150 Autoren aus dem deutschsprachigen Raum haben sich um den erstmalig ausgeschriebenen Krefelder Preis für Fantastische Literatur beworben. Unter den Einsendungen waren Eigenveröffentlichungen, Werke aus spezialisierten Kleinverlagen und Titel aus großen Verlagshäuser. Die Auszeichnung wird im kommenden Jahr erstmals verliehen. Eine fünfköpfige Fachjury entscheidet über den Gewinner.

Sameena Jehanzeb: „Was Preema nicht weiß"

Erster Kandidat auf der Shortlist ist der Roman „Was Preema nicht weiß" von Sameena Jehanzeb, der in einer nahen Zukunft spielt. Das Buch entführt auf zwei spannende Handlungsebenen: auf eine hinter einem weißen Raum liegende, paradiesartige Lichtung kurz nach dem Weltuntergang und in die sich langsam aufbauenden, zurückkehrenden Erinnerungen einer jungen Frau. Beide Handlungsstränge werden von der 1981 in Bonn geborenen Autorin geschickt verwoben. Ein schönes Detail sind die jeweils am Kapitelanfang eingearbeiteten Grafiken, die nach und nach aus Scherben zu einem vollständigen Bild werden. Das Werk hat gerade den Selfpublishing Buchpreis 2020 gewonnen.

Thilo Corzilius: „Diebe der Nacht"

Irgendwo zwischen „The Italian Job" und „Ocean's Eleven" ist die Atmosphäre von Thilo Corzilius' „Diebe der Nacht" angesiedelt. Das Buch spielt in einem fantastischen, alternativen Venedig und handelt von einer Trickbetrüger-Bande, die zugleich Talente als Theatertruppe entfaltet. Der in Essen lebende Autor und Theologe wirft seine Leser in eine Welt aus Magie, Kunst, Schätzen und Humor, das Setting ist zugleich postindustriell und erinnert an die Renaissance. Am Ende des Buches wünscht man sich ein mechanisches Theater, um damit umherzuziehen und mehr von dieser Welt zu entdecken.

Timo Leibig: „Nanos - Sie bestimmen, was du denkst"

Der Roman „Nanos - Sie bestimmen, was du denkst" von Timo Leibig inspiriert zu Gedankenspielen, wie eine manipulierte Bevölkerung in einem absoluten Kontrollstaat wohl agieren würde. Erschreckend eindrucksvoll beschreibt der in Süddeutschland lebende Autor die Radikalität eines Überwachungssystems in der nahen Zukunft des Jahres 2028, aber auch das Leben der verfolgten Aussteiger und Oppositionellen im Freiheitskampf. Immer wieder geht es ihm dabei auch um menschliche Werte wie Vertrauen und Freundschaft.

Katharina Hartwell: „Die Silbermeersaga - Der König der Krähen"

„Die Silbermeersaga - Der König der Krähen" von Katharina Hartwell ist als Jugendbuch ab 14 Jahren empfohlen, schlägt aber auch Erwachsene in den Bann. Das überaus ansprechend und liebevoll gestaltete Buch erzählt die sehr düstere Geschichte verschwundener Kinder in einem nordischen Reich voller magischer Kreaturen. Als Auftakt einer Reihe ist der nächste Band für das Frühjahr angekündigt. Die gebürtige Kölnerin Hartwell hat schon mehrere Literaturpreise gewonnen, sowohl im Bereich Fantasy als auch in anderen Literaturgenres.

Birgit Jaeckel: „Das Erbe der Rauhnacht"

Birgit Jaeckel hat mit „Das Erbe der Rauhnacht" ein Weihnachtsbuch der anderen Art geschrieben. Weit entfernt von pausbäckigen Englein nimmt sie die Leser mit in die Mythologie des 16. Jahrhunderts und begibt sich auf die Spuren von Knecht Ruprecht. Die Handlung erzählt von der „Wilden Jagd", die in den längsten Nächten des Jahres Dörfer bedroht und Schrecken verbreitet. Die Autorin hat mit diesem Werk 2019 schon den Fantasy-Preis Seraph gewonnen.

Shortlist für den Fantasy-Preis steht fest. Foto: Stadt Krefeld, Museum Burg LinnDie Shortlist für den Fantasy-Preis steht fest. Foto: Stadt Krefeld, Museum Burg Linn

Insgesamt hat die Stadt Krefeld für den ersten „Krefelder Preis für Fantastische Literatur" 157 Einsendungen erhalten, zumeist aus Deutschland, aber auch aus Österreich, der Schweiz und Norwegen. Die Jury, bestehend aus Oberbürgermeister Frank Meyer, der städtischen Kulturbeauftragten Dr. Gabriele König, der Leiterin des Museums Burg Linn, Dr. Jennifer Morscheiser, der Schriftstellerin und Vorstandsmitglied von PAN (Phantastische Autoren Netzwerk), Fabienne Siegmund, und dem renommierten Lektoren Dr. Helmut W. Pesch, hat die Werke studiert und wird sich bis zum Jahreswechsel auf einen Preisträger verständigen. Aufgrund der Corona-Epidemie wird die offizielle Verleihung auf den Sommer 2021 verschoben.

Mit der neu geschaffenen Auszeichnung würdigt die Stadt Krefeld herausragende Romane oder Graphic Novels in deutscher Sprache, die sich mit Märchen, Sagen, Fantasy, Science-Fiction und anderen Inhalten der Fantastik beschäftigen. Der Preis, der in Form eines zwölfseitigen Würfels (Pentagondodekaeder) überreicht wird, soll ab 2021 alle zwei Jahre vergeben werden. Der zwölfeckige Würfel, der als Vorlage für die Trophäe dienen wird, ist ein archäologisches Fundstück aus dem nahe gelegenen Gelleper Gräberfeld, das in der Dauerausstellung im Museum Burg Linn zu sehen ist. Es gilt als eines der spannendsten Rätsel der Archäologie, weil bis heute niemand weiß, was eigentlich sein Zweck war. Entsprechend soll bereits dieses Objekt, das der Preisträger als Kopie erhält, die Fantasie anregen. Mit der Stiftung des neuen Preises möchte die Stadt Krefeld hochwertige Geschichten aus der Fantastik für eine breitere Öffentlichkeit entdecken und vor allem Kinder und Jugendliche für Literatur begeistern: Denn nicht erst seit „Harry Potter" ist Fantasy ein bevorzugtes Genre bei jungen Menschen.